Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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BUCHAU C.4.2.

I.

Buchau - monasterium (819); Puahauua - monasterium (857); Buchouva - mercator de (1022); Buchove - coenobium (1213); Buchau - Stadt (1320). Name von »Buche« und »Au« = von Wasser umspülter Platz; beschreibt die Lage der Siedlung: eine fast völlig vom Wasser umspülte mit Buchen bestandene Moränenkuppe. - D, Baden-Württemberg, Kr. Biberach, Bad B.

II.

Gründung einer weibl. Kommunität um 770 auf dem höchsten Punkt der in den Federsee ragenden Halbinsel in der Nähe der Burg der Gf.en von Kesselburg. Verkehrsgünstige Lage an einer fränk. Straße, die von → Meersburg nach Ulm über Ravensburg und Biberach führte. Umgebung von B. gehörte zur centena Eritgow, wo im 8. Jh. Gf. Warin als Träger der fränk. Grafschaftsorganisation amtierte. In diesen Zusammenhang gehört die Gründung. In Anlehnung an die geistl. Niederlassung Anfang des 11. Jh.s Marktsiedlung, aus der sichdie spätere Reichsstadt B. entwickelte. Trennung von Stift und Stadt erst im 14. Jh. vollzogen, erst allmähl. Ausbildung zweier eigenständiger Gerichtsbezirke. Ein Hinweis auf die Größe der Stadt gibt die Nachricht, 1412 seien bei einem Stadtbrand das Rathaus und 46 Häuser zerstört worden. Der Stiftsbezirk umfasste 1780 neben der Kirche und den Konventsgebäuden 19 Gebäude. Das Verhältnis von den auf engstem Raum nebeneinander sich entwickelnden Herrschaftsbildungen Stadt und Stift ist meist gespannt, es gab immer wieder Streitigkeiten und vertragl. Abmachungen, v. a. um die gegenseitigeAbgrenzung der Gerichtsrechte, aber auch um die Nutzung gemeinsamer Marken und um die Güter des Stifts in der Stadt, insgesamt von 1376 bis 1794 43 Verträge.

III.

Die älteste Gesamtansicht des Stifts stammt von 1630; auf ihr besteht das Stift nur aus einem kleinen Haus mit Speichergiebel und einer kleinen kaum sichtbaren Kirche (HHStA RHR Decisa 1054), die nächste Ansicht findet sich in Merians »Topographia Sueviae« von 1643, aus dem sich die älteste Kirche ergibt - eine Basilika, die wohl in spätgot. Zeit eingewölbt und mit einem Polygonalschluß versehen wurde. Auch der Turm wurde zur gleichen Zeit erhöht und mit Treppengiebel und fialengekrönten Kielbogennischen ausgebaut. Ebenfalls im 15. Jh. wurde das 1229erstmals genannte palatium der Äbtissin zu einem got. »Schloß« umgebaut. Daß umfangr. Bauarbeiten im 15. Jh. stattgefunden haben zeigt auch der Quellenbefund, nach dem 1445 von einer domus novae [...] Abbatisse die Rede ist und die Kirche 1459 und 1491 rekonziliiert wurde. 1508 wurde der Stiftsbezirk mit einer Ringmauer umgeben und unter Maria Jakoba von Schwarzenberg (1556-94) soll das Abteigebäude zu einem Renaissancebau umgestaltet worden sein. Während des Dreißigjährigen Kriegs stark zerstört, wurden die Stiftsgebäude1657 wiederaufgebaut. Eine durchgreifende Umgestaltung erfolgte dann unter Maria Theresia von Montfort (1693-1742), bei der 1709 zunächst ein Kavalierbau, 1744 bis 1748 dann nach Plänen von Johann Caspar Bagnato ein erster westl. Flügel der neuen Stiftsgebäude errichtet wurde. Der Neubau der Konventsgebäude wurde dann in den Jahren nach 1767 von Pierre Michel d'Ixnard durch einen Nordflügel, als Damenbau bezeichnet, und einen Ostflügel, der nach dem Vorbild eines Kreuzgangs auch mit Arkaden versehen wurde, zum Geviert ergänzt und abgeschlossen. D'Ixnard hat dann in den Jahren 1773-76 auchdie Kirche grundlegend zu einem frühklassizist. Bau umgestaltet, wobei die alte Kirche fast vollständig abgebrochen wurde. Der Zustand des Stiftsbezirks am Ende des 18. Jh.s ergibt sich aus einem Lageplan von 1780. Danach schloß sich im N an die Kirche das Geviert der Abteigebäude an, an das sich jeweils nach O und nach W bis zur Stiftsmauer ein weiterer dreistöckiger Flügel anschloß. Im S an die Kirche anschließend lag ein Friedhof und die St. Anna-Kapelle, eine Stiftung des Kanonikers Biermann aus dem frühen 18. Jh., im daran anschließenden südl. und südöstl. Stiftsbereich einige Häuser vonBeamten und Geistl. sowie an der Stiftsmauer Stallungen, im W Wirtschaftsgebäude (Metzig, Holzschof, Waschhaus) und die Rentmeisterei.

Die Res. der Äbtissin befand sich zunächst sicherl. in dem mit den Stiftsdamen gemeinsam bewohnten »Adelsbau«, nach dem Neubau von 1744 dann in dem auch als »Fürstenbau« bezeichneten westl. Flügel des neuen Stiftsgebäudes, der durch ein vorspringendes Mittelstück hervorgehoben war. Dort bewohnte sie nach einer Aufstellung um 1800 im dritten Stock vier große Zimmer; dazu gehörten ein kleines Kabinett, ein Vorzimmer für wartende Gäste und zwei kleine Zimmer für ihre Kammerjungfern. Im selben Gebäude befinden sich - im mittleren Stock - auch vier »große und bequeme« Gastzimmer.

Quellen

HSA Stuttgart Bestand B 373, Buchau, Damenstift. - SA Sigmaringen Bestand Dep. 30/14 T 1 Buchau, Urkunden, Tl. 2: Buchau, Amtsbücher, Tl. 3: Buchau, Akten. - Fürst Thurn und Taxis Zentralarchiv Regensburg, Schwäbische Akten, Reponierte Registratur Buchau.

Germania Sacra. NF, 32, 1994 [dort alle weiteren Literaturangaben].