BRIXEN C.3. (Bressanone)
I.
Prihsna (901), Brihsina (967), Brixina (1027), Brixen (1297), am Zusammenfluß von Eisack und Rienz, 52 km südl. des Brennerpasses im Obst- und Weinbauland (560 m ü. d. M.) gelegen, seit mittlerer Steinzeit ständig besiedelt, wurde Mitte des 10. Jh.s als Bischofssitz gegr., seit 1027 Sitz des Ftm. B. - I, Prov. Bozen (Südtirol).
II.
K. Otto II. bestätigte 967 in Brihsina Rihperto Prichsinensis ecclesie episcopo die Schenkung der Alten Kapelle in → Regensburg. Noch vor 1000 war durch Bf. Albuin der Bischofssitz endgültig von Säben/Klausen (5. Jh.) nach B. verlegt worden.
Die Res. des Bf.s, eigens befestigt, umfaßte den Dom der hl. Kassian und Ingenuin, Kreuzgang, Bischofshof, doppelgeschossige Hofkapelle, Domherrenhof und Domschule. Nördl. des Bischofssitzes entstand die bürgerl. Siedlung mit der Pfarrkirche zum hl. Michael, Friedhof, Bürgerhäusern, um 1020 durch eine Stadtmauer befestigt. Die Stadtburgen des Hauptmanns im W, des Stadtrichters im O, der Ministerialen von Rodank im SO und derer von Säben im NW schützten den Stadtkern. Das Kreuztor im W mit Anschluß zur Reichsstraße, das Michaelstor im O mit Anschluß zur Pustertaler Straße waren dieHauptzugänge, das Tor am Kreuzgang führte zum Dombezirk, das Säbenertor im N zu den Städeln. Die vorgelagerten Siedlungen Kreuzgasse im W, Altenmarkt- und Trattengasse im N, Gries und Stufels im O, Runggadgasse im S wurden um 1330 in die Stadtviertelverwaltung einbezogen. Hof und Adel unterstanden dem Hofgericht, Domkapitel und Klerus dem Gericht des Domdekans, die Bürger dem vom Bf. ernannten Stadtrichter mit hoher Gerichtsbarkeit und Aufsichtsrecht über die Stadtverwaltung. Das um 1380 aufgezeichnete Stadtrecht gewährte nur geringe Bürgerfreiheit; 1385 wird erstmals ein Bürgermeistererwähnt, zu Beginn des 16. Jh. ein zwölfgliedriger Ausschuß und Viertelmeister für die ordentl. Verwaltung; 1530 wurde ein Rathaus erworben, 1595 endl. ein erwählter zwölfgliedriger Stadtrat und ein zwölfgliedriger Geschworenenrat vom Bf. bestätigt; 1604 wurde das erneuerte Stadtrecht erlassen. Der aus bürgerl. Ternovorschlag vom Bf. ernannte Bürgermeister, Stadtrat und Geschworenenrat unterstand der Kontrolle des Stadtrichters. Handwerk und Handel blühten seit dem 15. Jh. auf, Bildung und Kunst wurden von Bf. und Domkapitel gefördert.
III.
Die ursprgl. Res. der Bf.e in befestigter Burg schloß im S an den Dom an; um 1215 wurde eine neue, freskengeschmückte Hofkirche errichtet und darin ein Kollegiatkapitel gestiftet. Die polit. Entwicklung um die Mitte des 13. Jh.s forderte aus Sicherheitsgründen einen Neubau für den Bischofssitz; das alte Gebäude diente bis ins 17. Jh. als Sitz für den Stadthauptmann, dann für die Weihbf.e. Die um 1265 errichtete neue Burg an der Südwestecke der Stadt, mit Wassergraben, Türmen und Mauern befestigt, wurde unter Kard. Andreas von Österreich 1595-1600 und Bf.Christoph Andrä von Spaur 1607-10 als Renaissance-Schloß vollständig umgebaut, unter Bf. Kaspar Ignaz Gf. Künigl 1706-11 barockisiert. Im vierflügeligen Palast, »am Hof«, seit frühem 19. Jh. »Hofburg« gen., befanden sich der Wohntrakt der Bf.e, ein ebenso großer Kaisertrakt, die Hofkirche (1711), das Hoftheater an der Hauptfassade (1607), die Kanzleiräume für die Fürstentums- und Diözesanverwaltung, Hofbibliothek, Hof- und Diözesanarchive, Haushalteräume. Den dreigeschossigen Innenhof mit Pfeilerarkaden ließ Kard. Andreas von Österreich an den Pfeilern im ersten Obergeschoß mit 44Tonskulpturen seines Stammbaumes 1598 von Hans Reichle schmücken.
Zum Hofburg-Ensemble außerhalb des Burggrabens gehörten vor der Hauptfassade im O der Platz am Hof, im N das um 1625 errichtete Neugebäude als Wagenburg, Hofstallungen, Gesindewohnungen; anschl. Orangerie und Volière bis hin zur Stadtmauer, die im W bis an die Hofburg heranreicht; den Ziergarten in der Mitte umschließen die Hirschställe, Fischkalter und Sommerhaus; im S der Hofburg liegt der schon 1265 urkundl. erwähnte Obstgarten, um 1570 mit einer Mauer umfriedet und an den Südecken mit chines. und japan. Turm abgeschlossen. Das wertvolle Ensemble ist großteils erhalten geblieben.
Quellen
Akten zur Baugeschichte im Hofarchiv Brixen.
Literatur
Gelmi 2000. - Gelmi, Josef: Geschichte der Kirche in Tirol: Nord-, Ost- und Südtirol, Innsbruck 2001. - Mader, Ignaz: Die alte Stadtanlage und Befestigung von Brixen, in: Der Schlern 2 (1921) S. 244-249. - Mutschlechner, Josef: Alte Brixner Stadtrechte, Innsbruck 1935 (Schlern-Schriften, 26). - Passler, Josef: Der Brixner Hofrat 1537-1702, Diss. Univ. Innsbruck 1969. - Tavernier, Ludwig: DerDombezirk von Brixen im Mittelalter: bauhistorische Studien zur Gestalt, Funktion und Bedeutung, Innsbruck 1996 (Schlern-Schriften, 294). - Tinkhauser, Georg: Topographisch-historisch-statistische Beschreibung der Diöcese Brixen [...], Bd. 1, Brixen 1855. - Weingartner, Josef: Die Kunstdenkmäler Südtirols, Bd. 2, Wien 1923. - Wolfsgruber, Karl: Die Hofburg Brixen, in: Tiroler Burgenbuch, hg. von Oswald Trapp, Bd. 4, Bozen 1977. -Wolfsgruber, Karl: Die Brixner Hofburg, eine Führung durch das Diözesanmuseum, Bozen 1987.