BRIEG C.7. (Brzeg)
I.
Seit 1329 als böhm. Lehen schles. Mediatfsm. Im Hzm. Breslau wird 1235/45 die Burg erwähnt, aus der ab 1311 eine Residenzstadt wurde. Seit 1354 residierte ein eigener Fs. aus der B.er Linie, Ludwig I. mit Agnes von Glogau. Nach dem kinderlos gebliebenen Hzg. Georg I. (1505-21) fiel das Hzm. an den Liegnitzer Bruder, der von seiner Res. in → Liegnitz aus regierte. Zweite Res. der B.er Piasten war die deutschrechtl. Gründung Ohlau 1234, zeitw. selbst Sitz eines Teilfsm.s und Witwensitz. Ludwig I. 1342 ließ die neue Burg am Nordrand der Stadt errichten,dessen Terrain besseren Wasserschutz bot. Seit 1311 war auch die alte Berganlage Nimptsch weiterer Nebensitz. Neubauten und das Auftreten unfähiger Vertreter in den Haupt- und Nebenres.en wie Haynau verursachten dauernde Finanznot; 1486 wurden die Standesherrschaften Wartenberg und Trachenberg abgetrennt. - PL, Wojewodschaft Opolskie.
II.
Visokebrzeg, über dem slaw. Fischerdorf auf den 10 m hohen überschwemmungssicheren Uferplateau (alta ripa) gelegen, wurde 1250 zu Neumarkter Recht von Heinrich III. von Breslau ausgesetzt und erhielt 1328 Magdeburger Recht. Am Westrand der auf ovalem Grdr. mit gradlinigem Straßennetz planmäßig angelegten Stadt befand sich vor der Stadtgründung nur ein Wirtschaftshof, in welchen die später zur hzgl. Res. ausgebaute Burg einbezogen wurde. Der Stammvater der Liegnitz-B.er Piasten Bolko III. residierte seit 1311 in derOderbrückenstadt am Flußübergang, die 1293 mit Mauerbefestigung und Wallgraben umgeben worden war. Sie erhielt 1363 die Erbvogtei und 1400 die Obergerichtsbarkeit zugesprochen. In der Trinitatis und Johann Baptist geweihten Schloßkapelle rief Ludwig I. 1369 ein Kolle- giatstift unter dem Patrozinium seiner heiligen Ahnfrau ins Leben, das 1534 aufgehoben wurde. Seit 1564 wurde eine berühmte Lateinschule betrieben, die 1581 als Gymnasium illustre galt.
III.
Hzg. Bolko I. von Schweidnitz (1292-1301) errichtete die erste gemauerte Burg mit dem Löwenturm. Der von Ludwig I. vor 1372 neu aufgeführte Vierflügelbau war durch Gräben von der Stadt getrennt und ersetzte eine hölzerne Burg. Die Schloßbauten der Renaissance und die weitgehende Regelmäßigkeit ihrer Anlagen haben die alten Begrenzungen der Herzogsburg durchbrochen, dessen ma. Bauten bis zum Südflügel der Renaissanceanlage reichten. Die Stadtres. in der Nähe des Stadttores inmitten der Verteidigungsanlagen besitzt im Innenhof einen dreistöckigen Arkadenumgangnach ital. Muster. Hzg. Friedrich II. (1498-1547) nahm am Ende seiner Regierungszeit den ausgedehnten Schloßbau in Angriff, den Georg II. von B. und Wohlau (1547-86) mit Hilfe der Baumeister Jacopo Pahr aus Mailand und Bernardo Niuron aus Lugano von 1564 bis 1587 umsetzte. Der Säulenhof mit den vier Arkadenflügeln samt Loggia steigert den glanzvollen Schmuckaufwand des Eingangtors: Georg II. und seine Gattin Barbara von Brandenburg ließen sich über der Durchfahrt für Reiter und Wagen und der Schlupfpforte in Lebensgröße darstellen. Das Fürstenpaar repräsentierte auf dem unteren Gesimsstreifendes Portals zw. Gefolge und Gästen ihren »Verwandtentausch« durch Allianzwappen, die einen schwarzen Adler mit silbernen Brustband auf goldenem Grund und ein weißrotes Schachbrett sowie die brandenburg. Zeichen und Farben in den Kartuschen führten. An der Fassade darüber zw. beiden Obergeschossen liegt ein doppelreihiger Fries aus 24 Portraitbüsten von legendären und histor. poln. Kg.en und Piastenfs.en. Die triumphale Türumrahmung, das hofseitige Reliefornament und die Fürstenkanzlei entsprachen der Gestaltung der Schloßkapelle, in deren oktogonalen Sanctuariumsieben Prunksärge angeordnet wurden, die von Statuen der Geschlechtsangehörigen aus der Werkstatt der sächs. Bildhauerfamilie Walther umstanden waren und zugl. einen Stammbaum sämtl. Piastenahnen vorstellten. Die herkömml. Grablege der Bolkonen aus der Piastenlinie mit Sitz in B. und Wohlau befand sich in der Fürstenkapelle der Abtei Leubus, die 1312 als formenreicher Dreikonchenbau ausgestaltet worden war.
Quellen
Chronica Polonorum, hg. von Ludwik Ćwikliński, in: Monumenta Poloniae Historica, 3, 1878, S. 578-656. - Chronica principum Polonie, hg. von Zygmunt Węclewski, in: Monumenta Poloniae Historica, 3, 1878, S. 423-578.
Literatur
Brzeg, in: Drabina, Historia, 2000, S. 141-145. - Gieysztor, Aleksander: Art. »Brieg«, in: LexMA II, 1983, Sp. 683f. - Burgen, Schlösser und Gutshäuser in Schlesien, 1, 1982, S. 40-43; 2, 1987, S. 5, 16, 25-36. - Heck, Roman, Kronika książąt polskich - metoda prezentacji dziejów, in: Dawna historiografia śląska. Materiały sesji naukowej odbytej w Brzegu w dniach 26-27 listopada 1977r., Oppeln 1980, S. 61-81. - Köbler 1988, S. 77. -Neubach, Helmut: Brieg, in: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, 15, 1977, S. 54-58. - Oława, in: Drabina, Historia, 2000, S. 209-216. - Reisebilder Pfalzgraf Ottheinrichs, 2001, S. 268-271; 272-275. - Schaube, Adolf: Kanonikus Peter Bitschen und die Tendenz seiner Fürstenchronik (Chronica principum Poloniae), in: Zeitschrift des Vereins für Geschichte Schlesiens 61 (1927) S. 12-43. - Schulte, Wilhelm: Die politische Tendenz der Chronica principum Polonie, Breslau1906 (Quellen und Darstellungen zur schlesischen Geschichte, 1). - Schlesisches Städtebuch, 1995, S. 52-57. - Säkularkanonikerstifte der Reichskirche, 1997, S. 46.