BERGZABERN C.7.
I.
Zaberna (um 1268); villam [...] dictam Zaberem (1286); Zabern (1309); B. (1385); Berichzabern (um 1500) - Burg (seit 1527 Schloß) und Stadt - Fsm. Pfalz-Zweibrücken - Ostrand des Wasgaus (Pfälzer Wald); Nebenres. (Damenres.). - D, Rheinland-Pfalz, Reg.bez. Rheinhessen-Pfalz, Landkr. Südliche Weinstraße (seit 1964 Bad B.).
II.
Burg und Stadt, gelegen am Ostrand des Wasgaus am Schnittpunkt des Erlenbachtales und der Straße Landau-Weißenburg (Wissembourg)/Elsaß, gehören zu den ältesten pfalz-zweibrück. Besitzungen. Eine Burg entstand in der zweiten Hälfte des 12. Jh.s unter der Herrschaft der Gf.en von Saarbrücken-Zweibrücken. Durch Urk. vom 21. April 1286 erhob → Rudolf von Habsburg das Dorf Zabern zur Stadt. Ein entscheidendes Merkmal der neuen Stadt war ihre Eigenschaft als Marktstadt. Mit der Erhebung zur Stadt war die Pflicht verbunden, diese zu befestigen. Von derStadtmauer sind heute noch Reste vorhanden, bes. an der Südseite des Befestigungsvierecks. Der ma., ehem. ummauerte Stadtkern bildet im Grundriß ein zieml. regelmäßiges Rechteck mit gitterförmigem Straßensystem; die ehemalige hzgl. Burg nimmt die Nordostecke ein.
1385 wurde die Stadt an die → Kurpfalz verkauft, 1410 kam sie an Pfalz-Zweibrücken. 1676 wurde sie durch die Truppen Ludwigs XIV. verbrannt. Von 1680 bis zur Franz. Revolution war B. Oberamtssitz.
III.
Die alte Burg hatte wohl im Bauernkrieg von 1525 stark gelitten, denn unter Ludwig II. wurde 1527 ein Neubau begonnen. Es handelt sich um den südl. Trakt des heute noch bestehenden Baues, der über dem hofseitigen Portal die Jahreszahl 1530 trägt; 1532 wurde an diesem Flügel (Ludwigsbau) noch gebaut. Ludwigs Sohn und Nachfolger, Wolfgang (1543-69), nahm eine umfangr. Erweiterung des Schlosses nach N vor, indem er die drei Flügel (Stöcke), die den großen Innenhof umschließen, anfügte (Wolfgangsbau). Geplant wurde der Wolfgangsbau vermutl. vom württ.Landesbaumeister Alberlin (Albrecht) Tretsch. Wolfgang hatte sich am 16. März 1561 in einem Schreiben an seinen Schwager, Hzg. Christoph von Württemberg, gewandt, und ihn gebeten, er möge ihm für den geplanten Schloßbau seinen Baumeister schicken. Der Bau wurde 1561 und 1562 vom Baumeister Martin Berwart († 1564) aus Brakkenheim errichtet. Von 1570 an ist als ausführender Baumeister Hans Becht von B. († um 1570) bezeugt. Die Bildhauerarbeiten führte wohl Michell Henckhell aus, der auch in → Meisenheim arbeitete. Erst 1579 wurde der Erweiterungsbau vollendet. WolfgangsSohn und Nachfolger, Johann I. (1569-1604), sorgte für die Einteilung in Gemächer und für die Ausführung des westl. Hauptportals (»Riesenportal«). Er ließ auch den nördl. Anbau mit den zwei Rundtürmen errichten.
Das Schloß ist eine dreigeschossige Vierflügelanlage mit großem, rechteckigem Innenhof, an die sich im N drei niedrige, zweigeschossige Flügel um einen kleinen Innenhof anschließen. Der älteste Teil, der Südflügel (Ludwigsbau), hat sieben Fensterachsen an der Lagerseite und ein hohes, mit zwei Reihen Gauben versehenes Walmdach; er wird von zwei massigen, runden Ecktürmen mit Barockhauben flankiert. Die Fenster sind barock verändert. Der ursprgl. Eingang liegt an der Hofseite an einem polygonen viergeschossigen Treppenturm mit Schneckenstiege. Von den Innenräumen des Gebäudes hat nur nochder das Erdgeschoß einnehmende Keller seinen ursprgl. Charakter bewahrt. In der Barockzeit wurden die Wohnräume umgestaltet.
Den Ludwigsbau umgeben drei dreistöckige Flügel (Wolfgangsbau). Die Fenster haben Renaissancecharakter; einige sind beim Wiederaufbau barock verändert werden. Als Zugang zum Erweiterungsbau wurde im Winkel zw. Nord- und Ostflügel ein polygoner Treppenturm mit Schneckenstiege angefertigt.
Im Innenhof befindet sich eine große Inschrifttafel, die Johann I. 1597 über der inneren Toreinfahrt errichten ließ. Der Text bezieht sich auf ein Uhrwerk, das in einem Turm, der auf Merians Stich von B. (1645) noch zu erkennen ist, eingebaut war. Heute ist an seiner Stelle ein Dreieckgiebel mit einer Uhr. Die Tafel wird von acht Volutenkonsolen, die mit Masken geschmückt sind, getragen. Die Bekrönung bildet ein Wappenfries, den zwei auf dem oberen Tafelrahmen liegende Löwen flankieren. Sechs Volutenkonsolen, ebenfalls mit Masken verziert, stützen vier Wappentafeln. Es sind dieElternwappen von Johann I. und seiner Gemahlin Magdalena von Jülich: Wilhelm von Jülich und seine Gemahlin, die Kaisertochter Anna von Habsburg; Wolfgang und Anna von Hessen. Unterhalb der großen Tafel ist eine Barockkartusche angebracht, die an Gustav Samuel Leopold (1719-31) erinnert, der das Schloß nach seiner Zerstörung (1676) i. J. 1725 wieder aufbauen ließ.
Einen weiteren künstler. Akzent setzte Johann I., indem er an der Westseite des Schlosses ein neues repräsentatives Portal (»Riesenportal«) errichten ließ. Es besteht aus einem Torbogen (3,30 m hoch) mit zwei überlebensgroßen Atlanten (2,50 m), dem darüberliegenden Architrav mit Fries und Kranzgesims (1,20 m), dem Säulenaufsatz mit Wappenfeld, Beschlagwerk und Dreiecksgiebel (2,80 m). Zwei Atlanten in röm. Rüstungen tragen mit ihren Händen und Schultern an Stelle von Säulen das darüberliegende Gebälk.
Ein einmaliges Ereignis für Schloß und Stadt B. war die am 4. Okt. 1579 stattgefundene Hochzeit des Landesherrn Johann I. mit der Prinzessin Magdalena von Jülich-Kleve-Berg. Im gleichen Jahr (10. Febr.) hat Johann I. die Einw. B.s von der Leibeigenschaft befreit. Als er am 12. Aug. 1605, 54 Jahre alt, starb, wurde er in der B.er Marktkirche bestattet.
Am 20. Febr. 1676 legten frz. Soldaten Feuer im Schloß, das etwa zu einem Drittel zerstört wurde. Nach dem Brand war es nahezu 50 Jahre eine Ruine, bis es Gustav Samuel Leopold (1719-31) durch seinen schwed. Baudirektor Jonas Erikson Sundahl wieder herstellen ließ. Auf diese Bauperiode geht die heutige Gestalt des Schlosses zurück. Der vordere, südl. Gebäudeteil erhielt damals den Südeingang und barocke Fenster, die Rundtürme wurden erhöht und mit barocken Hauben gedeckt. Der östl. Teil wurde für Hoffestlichkeiten eingerichtet, in den westl. kam die Hauskapelle. 1728 wurde der Schloßgartenerweitert und mit einer Mauer eingefaßt.
1802 kam das Schloß in Privatbesitz, 1894 an die Stadt für ihre Schulen. Seit 1980 ist es Sitz der Verbandsgemeinde Bad B.
Quellen
Wie im Falle → Meisenheims sind keine gedruckten Quellen zu nennen und auch hier ist auf die pfalz-zweibrück. Überlieferung des LA Speyer (LASp B 2) hinzuweisen.
Literatur
Bad Bergzabern. 700 Jahre Stadt (1286-1986), Bad Bergzabern 1986. - Brauner, August: Fürstenhochzeit in Bergzabern Pfalz-Jülich 1579. Eine Studie zur Geschichte der Stadt und des Schlosses Bergzabern sowie der Fürstenhäuser Pfalz-Zweibrücken und Jülich-Cleve-Berg, Bad Bergzabern 1968. - Brauner, August: Aus Bad Bergzaberns geschichtlicher Vergangenheit, Bad Bergzabern 1975. - Eckardt, Anton: Die Kunstdenkmäler der Pfalz, IV. Bezirksamt Bergzabern, München 1935. Unveränd. ND München1976. - Maurer, Karl Conrad Ludwig: Geschichte der Stadt Bergzabern im Rahmen der Zeitgeschichte, Bergzabern 1888.