Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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CHAMBÉRY C.7.

I.

Das Schloß von C. (castrum Camberiaci) erscheint in der Überlieferung i. J. 1057. - F., Dep. Savoie.

II.

Nacheinander gehörte C. den Vizegf.en von C. und den Gf.en von Savoyen, die ab 1419 Hzg.e waren. Die Gerichtsbarkeit über C. wurde 1232 von Thomas I. der Familie des Vizegf.en von C. gekauft, das Schloß erwarb vom selben Haus Amadeus V. 1416 erhob Ks. → Sigismund Gf. Amadeus VIII. zum Hzg.

Das Schloß liegt in einer Schlucht, die das Bourget-Tal und die Savoyen-Schlucht verbindet. Es befindet sich am Südufer eines Gewirrs von Bächen aus der Leysse und der Albane. Das Grundstück des Schlosses, ein künstl. Hügel, liegt in einer 270 m vom Südteil der Schlucht entfernten Talsenke. Vor der Entwicklung der Schloßanlage, aus der C. entstand, zogen Siedler von Lémenc und C.-le-Vieux auf das andere Ufer um.

Am Fuße des Schlosses entwickelte sich die Stadt. Das ganze MA hindurch ist die Stadt kirchl. als Teil des Dekanats von Savoyen vom Bm. Grenoble abhängig gewesen. Zunächst Sitz einer seit 1232 vom Gf.en von Savoyen abhängigen métralie, wird C. Sitz einer Bgft., einer lokalen Verwaltungsstruktur, die typ. für die fsl. Verwaltung war. Auch eine Maut wurde dort erhoben, denn C. liegt an einer Wegkreuzung, deren Hauptstraße am Paß von Mont-Cenis die Alpen überquerte.

Durch die Niederlassung der Gf.en von Savoyen im Schloß 1295 wurde C. zur Hauptstadt der Gft. Zur ersten Erwähnung eines Hügels kommt die einer Kapelle zu Beginn des 12. Jh.s. Aber das von Amadeus V. erworbene Schloß bedurfte tiefgreifender Umwandlungen, um Verwaltungsres. der Gf.en von Savoyen zu werden. Erste Erwähnungen stammen von 1297.

III.

Im N durch die Albane abgeschnitten, mußte man durch eine Brücke und einen Abhang eine Verbindung zur Stadt herstellen; sowohl im S als auch im W schüttete man den Hügel auf, wie die Arbeiten von 1308-10 zeigen. Die Umbauten verteilten sich auf das gesamte 14. und einen großen Teil des 15. Jh.s. Das Schloß erstreckte sich auf einem viereckigen Platz von 320 m an seiner Nordfassade, 200 m im W, 200 m im S und 100 m im O. Es ist aus Kalkstein aus den Steinbrüchen von Lémenc und aus Tuffstein erbaut, daneben aus Holz, das im Schloßbau eine große Rolle spielte.Der Bgf. führte die Bauaufsicht, unterstützt von Spezialisten, Maurern wie Jean, Perrin und Jean gen. Besti de Saint-Oyen, oder ab der Mitte des 14. Jh.s von Zimmerleuten wie Antoine Ragier, Humbert Malet, Jean Bondin oder Mathieu de Pierre-Châtel. Zu den Verteidigungsanlagen - Mauer, Türmen, Turm auf dem Hügel, Haupt- und Nebeneingängen -, die in den Jahren nach dem Erwerb des Schloßes angelegt wurden, wurde der Wohnbereich hinzugefügt, der aus einer Vielzahl von Räumen bestand, darunter die magna aula (1342), Stuben, Küchen und Kellerei. Einige Räume waren durchMauerschornsteine (pièles) beheizt, die Küchen bekamen ihr Wasser aus den Quellen von Jacob-Bellecombette. Das Wasser lief durch offene Rinnen aus Tannenholz. Die administrative Funktion des Schlosses wurde manifest durch die Kanzlei, erwähnt unter der Regierung Aymons, und durch die Rechnungskammer (1351), deren Vorläufer der Turm der Schatzkammer ist.

Dem Gottesdienst diente eine Kapelle, die in der Art der Pariser Sainte-Chapelle des hl. Ludwig in der ersten Hälfte des 15. Jh.s wiedererrichtet wurde und die als Schrein für das (Turiner) Grabtuch Jesu dienen sollte. Das Schloß war niemals letzte Ruhestätte der Gf.en von Savoyen. Diese befand sich in der Zisterzienserabtei von Hautecombe.

Das Schloß von C. war nicht die einzige fsl. Res. Zuvor hielten sich die Gf.en auf dem Schloß von Montmélian auf. Ihre Sommerres.en lagen beide an Seeufern wie die Res. von Bourget am Südufer des Sees von Bourget, dann, am Ende der Regierungszeit von Amadeus VI., die Res. von Ripaille am Südufer des Genfer Sees. In der Zwischenzeit hatte sich der Schwerpunkt der Gft. und später des Hzm.s trotz der Eroberung Nizzas nach N ver- lagert.

Quellen

Archives Départementales de Savoie. Chambéry, Livre vert, fonds Sa, comptes de châtellenie de Chambéry, comptes de la fabrique du château. - Archivio di Stato di Torino, Archives camérales, comptes des trésoriers de Savoie.

Brondy, Réjane: Chambéry, histoire d'une capitale, vers 1350-1560, Lyon 1988. - Castelnuovo 1994. - Histoire de Chambéry, hg. von Christian Sorrel, Toulouse 1992. - Perret, André: Le château et la Sainte-Chapelle de Chambéry, in: Congrès archéologique de France 123 (1965) S. 9-20.