CADOLZBURG C.7.
I.
Kadoldesburc (1157); Kadoltesburg (1164); Cadelspurck (1267). Noch in der Neuzeit wechselnde Schreibweisen mit K oder C. - Burg und Markt - Höhenburg - zoller. Bgf.en von → Nürnberg (ab 1415 Mgf.en von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach) - von der Mitte des 13. bis etwa zur ersten Hälfte des 15. Jh.s Hauptres., danach Nebenres. - D, Bayern, Reg.bez. Mittelfranken, Landkr. Fürth Land.
II.
Die C. liegt ca. 15 km westl. von → Nürnberg auf einem schmalen, durch Steilabhänge auf mehreren Seiten schwer zugängl. Ausläufer des Dillenberges.
Keimzelle von Burg und Ort C. war möglicherw. der »Bauhof« im Farrnbachtal, bei dem es sich um ein freies Königsgut oder den Fronhof eines Ministerialen gehandelt haben dürfte. Der Name C. geht zurück auf einen hist. nicht bestimmbaren Cadolt, den vermutl. Erbauer der Burg. Über den Zeitpunkt ihrer Entstehung sind keine zuverlässigen Angaben mögl. Sie gehörte zum Besitz der von der zweiten Hälfte des 11. bis zum Ende des 12. Jh.s belegten Gf.en von Abenberg im Rangau.
Um 1200 erlangten die erst wenige Jahre zuvor nach Franken gekommenen zoller. Bgf.en von → Nürnberg durch Heiraten mit den Gf.en von Abenberg und den Gf.en von Raabs deren jeweils umfangr. Streubesitz in Mittelfranken, der mehrere Verdichtungskerne, u. a. um Abenberg und C., aufwies. Für diese im Laufe der Zeit allmähl. zusammenwachsenden Besitzteile bot sich die C. als Mittelpunkt an. Etl. hier seit 1246 abgeschlossene Verträge, Vermählungen sowie Besuche hochgestellter Personen offenbaren zudem das gezielte Bemühen der als Bgf.en von → Nürnberg funktionslosgewordenen, aber äußerst ehrgeizigen Zollern, die C. als administratives Zentrum ihres entstehenden Territoriums und als ihren neuen, bevorzugten Wohnsitz ins Bewußtsein der polit. Öffentlichkeit zu rücken.
Die gleichnamige Siedlung zu Füßen der C. entstand als Niederlassung der Burgdienstmannen. Ende des 13. Jh.s umfaßte sie nur 20 Anwesen, erfuhr jedoch mit dem Aufstieg zum bgfl. Residenzort eine deutl. Vergrößerung, Bedeutungszunahme und Stärkung ihrer Wirtschaftskraft. 1360 wird C. erstmals als Sitz eines Kastenamts, 1388 als Markt bezeichnet. Der Zeitpunkt der Markterhebung ist nicht belegt. Die 1348 verstorbene Gemahlin Bgf. Friedrichs IV. stiftete in C. ein Badehaus. 1443 gestattete Mgf. Albrecht die Errichtung einer ersten Befestigung in Form eines Palisadenzauns, nach derEinnahme und Brandschatzung des Ortes im Markgrafenkrieg von 1449 den Bau des heute noch in Hauptzügen vorhandenen Mauergürtels. Die ebenfalls 1443 durch Mgf. Albrecht gewährte Markt- und Gerichtsordnung bestimmte den maßgebl. Einfluß des Landesherrn bei der Wahl des Marktrates, an dessen Sitzungen der mgfl. Vogt obligator. teilnahm. Die Aneignung von Kompetenzen durch den fsl. Amtmann schränkte die Selbstverwaltung des Ortes zusätzl. ein. Das weitverzweigte Niederadelsgeschlecht der Seckendorff, dessen gleichnamiger Ansitz nahe bei C. lag, stellte seit dem 13. Jh. zahlr. Inhaber wichtigerÄmter am bgfl./mgfl. Hof sowie in der Verwaltung.
III.
Über die ursprgl. Gestalt der C. ist kaum etwas bekannt. Die angebl. Errichtung eines Neubaus anstelle des abenberg. Vorgängerbaus durch die Nürnberger Bgf.en kurz vor 1250 ist nicht belegt. In ihrer heutigen Form besteht die C. aus zwei durch einen kurzen Querbau verbundenen Gebäudetrakten. Der fälschlicherw. als »Neuer Bau« bezeichnete Ostflügel - in seinem Nordabschnitt einst Palas - ist der älteste Teil. Er wurde unter Mgf. (Kfs.) Friedrich I. (1398-1440) stark erweitert und erfuhr im 16. Jh. eine wesentl. Umgestaltung im Renaissancestil, im17./18. Jh. weitere kleinere Veränderungen. Der westl. dreigeschossige, rechteckige »Alte Bau« wurde ebenfalls in den ersten Jahrzehnten des 15. Jh.s - möglicherw. unter Verwendung älterer Fundament- und Mauerteile - neu errichtet. Im Untergeschoß befand sich wahrscheinl. das »Laboratorium«, in dem Mgf. Johann der Alchimist Gold herzustellen versuchte, im ersten Obergeschoß eine große Halle sowie der unter Mgf. Albrecht Achilles um 1480 eingewölbte, repräsentative fünfeckige Erkersaal mit Kamin, im zweiten Obergeschoß und im Dachgeschoß eine größere Zahl kleinerer spätgot. Räume,z. T. mit reich geschnitzten und bemalten Holzdecken und Vertäfelungen. Der »Küchenbau« an der Südseite des Alten Baus wird durch einen hohen Kamin (»Ochsenschlot«) dominiert. Die Lage der ersten Kapelle innerhalb der Burg ist unbekannt (1267 Erwähnung eines dominus Fridericus capellanus in Cadolczburg, 1375/1379 Meßstiftungen Bgf. Friedrichs V. und seiner Gemahlin Elisabeth in der Burgkapelle). Im 15. Jh. entstand in dem Alten und Neuen Bau verbindenden »Kapellenflügel« eine neue Kapelle mit einem 1485 durch Pfarrer Peter Keud gestifteten Flügelaltar.Die gesamte Einrichtung der C. ging im Dreißigjährigen Krieg verloren. Ein Großbrand in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges beschädigte die Burg schwer. Seit 1978 sind umfassende Restaurierungsarbeiten im Gange.
Hauptburg, Vorburg und Markt bilden eine fortifikator. Einheit. Die durch ihre hochaufragende Ringmauer sehr geschlossen und wehrhaft wirkende Hauptburg ist durch einen als Bergfried dienenden Torturm und einen breiten Zwinger von der Vorburg, diese durch Torturm und Halsgraben vom Markt getrennt. Der durch einen Mauerring geschützte Markt wiederum wirkte von der Angriffseite (Hochfläche) her wie eine zweite Vorbefestigung der Hauptburg. Die sehr geräumige, von der Ringmauer umgebene Vorburg diente als Wirtschaftshof. In älterer Zeit standen dort Wohnungen der Burgmannen sowie Vorratshäuserfür die Naturalabgaben (Getreidekasten). Die heutigen Gebäude stammen aus dem 18. und 19. Jh.
Der Versorgungsbedarf der C. mit Grundnahrungsmitteln wurde weitgehend durch der Herrschaft gehörende Produktionsstätten in unmittelbarer Nähe gedeckt. Nach den Urbaren und Salbüchern von 1360, 1414 und 1464 zählten dazu drei Wirtschaftshöfe (»Bauhöfe«) bei C., Zirndorf und Buttendorf, ein »Schafhof«, neun Weiher und »Fischgruben«, sechs Fischteiche, 25 Tagwerk Wiesen, 14 Waldstücke und Gehölze, ein »Baumgarten«, ein Badeweiher sowie einige um die Mitte des 15. Jh.s aufgelassene Weinberge. Die Imker der »Zeidelweide« mußten die Hälfte vom Honig und Wachs an dieHerrschaft abgeben. 1447 wird ein herrschaftl. »Tiergarten« bei C. erwähnt. Die Wälder um C. zählten zu den wildreichsten Jagdrevieren im Mgfm. → Ansbach. Versorgungsgüter des gehobenen Bedarfs sowie Luxusgüter konnten leicht aus der nahegelegenen Fernhandelsmetropole → Nürnberg bezogen werden.
Im Burgbereich dürfte schon vor 1280 eine dem hl. Nikolaus geweihte Pfarrkirche existiert haben, die sowohl als Eigenkirche des Burgherrn wie als Sprengelkirche für die umliegenden Ortschaften diente. Um 1280 wurde die Pfarrkirche vom Berg ins Tal verlegt, später erweitert, wobei die Ernennung und Besoldung des Pfarrers sowie die subsidiäre Baupflicht an Kirche und Pfarrhaus weiterhin dem Burgherrn oblag. 1409 gründete Bgf. Friedrich VI. das ca. 8 km von C. entfernte, also residenznahe Augustiner-Chorherrenstift Langenzenn.
Quellen
Salbuch des Amtes Cadolzburg von 1414, in: Die Urbare des Burggrafenthums Nürnberg unter dem Gebirge bis 1450, München 1902 (MB. NF I), S. 571-674. - Salbuch des Amtes Cadolzburg von 1464, in: Die Urbare des Burggrafentums Nürnberg unter dem Gebirge, Nachtrag bis 1500, München 1912 (MB. NF II,1), S. 1-300.
Literatur
Gebessler, August: Art. »Cadolzburg«, in: Stadt und Landkreis Fürth, München 1963 (Bayerische Kunstdenkmale, 18), S. 77-93. - Kroner, Michael: Suche nach Gold und dem Stein des Weisen. Alchemistische Literatur und Experimente am Burg- und Markgrafenhof von Cadolzburg, in: Fürther Heimatblätter 42 (1992) S. 125-129. - Kroner, Michael: Cadolzburg. Im Wandel von der Hohenzollernresidenz und dem Ämtersitz zum gewerblich-industriellen Markt, Cadolzburg 1993. -Seyboth 1989. - Thiersch, Heinrich: Das Hohenzollernschloß Kadolzburg bei Fürth in Bayern, in: Zeitschrift für Bauwesen 60 (1910) S. 346-358. - Wiessner, Wolfgang: Art. »Cadolzburg«, in: Stadt- und Landkreis Fürth, München 1963 (Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, 1), S. 21-23. - Zeune, Joachim/Dunn, Mike/ Dresen, Peter: Abenberg und Cadolzburg - zwei Hohenzollernburgen, in: Burgen und Schlösser 38,1 (1997)S. 16-26.