BERNBURG C.7.
I.
Berneborch (1186); Berneburc (1199); B. (1311) - Burg und Stadt - Askanier; Gf.en bzw. Fs.en von Anhalt - Höhenburg in Stadtrandlage; bis 1468 Res. einer Linie Anhalt-B., danach Witwensitz, ab 1603 Res. einer erneuten Linie Anhalt-B. - D, Sachsen-Anhalt, Reg.bez. Dessau, Landkr. B.
II.
Die vermutl. von den Billungern angelegte Burg B. liegt im ehemaligen Nudzicigau am rechten Ufer der damals auch die westl. liegende Talstadt umfließende Saale ca. 25 km südwestl. von deren Mündung in die Elbe entfernt auf einem Berggipfel. Sie wird chronikal. zu 1138 erwähnt, als sie im Kampf der Askanier mit den → Welfen um das Hzm. → Sachsen von letzteren zerstört wurde. Offenbar wenig später wieder aufgebaut, gehört sie zu den ältesten Besitzungen der Askanier, kam 1212 an deren anhalt. Linie und diente ihr bis 1863 als Res. bzw.Witwensitz. Die Burg wurde im 16. Jh. zu einer der schönsten dt. Schloßanlagen des Renaissancestils umgestaltet, die in den Kämpfen des Dreißigjährigen Krieges Belagerung und Beschädigung zu erdulden hatte, und nach 1863 als Verwaltungs- und Museumsgebäude genutzt.
1239 wird eine Brücke über die Saale für die Straße Leipzig-Magdeburg erwähnt. Längs dieser Straße entwickelte sich am westl. Saaleufer eine Siedlung in Insellage zw. Saale und Saale-Flutbett, bestehend aus Altstadt und Neustadt. Beide erhielten 1278 das Stadtrecht und blieben bis zu ihrer Vereinigung 1561 eigenständig. Unterhalb der Burg entstand als drittes Gemeinwesen die 1326 als Bergstadt genannte Burgmannensiedlung, die allerdings erst Mitte des15. Jh.s Stadt- und Marktrecht erlangte. In allen drei Städten bildete sich der Rat heraus, der jedoch stets der Bestätigung derhier residierenden Fs.en bedurfte, wie die Bürger insgesamt stets in Abhängigkeit ihrer Stadtherren blieben. Ihre Haupterwerbszweige waren neben der Landwirtschaft das Handwerk für den örtl. Bedarf und der auf den Durchgangsverkehr beruhende Handel. Die Residenzfunktion wirkte sich bis zum Ende des 16. Jh.s förderl. auf die städt. Entwicklung aus, die dann jedoch zu stagnieren begann und durch den Dreißigjährigen Krieg mit seinen Zerstörungen einen jähen Abbruch erlitt.
III.
Von der 1138 zerstörten Burg haben sich nur die Fundamente eines teilw. ausgegrabenen Rundbaus (Wohnturm oder Kapelle) erhalten. Zu den ältesten noch vorhandenen Teilen der rundförmigen Anlage gehören der alles überragende, später mit Renaissance-Erkern versehene Bergfried mit einer Mauerstärke von 3,60 m und die teilw. erhaltene Burgkapelle aus der 2. Hälfte des 13. Jh.s. Weitere ma., zum Teil veränderte Gebäude stellen der »Blaue Turm«, das »Krumme Haus« und das »Alte Haus« dar. In letzterem befand sich ursprgl. die alte Feststube über einemheute noch vorhandenen mächtigen Kreuzgratgewölbe.
Die Schloßanlage mit einst tiefem Graben wurde v. a. im 16. Jh. ausgebaut und im Renaissancestil verändert. Bes. hervorhebenswert ist das auf einer ma. Ringmauer ruhende »Lange Haus« gebildet aus dem 1538/39 durch Andreas Günther aus Komotau errichteten Wolfgang-Bau mit hervorstechendem Runderker (Leuchte) und dem östl. angrenzenden, durch Nickel Hoffmann aus Halle 1567-70 ausgeführten Joachim-Ernst-Bau mit der durch plast. Schmuck, Erkern und Giebeln hervorgehobenen Schaufassade zum Schloßhof hin. Dieser Flügel wurde 1686 nach O durch den Viktor-Amadeus-Bau verlängert, den man an derStelle des alten Burgzugangs von vor 1138 auf ma. Bebauung errichtete. Das Innere des »Langen Hauses« weist infolge der im 19. Jh. vorgenommenen klassizist. Veränderungen nur wenige erhaltene spätgot. Elemente auf.
Der an den Wolfgang-Bau durch einen 1680 an der westl. Hofecke eingefügten Zwischenflügel anschließende Johann-Georgen-Bau wurde 1586 anstelle des got. Mosthauses errichtet und nach Brand 1895 in der heutigen Form wiederaufgebaut. Ihm gegenüber liegt an der Ostseite der vom Viktor-Amadeus-Bau bis zur Toranlage reichende Wirtschaftstrakt aus dem 17./18. Jh., der von den übrigen Gebäuden durch eine vom Bergfried bis zum Tor reichende 1682 hochgezogene Schloßhofmauer getrennt wird. Nach 1699 wurde der nordöstl. jenseits des Burggrabens liegende Schloßgarten zum Lustgarten mit Orangerieund Reitbahn umgestaltet. Mit dem Umbau der alten Schloßeinfahrt auf der Südseite 1718-21 war die Schloßanlage vollendet, wurde allerdings im 19. Jh. noch mehrfach in ihrem Inneren wie Äußeren verändert.
Quellen
CDA. - Regesten der Urkunden zu Zerbst, 1909.
Literatur
Anhalts Bau- und Kunst-Denkmäler, 1894, S. 69-90. - Ebersbach, Volker: Geschichte der Stadt Bernburg in zwei Bänden, Bd. 1, Dessau 1998. - Peper, Hans: Geschichte der Stadt Bernburg, Bernburg 1938. - Rüger/Schmitt 1983. - Stieler, Franz: Die Entstehung des Renaissanceschlosses Bernburg, Bernburg 1954 (Bernburger Heimathefte, 2). - Träger, Ottomar: Schloß Bernburg, 5. Aufl., Leipzig 1991(Baudenkmale, 26).