BAYREUTH C.7.
I.
Baierrute (1194); Beirrut (1199); Beirruth (1231); Peireuth (1284); Peyrreute (1421); Bareith (1523); Bayreuht (1581) - 1199 villa, 1231 civitas, 1265 oppidum - Stadt in Oberfranken am Roten Main - Mgft. Kulmbach-B. - 1603 bis 1769 Res. der Mgf.en von Brandenburg-Kulmbach-B. - D, Bayern, Reg.bez. Oberfranken, kreisfr. Stadt.
II.
Die oberfränk. Stadt liegt weit ausgebreitet in einem durch Roten Main, Steinach und Mistelbach gebildeten Talkessel zw. dem östl. Vorland der Fränkischen Alb und dem westl. Rand des Fichtelgebirges. Gegr. auf einem Sandsteinplateau oberhalb des Roten Mains an der Straße von → Würzburg nach Eger, ging der Stadt aller Wahrscheinlichkeit nach eine ältere Ansiedlung, die sog. Altenstadt, voraus, die nahe einer Furt an einer Altstraße von S nach N lag. An der Verbindung von → Nürnberg nach → Leipzig gelegen, war B. trotzdem keinVerkehrsmittelpunkt, das Wirtschaftsleben blieb regional begrenzt. Entlang der Altstraße hatte sich wohl schon früh ein Straßenmarkt gebildet. Wann das Marktrecht verliehen wurde, ist nicht überliefert. 1237 wird erstmals ein Markt erwähnt. Die Bürger lebten meist vom Handwerk und von Landwirtschaft, die bes. in den Vororten und zugehörigen Dörfern betrieben wurde. 1361 erhielten die Städte Kulmbach und B. Münzrecht, 1384 das Recht Gold zu münzen. - Bis zur Reformation 1529 gehörte B. zum Bm. → Bamberg. Mit einer Pfarrkirche in der Altenstadt wurde zunächst ein Teil von der PfarreiBindlach selbständig, bis dann relativ spät der Pfarrsitz nach B. übertragen wurde. - Gegr. wurde B. wahrscheinl. um die Mitte des 12. Jh.s durch die Gf.en von Andechs, eine erste urkundl. Erwähnung erfolgte 1194. Das Datum der Stadtrechtverleihung gilt als unbekannt, da wichtige Urk.n und Aufzeichnungen bei den zahlr. Zerstörungen der Stadt verloren gingen. Da B. 1199 noch als villa und 1231 bereits als civitas bezeichnet wird, kann angenommen werden, daß die Zuerkennung des Stadtrechts zw. diesen Jahren erfolgt sein muß. Nach dem Aussterben dermännl. Erben der Andechs-Meranier in Franken fiel die Stadt 1249 an den Bgf.en von → Nürnberg, was aber erst 1260 vertragl. bestätigt wurde. 1420 kam das Fsm. oberhalb des Gebirgs mit Kulmbach und B. an Friedrich (Bgf. seit 1397), der seit 1415 Mgf. von → Brandenburg war. Im Zuge des Wiederaufbaus der während des Hussitensturms 1430 völlig zerstörten Stadt wurden die Privilegien vom Landesherrn am 3. Mai 1439 neu bestätigt. Während des sog. Markgräflerkriegs wurden Stadt und Schloß geplündert. Nachdem 1542 bereits die Kanzlei von der → Plassenburg obKulmbach nach B. verlegt worden war, folgte 1603 unter Mgf. Christian (1603-55) die Verlegung der Res. der Mgf.en. Kaum hatte der Ausbau zur Residenzstadt begonnen, vernichtete ein Brand 1605 einen Großteil der Stadt. Bis 1610 begab sich der Hof, wie auch später bei der Zerstörung durch den Stadtbrand 1621 und während des Dreißigjährigen Krieges, wieder auf die → Plassenburg (Kulmbach). Zw. 1730-70 erlebte die Stadt ihre kulturelle Blütezeit, die neugebauten Hofhaltungsbauten prägen bis heute Innenstadt und Umgebung. Nach dem Aussterben der B.er Linie 1769 endete die Residenzzeit,B. kam zu → Ansbach. Nach kurzer preuß. (1792-1806) und frz. Zugehörigkeit (1806-10) ging die Stadt schließl. 1810 an → Bayern über. - Seit dem Ende des 13. Jh.s sind als oberste landesherrl. Beamte Vögte in B. nachgewiesen, ein bereits in einer Urk. von 1231 erwähnter Vertreter der Gf.en von Andechs gilt als erster bekannter leitender Beamter in B. Seit dem 16. Jh. tauchen Burggüter namentl. in Urk.en auf, die als landesherrl. Lehen an ihre adeligen Dienstmannen vergeben waren, über deren Ämter jedoch die Angaben fehlen. Zum Konflikt mit dem Landesherren kam es, alsder Rat der Stadt sich gegen eine Verlegung der Res. von Kulmbach nach B. sträubte und seine Bedenken in einem Brief vom 3. März 1604 äußerte.
III.
Durch die häufige Zerstörung der Stadt ist von der ma. Bausubstanz auf den ersten Blick kaum noch etwas erhalten. Der Grundriß der Innenstadt geht jedoch auf die Zeit vor der barocken Prägung B.s zurück. Es ist anzunehmen, daß im NO der Altstadt eine kleine, befestigte Anlage stand, lange in der Literatur als »Meranierschloss« bezeichnet, die dem jeweiligen Herrn als Amtssitz gedient haben könnte. Erstmals gen. wird ein Schloß an der Stelle des Alten Schlosses unter Mgf. Johann Alchymist (1440-57), wann dieses gebaut worden war, ist mangelsQuellen bisher unklar. Mgf. Georg Friedrich (1556-1603) ließ das baufällige Schloß unter Verwendung vorhandener Teile um 1560 erneuern und durch Caspar Vischer, der auch auf der → Plassenburg (Kulmbach) tätig war, ab 1565 einen Treppenturm errichten. Weitere Umbauten und Neugestaltungen an der ursprgl. geschlossenen Vierflügelanlage folgten im Ostflügel, an der Fassade und an den anderen Teilen des Schlosses in den Jahrzehnten danach. Der Schloßbrand 1753, bei dem auch die Innenausstattung verloren ging, führte beim Wiederaufbau zur barocken Umgestaltung des ganzen Gebäudes. Derals repräsentativster Teil der Anlage geltende Nordflügel, 1594/95 ausgebaut, wurde nach dem Brand nicht wiederhergestellt. Wesentl. Teile des Alten Schlosses wurden 1945 nochmals beschädigt. - 1265 als oppidum mit einer Stadtbefestigung erwähnt, umlief die Stadt eine immer wieder erneuerte und verstärkte Mauer mit zwei großen Stadttoren, die in ihrer Grundgestalt wahrscheinl. schon auf die erste Befestigung zurückging. Die dem Namen nach bekannten Türme und die verschiedenen Tore stehen nicht mehr. Reste der Stadtmauer haben sich gerade an den Stellen erhalten, die derMgf. an die Bürger verkaufte, die dann unter Einbeziehung der Mauer bauen konnten. Die Vororte, wo auch ab 1603 überwiegend niedere Hofbedienstete wohnten, lagen ungeschützt. Ebenfalls außerhalb der Stadtmauer befanden sich weitere Wirtschaftsgebäude der Res. wie Hofbäckerei, Wagenhaus oder das Jägerhaus. Abgaben aus dem Umland wurden im Fronhof und im Fronstadel gesammelt. Die erste Kanzlei war neben dem Alten Schloß untergebracht, wechselte mehrmals den Sitz bis die neue Kanzlei ab 1621 unter Abraham Schade gebaut wurde, die noch bis um 1840 erweitert wurde. Als Hofkirche und als fsl.Grablege diente die Stadtkirche erst, nachdem die Res. nach B. verlegt worden war. Ein Vorgängerbau wurde nach 1375 durch einen Neubau ersetzt, brannte 1430 völlig aus und wurde unter Meister Oswald und ab 1445 unter Hans Pul mit den vorhandenen Resten auf- und neugebaut. Die Ausstattung ging bei dem Stadtbrand 1605 verloren, der Wiederaufbau erfolgte dann 1611-14 durch Michael Mebart wieder mit Gebrauch der erhaltenen Reste. Südöstl. des Alten Schlosses lag neben der fsl. Rennbahn der Lustgarten, der die Stelle für den späteren Hofgarten vorgab, wie so oft in der Stadt, wo an Stelleeines ma. Baus unter Verwendung des Überlieferten ein neues B. entstand.
Quellen
Meyer, Christian: Quellen zur Geschichte der Stadt Bayreuth, Bayreuth 1893. - Hohenzollerische Forschungen, hg. von Christian Meyer, München 1898, S. 129-230. - Pöhlmann, Thomas: Das Amt Bayreuth im frühen 15. Jahrhundert. Das Landbuch B von 1421/24, Bayreuth 1992 (Bayreuther Arbeiten zur Landesgeschichte und Heimatkunde, 9).
Literatur
Bayerisches Städtebuch, 1, 1971, S. 116ff. - Dietrich, Klaus Peter: Territoriale Entwicklung, Verfassung und Gerichtswesen im Gebiet um Bayreuth bis 1603, Kallmünz 1958 (Schriften des Instituts für Fränkische Landesforschung an der Universität Erlangen. Historische Reihe, 7). - Engelbrecht, Wilfried: Bayreuth aus der Vogelschau, Neue Nachrichten vom ältesten Plan der Stadt, in: Archiv für Geschichte in Oberfranken 73 (1993) S. 267-294. - Habermann,Sylvia/Trübsbach, Rainer: Bayreuth, Geschichte und Kunst. München u. a. 1986. - Hartmann, Karl: Geschichte der Stadt Bayreuth in der Markgrafenzeit. Bayreuth 1949. - Müssel, Karl: Bayreuth in acht Jahrhunderten. Geschichte der Stadt, Bindlach 1993. - Müssel, Karl: Der Name Bayreuth im Wandel der Zeiten, in: Archiv für Geschichte in Oberfranken 74 (1994) S. 33-54. - Pöhlmann, Thomas: Die Pfarrei Bayreuth im Spätmittelalter, in: Archiv für Geschichte inOberfranken 74 (1994) S. 15-32. - Segl, Peter: Bayreuth im Mittelalter in: Endres, Rudolf: Bayreuth, Köln u. a. 1995, S. 65-97. - Trübsbach, Rainer: Geschichte der Stadt Bayreuth, 1194-1994, Bayreuth 1993. - Vollet, Hans: Abriß der Kartographie des Fürstentums Kulmbach-Bayreuth, Kulmbach 1977 (Die Plassenburg. Schriften für Heimatforschung und Kulturpflege in Ostfranken, 38). - Wiedemann, Wilhelm: Geschichte der Stadt Bayreuth im ausgehendenMittelalter, Bayreuth 1989 (Bayreuther Arbeiten zur Landesgeschichte und Heimatkunde, 4).