BRUGG C.7.
I.
Bruggo (12. Jhd.), Brucca (1164/74), Brukke (1227/34), alter Brückenkopf, Markt- und Gerichtsort in der Nähe der habsburg. Stammburg mit habsburg. Burg in B.-Altenburg und einem Stadthaus. - CH, Kanton Aarau, Bezirksstadt.
II.
In B. kreuzten sich O-W-Straßen mit der Straße nach Aventicum/Avenche am Übergang der Aare im Aargau (Schweiz), der schon in vorröm. Zeit besiedelt war und ein röm. Castell in B.-Altenburg besaß. Seit dem 11. Jh war die Brückensiedlung habsburg., die frühma. Holzbrücke wurde 1455 durch eine gedeckte Brücke ersetzt. Kurz nach 1200 erhielt der Ort das Marktrecht, wurde 1254 als oppidum und 1266 als stat bezeichnet. 1239 fiel B. an die Linie Habsburg-Laufenburg und erhielt 1284 von Kg. → Rudolf I. nach demVorbild Aaraus das Stadtrecht. 1333 nahm B. an einem Landfriedensbund teil und hatte 1351/53 Burgrechte mit Baden und Mellingen, 1364 kamen die Ämter Eigenamt und Bözen unter die milit. Führung der Stadt unter einem Schultheiß, einem kleinen Rat mit acht und einen großen Rat mit zwölf Mitgliedern und einem Stadtgericht. 1415 dauerhafte Eroberung durch Bern und Verlust für die Habsburger. 1444 im Zürichkrieg durch habsburg. Parteigänger geplündert, niedergebrannt und bis 1480 wieder aufgebaut.
Die Stadt war zeitweilig Aufenthaltsort der Landesfs.en, wie z. B. Leopold III. (1384, 1385, 1386), Leopold IV. (1406) und Friedrich IV. (1406).
III.
Schlößli in B.-Altenburg: Am Aareknie oberhalb des Stadtkerns bestand bereits im HochMA in den Resten des spätröm. Castells ein Adelssitz und stand im 11. Jh. wahrscheinl. in Zusammenhang mit dem in den Acta Murensis erwähnten Lanzellin, comes de Altenburg, der als Vorfahre der Habsburger gilt. Möglicherw. war der Adelssitz ein Vorgänger der Habsburg. Um 1303 ist im Habsburger Urbar nur noch eine Hofstatt erwähnt. Das erhaltene spätgot. Turmhaus baut auf spätröm. Mauerwerk auf, das noch bis 7 m Höhe und mit einer Stärke von 5 merhalten ist.
Habsburg: Die Stammburg der Habsburger befindet sich auf dem Wülpelesberg in allernächster Nähe zur Stadt B. Um 1020/30 nach den Acta Murensia von Radbot und seinem Schwager Werner, Bf. von Straßburg, errichtet. Aus dieser Zeit stammt der archäolog. ergrabene, frei stehende und bemerkenswert große Steinpalas im O, der von Holzbauten umgeben war. Ende des 11. Jh.s erfolgte der Ausbau der Wehranlage und Umgestaltung zur Doppelburg mit großem Innenhof und Burgkapelle, wie sie 1108 erstmals als Havichsberch belegt ist. Ende des 13. Jh.s (z.Zt. → Rudolfs I.)bereits nicht mehr von Habsburgern als Res. benutzt und an Dienstmannen vergeben. 1415 von Bern erobert, zerfiel seit dem 16. Jh. der bedeutendere und ältere Ostteil der Burg, der erst 1978-83 wieder ergraben wurde. Von der westl. Hälfte der Doppelanlage sind noch Bergfried und ein schlichter Palas recht gut erhalten.
Schwarzer Turm mit Österreicher Haus/Effinger Haus: Der sog. schwarze Turm mit röm. Reminiszenen im Unterbau ist älter als die Stadt B. und schon 1238 erwähnt. Er scheint in Zusammenhang mit dem Bergfried der Stammburg zu stehen und diente als Schutz der Aarebrücke. Mit ihm dürfte der sog. »Effingerhof«, ein ehemaliges habsburg. Stadtgebäude, das Albrecht II. dem Lahmen (frühes 14. Jh. zugeschrieben wird) und 1323 von Friedrich Effinger angekauft wurde, habsburg. Kernbesitz gewesen sein. Es handelte sich um einen fünfgeschossigen, burgartigen, wenig befensterten Wohnturm mit Walmdach,der 1864 abgebrochen wurde.
Quellen
Das Kloster Muri im Kanton Aargau, hg. von Martin Kiem, in: Die ältesten Urkunden von Allerheiligen in Schaffhausen, Rheinau und Muri, hg. von Franz Ludwig Baumann, Gerold Meyer von Knonau und Martin Kiem, Basel 1883 (Quellen zur Schweizer Geschichte, 3), S. 99-206. - Die Urkunden des Stadtarchivs Brugg, hg. von Georg Boner, Aarau 1937 (Aargauer Urkunden, 7).
Literatur
Banholzer, Max: Geschichte der Stadt Brugg im 15. und 16. Jahrhundert. Gestalt und Wandlung einer schweizerischen Kleinstadt, Aarau 1961. - Frey, Peter, Hartmann, Martin, Maurer, Emil: Die Habsburg. 5., vollständig überarbeitete Aufl., Bern 1992. - Fröhlich, Erich: Art. »Brugg«, in: HBL II, 1924, S. 372-373. - Quarthal 1991. - Stettler,Michael/Maurer, Emil: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. 2: Die Bezirke Lenzburg und Brugg, Basel 1953 (Die Kunstdenkmäler der Schweiz, 29). - Vorderösterreich, 2000.