BASEL C.3. (Bâle)
I.
Lat. Basilea; Basilia (374); Bazela (870); Basala, Basula (9. Jh.); Basil (1261); Basel (1269) - Stadt - Hochstift B.; Bf.e von B. - Ebm. → Besançon - Bischofssitz. - CH, Halbkanton B.-Stadt, Hauptstadt.
II.
B., am Übergang des Hochrheins zur oberrhein. Tiefebene gelegen, ist erstmals 374 erwähnt. Der am linken Rheinufer steil abfallende Münsterhügel beherbergte im 1. Jh. vor Chr. ein raurak. Oppidum, seit ca. 15 vor Chr. ein röm. Kastell. Für 342/346 ist ein Bf. der Rauriker bezeugt, der vermutl. im benachbarten Kaiseraugst residierte. Von der Mitte des 8. Jh.s an ist B. regelmäßig bfl. Residenzort, bereits im 7. Jh. kgl. Münzstätte. Bfl. Münzprägungen sind nach der Jahrtausendwende anzusetzen (urkundl. seit 1146). Nach denZerstörungen durch die Ungarn 917 reorganisierte Ks. Heinrich II. das Bm., nahm es 1006 an das Reich und förderte den Bau des otton. Münsters. 1202 erfolgte die Weihe der spätroman. Kathedrale.
Eine Pfalz ist bereits zur Zeit Bf. Haitos († 836) erwähnt, der als Erbauer einer ersten monumentalen Kirche gilt. Im Verlauf des 12. Jh.s entfaltete sich eine ausgeprägte bfl. Hofhaltung (Hofämter). 1189 urkundete der Bf. erstmals in curia Basiliensi.
Parallel zur Bischofsstadt auf dem Münsterhügel entstanden gewerbl. geprägte Siedlungskerne rheinaufwärts bei St. Alban, im Birsigtal bei St. Andreas und um die Peterskirche sowie eine Kaufmannsniederlassung an der Birsigmündung bei St. Brandan. Um 1100 ließ Bf. Burkard die Stadt ummauern, gründete das Cluniazenserpriorat St. Alban und das Chorherrenstift St. Leonhard. Am rechten Rheinufer auf dem Gebiet der Diöz. → Konstanz entstand die bfl. Gründung Klein-B., die sich im 13. Jh. zum befestigten Brückenkopf entwickelte und 1392 von der Stadt erworben wurde. Noch vor 1400 wurdenauch die übrigen Vorstädte durch eine Mauer in die Altstadt mit einbezogen.
Mit dem Bau der Rheinbrücke 1225/26 begann der Aufstieg der ma. Bürgerstadt. Nachdem erste Ansätze eines Ratskollegiums durch kgl. Erlaß 1218 unterdrückt wurden, führte der Rat nun ein eigenes Siegel. 1253 erscheint ein Bürgermeister an dessen Spitze. Noch im 13. Jh. gelang den seit 1226 erwähnten Zünften der Sprung in den Rat, wo sie sich 1337 dauerhaft etablieren konnten. Die zunehmend eigenständige Politik der Bürgerschaft führte immer wieder zu Konflikten mit den Bf.en, die mit der Zerstörung der bfl. Pfalz 1247 einen ersten Höhepunkt erreichten. Nach und nach gelang es der Stadt, allewichtigen Hoheitsrechte an sich zu bringen. Parallel hierzu erfolgte der Rückzug der Bf.e aus B. auf ihre im Jura gelegenen Res.en → Pruntrut und → Delsberg. Seit 1362 zählte sich B. zu den fryen stetten. 1501 wurde die Stadt eidgenöss. 1529 öffnete sie sich der Reformation. Infolgedessen verlegten die Bf.e ihren Sitz endgültig nach → Pruntrut, während das Domkapitel zunächst nach Neuenburg a. Rh., später nach → Freiburg i. Br. übersiedelte.
III.
Umfang und Aussehen der frühen Bischofsres. sind unbekannt. An ältere Zustände erinnert heute allein die Bezeichnung »Pfalz« für den Terassensporn, der sich an der Ostseite des Münsters zum Rhein hin erstreckt. Nach der Zerstörung der domus episcopi 1247 residierten die Bf.e zeitweilig im Katharinenhof westl. des Münsters (Münsterplatz 18). 1346 stürzte die neu errichtete Pfalz hinter dem Münster in den Rhein, die Kirche wurde durch das Erdbeben von 1356 schwer beschädigt. Bf. Johann Senn von Münsingen (1335-65) trat deshalb 1362 einStück seines Gartens an der Südseite des Münsters zum Neubau des Kreuzganges ab und ließ darüber ein stuben unnd zwo cammeren, mit dach, gmach unnd fenstern errichten. Nachdem die dem Rhein zugewandte Außenfront des Gebäudes infolge der Erweiterung des Kreuzganges seit 1400 schrittweise verbaut worden war, wurden die Räume durch Bf. Johann von Venningen (1458-78) im Kontext der Universitätsgründung 1460 schließl. in eine Bibliothek umgewandelt.
Als eigentl. Res. diente indes der am nördl. Rand des Dombezirks gelegene Schürhof (Münsterplatz 19). Der 1262 erstmals erwähnte Dinghof begegnet seit 1367 als »neue Pfalz«. Noch in der ersten Hälfte des 15. Jh.s war der Schürhof neben Schloß → Delsberg der wichtigste Aufenthaltsort der Bf.e. Nach dem Tod Bf. Friedrichs zu Rhein († 1451) wurde er zur Stadtwohnung des Kanzlers Wunnewald Heidelbeck, blieb aber zugl. Sitz der Hofschaffnei und des bfl. Kellers. Anläßl. der Wahl Johanns von Venningen speisten hier über 100 geladene Gäste. Zu Beginn des 16. Jh.s wurde das Haus zurDomherrenkurie umfunktioniert. Nach 1529 nutzte es die reformierte Geistlichkeit als Wohnsitz.
Im Zuge seiner Bemühungen um Konsolidierung der finanziellen und rechtl. Verhältnisse in B. ließ Bf. Johann von Fleckenstein (1423-36) den großteils ungenutzten und wenig repräsentativen Bischofshof (»Sesshof«) an der Südseite des Münsterkreuzganges ausbauen. Während des in B. tagenden Konzils residierte hier Papst Felix V. In dieser Zeit begann man, das Hauptgebäude mit großem Saal und Hofstube zu errichten. Unter Bf. Arnold von Rotberg (1451-58) wurden die umfangr. Baumaßnahmen abgeschlossen. 1454 werden die Ausgaben des buws wegen auf 1840 lb 5 ß 10d beziffert, wobei unklar bleibt, ob es sich hierbei um die gesamten Baukosten handelt (Weissen 1994, S. 405).
Der spätgot. Bischofshof bestand aus Torbau, Haupthaus, Treppenturm und zweistöckigem Kapellenflügel, von dem aus man in die spätere Bibliothek gelangte. Südöstl. davon befanden sich Garten und verschiedene Dependenzgebäude, die 1880 einer Turnhalle weichen mußten. Insgesamt umfaßte der Bischofshof 21 Räume, über deren Ausstattung zahlr. Rechnungen sowie verschiedene Inventare aus der Zeit von 1465-1569 informieren. Diese lassen auf eine verhältnismäßig bescheidene Hofhaltung schließen.
Die künstler. Ausgestaltung des Bichofshofes mit glaswerch und Wandgemälden erfolgte durch die als Hofmaler tätigen Hans Stokker, Hans Gilgenberg und die Brüder Michel und Hans Glaser. Letzterer schuf die Wappenfolge der bfl. Lehnsträger (122 Wappen), die Johann von Venningen 1462 im großen Saal anbringen ließ. In dessen Auftrag entstand vermutl. auch ein Teil der Wandgemälde in der Bibliothek, während die im Renaissancestil gehaltenen Malereien aus der Zeit nach der Reformation stammen, als der Saal von der theolog. Fakultät als Auditorium genutzt wurde.
Nachdem Bf. Johann von Venningen seinen Hauptsitz nach → Pruntrut verlegt hatte, wurde der Bischofshof nur noch sporad. bewohnt. 1519 fand das Haus mit Nikolaus von Diesbach, Coadjutor Bf. Christophs von Utenheim, wieder einen ständigen Bewohner. Seitdem scheint es in B. zwei Hofverwaltungen im Namen des Bf.s gegeben zu haben, eine für den Bischofshof, die andere für den Schürhof, der nun als der alte hof bezeichnet wurde. Im 18. und 19. Jh. wechselte der Bischofshof mehrfach seine Besitzer, die ihn verschiedentl. umbauten. Seit 1922 ist erVerwaltungssitz der Evangelisch-reformierten Kirche B.-Stadt.
Quellen
Archive de l'ancien èvêché de Bâle, Porrentruy (Hofrechnungen/Comptes Trésor de la Cour, Comptes Recettes de Bâle 1500-1507, Comptes de Bâle). - Basler Chroniken, 1872-1945. - Rott, Hans: Quellen und Forschungen zur südwestdeutschen und schweizerischen Kunstgeschichte im 15. und 16. Jahrhundert. III. Der Oberrhein. Quellen II (Baden, Pfalz, Elsaß), Stuttgart 1936. - SA des Kantons B.-Stadt (Bischöfliches Archiv). - Trouillat/Vautrey 1-5, 1852-67. - Urkundenbuch der StadtBasel, hg. von Rudolf Wackernagel, Rudolf Thommen, August Huber und Johannes Haller, 11 Bde., Basel 1890-1910. - Beschreibung des Basler Münsters, 1888.
Literatur
Aujourd'hui, Rolf d': Die Entwicklung Basels vom keltischen Oppidum zur hochmitteltalterlichen Stadt. Überblick Forschungsstand 1989 (Scriptum zur Frühgeschichte Basels), 2. Aufl., Basel 1990. - Denkmäler zur Basler Geschichte. NF, hg. von Ernst Alfred Stükkelberg, Basel 1912, Tafeln 56-58. - Fechter, Daniel Albert: Topographie mit Berücksichtigung der Cultur- und Sittengeschichte, in: Basel im vierzehnten Jahrhundert. Geschichtliche Darstellungen zur fünften Säcularfeier desErdbebens am S. Lucastage 1356, hg. von der Basler Historischen Gesellschaft, Basel 1856, S. 1-146. - Fuhrmann, Bernd: Die Rechnung der Hofschaffnei Basel 1475/76, in: Jahrbuch für Regionalgeschichte und Landeskunde 20 (1995/96) S. 27-50. - Helvetia Sacra I, 1, 1972, S. 127ff. [mit ausführl. Bibliogr. und Quellenangaben]. - Kälble, Basel. - Stehlin, Karl: Baukunst. Bildhauerei, in: Festschrift zum vierhundertsten Jahrestage des ewigen Bundes zwischen Basel und den Eidgenossen 13. Juli 1901. Im Auftrage derRegierung herausgegeben von der historischen und antiquarischen Gesellschaft zu Basel, Basel 1901, S. 312-357 (zum Bischofshof S. 312-317). - Stückelberg, Ernst Alfred: Der Bischofshof in Basel, in: ZGO 70 (1916) S. 21-29. - Wackernagel, Rudolf: Geschichte der Stadt Basel, 3 Bde., Basel 1907-24. - Weissen 1994. - Wyss, Gottlieb: Der Basler Bischofshof, Aesch 1942.