BETTLERN UND TOČNÍK C.1. (Žebrák/-)
I.
Eine von mehreren kgl. Burgen, die sich sich seit dem hohen MA im waldreichen Jagdrevier der böhm. Herrscher im breiten Umfeld von Pürglitz, einer der ältesten böhm. Burgen, kaum 50 km westsüdwestl. von → Prag, befanden. - CZ, Region Mittelböhmen.
II.
Die Burg B., ursprgl. eine adelige Gründung wahrscheinl. aus der zweiten Hälfte des 13. Jh.s, an einem bescheidenen Felsenkamm, von zwei Bächen umflossen, gelangte unter Johann von Luxemburg in kgl. Hand und wurde bald zum beachteten Gegenstand der kgl. Pflege. So erbaute → Karl IV. in der bis dahin bescheidenen Anlage die Apollinaris- und Margarethe-Kapelle. Ihre Blütezeit erlebte die Burg jedoch unter dessen Sohn → Wenzel, der B. zu einer großzügigen Res. ausbauen ließ und sich dort wiederholt auch längere Zeit aufhielt. Aufgrund derteilw. Destruktionen entstand in B. v. a. ein neuer repräsentativer Palast mit Warmluftheizung. Ein zweiter Palast wurde in der früheren Vorburg erbaut und das Ganze wg. der Lage auf einem nur wenig herausragenden und extrem engen Kieselfelsenriff mit Teichen umgegeben. Um den Hof und evtl. auch Bot- und Gesandtschaften beherbergen zu können, wurde die Burg durch verschiedene Herbergen und Wirtschaftsbauten erweitert. Doch reichte dies den stets steigenden Ansprüchen an Repräsentation und Behaglichkeit → Wenzels nicht, so daß er um das Jahr 1400 auf einer nahe gelegenen Anhöhe inetwa 20 Minuten Fußentfernung die Burg T. (456 m ü. d. M.) erbauen ließ, die den höchsten Ansprüchen an Repräsentation und Komfort entsprechen sollte. Das zeigte allein schon die bebaute Fläche deutl. an.
Am zweiten Hof befand sich der große Palast mit mind. drei Stockwerken und einem sehr großen Empfangssaal (34 × 9 m). Daneben wurde auch ein Eingangspalast erbaut sowie private Räumlichkeiten des Kg.s in der inneren Burg. Dem Herrschersplendor diente schon beim Betreten der Burg ein Fries mit der Wappengalerie der von → Wenzel regierten Länder. Beide Burgen waren bis 1412 von → Wenzel bevorzugte Aufenthaltsorte, der später - neben → Prag - vornehml. in → Wenzelsstein in Kundratitz residierte. Während→ Karl B. nachweisl. nur einmal kurzfristig besuchte, sind → Wenzels Aufenthalte in B. mind. 64mal (mit rund 1600 Aufenthaltstagen) und in T. seit Ende 1401 (der Beleg für das Jahr 1398 ist eher für einen Baubesuch zu halten, sonst urkundl. zum ersten Mal Ende Jan. 1401 bezeugt, in einem Frankfurter Bericht jedoch schon vier Monate früher) 13mal mit fast 350 Aufenthaltstagen belegt, wobei durch die enge Nachbarschaft der beiden Burgen ein Pendeln auch während eines Tages nicht nur vorauszusetzen ist, sondern eindeutig belegt erscheint. So stellten die sich so nahenBurgen, die ja ihrer Funktion nach eher als Doppelburg B.-T. anzusehen sind, nach → Prag den weitaus frequentiertesten Aufenthaltsort → Wenzels, der die zweitgenannte Burg darüber hinaus angebl. auch als Aufbewahrungsstätte seiner Schätze konzipierte. B. gilt als Ausstellungsort verfassungswichtiger Urk.n und anderer bedeutsamer kirchenpolit. Ereignisse auch der hussit. Reformation. Das an dritter Stelle stehende → Nürnberg erscheint mit 28 bezeugten Aufenthalten und rund 500 Anwesenheitstagen erst nach B. und T. (wovon jedoch ein Drittel sowohl der Aufenthalte alsauch verbrachten Tage noch der Epoche → Karls angehört und sich das Itinerar → Wenzels damit seinem Einfluß verdankt).
III.
B. wurde in der Hussitenzeit in adelige Hand versetzt und wurde seit der ersten Hälfte des 16. Jh. zur Ruine. T. folgte zuerst dem Schicksal B.s, doch nach dem Renaissanceumbau kehrte es 1594 in den kgl. Kammerbesitz zurück und verödete erst nach und nach nach dem Dreißigjährigen Krieg.
Quellen
Vornehml. die in B. ausgestellten Urk.n → Wenzels IV.
Literatur
Durdík 1999, S. 553-6 und 641f. [mit Lit.]. - Hlaváček 1970. - Knott, Rudolf: Ein Mantuanischer Gesandtschaftsbericht aus Prag vom Jahre 1383, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen 37 (1899) S. 337-357. - Menclová 1, 1972, S. 334-339; 2, 1972, S. 152-171. - Sedláček 6, 1889, S. 140-168.