BAMBERG C.1. / C.3.
I.
Papinberc (973); Babenberge (985); Bauenberc (1010), Babenberc, -berg, -berch (1125), Bamberg (1174). Kompositum aus Grundwort -berg und Rufname Babo (Lallform von Adalbert). - Kgl. Pfalz - Bf.e von B. - Bischofssitz - Stadt - Hochstift B. - Zeitweilige Res.en: Altenburg ob B., Schloß Geyerswörth, kgl. Pfalz und bfl. Nebenres. Forchheim. - D, Bayern, Reg.bez. Oberfranken.
II.
B., unweit des Zusammenflusses von Regnitz und Main an einer von Erfurt über den benachbarten Königshof Hallstatt im N und den Königshof Forchheim im S nach → Regensburg führenden Fernstraße am Westrand des Radenzgaus gelegen, wird zweifelsfrei im Jahr 902 erstmals in den schriftl. Quellen erwähnt. Nach dem Bericht Reginos von Prüm zogen damals die (älteren) Babenberger im Kampf um die Vormachtstellung in Ostfranken aus ihrer Feste B. (ex castro, quod Babenberh dicitur, MGH, SS rer. Germ. L, 1890,S. 149) gegen die Konradiner ins Feld. Archäolog. Funde belegen, daß auf dem zu den östl. Ausläufern des Steigerwaldes gehörenden Burgberg bereits in spätmerowing. Zeit eine größere Siedlung der Mainwenden bestand. Auch die Entstehung der Siedlungen in der weiten Talniederung an der Regnitz reichen weit über die Wende vom 9. zum 10. Jh. zurück. Mit der Entmachtung der älteren Babenberger wurde die Burg samt Zugehörungen 906 Königsgut. Die durch Kg. Otto I. veranlaßte Verwahrung Berengars II. von Ivrea, des Kg.s von Italien, in B. in den Jahren 964-66 und dessen Bestattung 966 wie ein Kg.(more regio) spricht für die damalige Bedeutung B.s als kgl. Platz. Um das Haus der Ottonen mit der bayer. Königslinie der Heinriche zu versöhnen, übertrug Ks. Otto II. die Burg B. samt Zubehör (nostri iuris predium, civitatem videlicet Papinberc nominatam, MGH DD II,1, 1888, S. 54, Nr. 44) wohl 975 (nicht bereits 973) seinem Vetter Hzg. Heinrich dem Zänker. Dessen gleichnamiger Sohn Hzg. Heinrich IV., der spätere Kg. und Ks. Heinrich II., schenkte die Burg, für die er seit seiner Jugend eine bes. Vorliebe gezeigt hatte, samt dem dazugehörigemGüterkomplex wahrscheinl. 997 seiner Gemahlin Kunigunde von Lützelburg als Heiratsgut; als Morgengabe war der Besitz von Anfang an hervorgehoben und in bes.Weise geschützt. Seit Anfang 1002 hielt sich Hzg. bzw. Kg. Heinrich IV. bzw. II. häufig in B. auf. Im Vorfeld der Bistumsgründung ließ er über der älteren, Maria geweihten Burgkirche bald nach 1002 mit dem Bau einer neuen großen Basilika mit zwei Chören und zwei Krypten beginnen. Als Heinrich II. 1007 das Bm. B. errichtete, wurde diese Kirche, deren Hauptaltäre zu Ehren Marias und des Apostelfürsten Petrus geweiht waren, zurBischofskirche. Die Gesamtweihe des »Heinrichsdoms« mit Erweiterung der Hauptpatrozinien (Maria, Petrus und Paulus, Kilian, Georg) erfolgte 1012.
Nördl. des Doms, auf dem Areal der Babenburg am östl. Ausläufer des Burgbergs, ließ Heinrich II. seit 1007 die kgl. und bfl. Pfalz errichten. Reste davon sind in dem seit dem 17. Jh. im Gegensatz zur »Neuen Residenz« als »Alte Hofhaltung« bezeichneten ma. Gebäudekomplex bis heute erhalten. Das westl. der Pfalz ansteigende Gelände bis zum Westtor der Burg (dem späteren Jakobstor) wurde seit der Heinrichszeit mit einer weiträumigen Vorburg überbaut. Die Hauptburg umgab eine Steinmauer mit zwei Tortürmen im O und W; sie war wohl durch eine Quermauer von der Vorburg abgetrennt. - ZurEntwicklung der kgl. und bfl. Pfalz s. u. Abschn. III.
Unmittelbar an den Dom schloß sich südl. das gleichzeitig mit diesem errichtete Kapitelhaus mit Kapitelsaal (capitolium) der zunächst in vita communis zusammenlebenden Domherren an. 1020 wurde in der dortigen Kapelle, die wohl von Anfang an als Sepultur der Kapitulare diente, auch Hzg. Ismael von Apulien bestattet. Nach Auflösung der vita communis (um 1200) bezogen die Domkanoniker eigene, im Burgbereich erbaute Kurien. Eine Reihe von Kurien im Burgbereich befand sich im 12./13. Jh. in der Hand höchster und hoherDynastenfamilien wie der → Staufer (so die Curia s. Pauli), Truhendinger (Curia s. Hippolyti) oder der Andechs-Meranier (Curia s. Elisabethae, Curia ss. Johannis et Pauli). Aus einer 1154 den Zisterziensern von Ebrach, Heilsbronn und Langheim geschenkten curtis des Kämmerers Konrad am Jakobstor ging der spätere Langheimer Hof hervor.
In der Regierungszeit Heinrichs II. wurden auf zwei den Domberg im S und N flankierenden Hügeln des auslaufenden Steigerwaldes das Kollegiatstift St. Stephan und das Benediktinerkl. St. Michael (Michelsberg) als kgl. Stiftungen begr. (1009 bzw. 1015). Diese sowie die weiteren Stiftungen St. Gangolf in der östl. des rechten Regnitzarms gelegenen Theuerstadt (gegr. ca. 1057/59) und St. Jakob westl. der Burg (gegr. 1071/72) legten die äußeren Positionen der kirchl. Topographie B.s fest und faßten »alte und neue Siedlungskerne unter großräumigem Kreuz als Stadt zusammen«(Breuer 1979, S. 68).
Die Bürgerstadt wuchs aus der älteren Marktsiedlung im Sand mit dem sich östl. anschließenden Quartier der Juden, der Siedlung der Häcker am Kaulberg, der unter Bf. Otto dem Heiligen (1102-39) ausgebauten jüngeren Markt- und Kaufmannssiedlung auf der Insel mit dem Grünen Markt als Zentrum zw. den beiden Regnitzarmen sowie der Handwerker- und Gärtnersiedlung in der Theuerstadt zusammen. Seit dem Heimfall der Lehen der Gf.en von Abenberg, der bisherigen Hochstifts- und Stadtvögte, an der Wende vom 12. zum 13. Jh. war die Stadtherrschaft in der Hand des Bf.s. Ein bfl. Schultheiß bzw.Unterschultheiß hatte den Vorsitz in dem mit zwölf Schöffen besetzten Stadtgericht, das die Zivil-, Markt- und Niedergerichtsbarkeit ausübte. Auch der 1306 neben dem Schöffenkollegium auftretende städt. Rat blieb auf die Regierung des Bf.s zugeordnet. Das Rathaus, ursprgl. in der Nähe des Hauptmarktes gelegen, wurde im 14. Jh. auf die Regnitzbrücke zw. Sand und Insel verlegt und mit dem älteren, 1321 erstmals erwähnten Brückenturm verbunden; das 1386 erstmals erwähnte Rathaus verklammerte fortan die wichtigen Siedlungen im Sand und auf der Insel eng miteinander. Rathaus und »Obere Brücke«wurden zw. 1450 und 1463 neu errichtet. Das wohl um 1240 entstandene und seit 1279 durch zahlr. Abdrucke bekannte Siegel verwies mit dem Stadtritter St. Georg und dem andechs-meran. Adler im Wappenschild auf den Patron des Ostchors im Dom bzw. auf die Dynastie, die zur Entstehungszeit des Siegels den Stuhl des hl. Otto innegehabt hatte (Bf. Ekbert, 1203-37, bzw. Bf. Poppo, 1237-42). Die im 13. Jh. größere Teile der späteren Stadt noch nicht einschließende Befestigung der Inselstadt mit Mauern und Gräben wurde im 15. Jh. erweitert. Pfarrl. Mittelpunkte der Stadt waren die Kirchen zuUnserer Lieben Frau am Kaulberg und die untere Pfarrkirche St. Martin am Hauptmarkt. Zu den Kollegiatstiften und zum Benediktinerkl. auf dem Michelsberg mit dem zugehörigen Priorat St. Getreu (St. Fides, gegr. 1124/26) traten im späteren MA die Kl. der Franziskaner (St. Anna, um 1230), Karmeliten (Maria, um 1273 in der Au, 1589 nach St. Theodor verlegt), Dominikaner (St. Christoph, bald nach 1304), Nonnen auf dem Kaulberg (St. Theodor, 1157, zunächst nach den Konstitionen des Zisterzienserordens, später nach der Benediktregel ausgerichtet), Klarissen (St. Clara, 1340) und Dominikanerinnen(Heilig Grab, vor 1356) hinzu.
Die zw. den Bürgern der Stadt und den geistl. Immunitäten im Umkreis des Domstifts, der drei Kollegiatstifte und der Benediktinerabtei auf dem Michelsberg bestehenden, langanhaltenden Spannungen belasteten in wachsendem Umfang das Verhältnis zw. der Stadt und dem Stadtherrn. Die privilegierten Märkte und die niederen Gerichte der Immunitäten hemmten die städt. Entwicklung und benachteiligten die Einw. der Stadt. Im Immunitätenstreit der Jahre 1430-40, in dessen Verlauf die Bürgerschaft, gestützt auf Kg. → Sigismund, dem Stadtherrn die Huldigung verweigerte, endete mit einerEntscheidung Bf. Antons von Rotenhan (1431-59) zugunsten der Immunitäten. Der wirtschaftl. Niedergang der Stadt, der bereits im 13. Jh. eingesetzt hatte, nahm daraufhin noch zu.
III.
Das Palatium aus der Zeit Heinrichs II. bestand aus einem ca. 60 m langen Gebäudetrakt, der am nördl. Querhaus des Domes ansetzte und im NW durch die 1020 von Papst Benedikt VIII. geweihte Thomaskapelle abgeschlossen wurde; letztere wurde vermutl. als capella regia erbaut und später als bfl. Hauskapelle genutzt. Vom Kern des einstigen zweigeschossigen Palas sind Reste im heutigen sog. Reichssaal und dem östl. anschließenden Untergeschoß erhalten. Vor dem Verbindungsgang zum Dom wurde um die Mitte des 11. Jh.s die in derTradition der Aachener Palastkapelle stehende Andreaskapelle errichtet; der unter Bf. Hartwig von Bogen (1047-53) geweihte doppelgeschossige oktogonale Bau löste wohl die Thomaskapelle als capella regia ab (sie ist als solche u. a. 1130 unter Lothar von Süpplingenburg belegt). Übereinstimmungen in der Anlage der B.er Pfalz zu der um die Mitte des 11. Jh.s erbauten Pfalz zu Goslar sind unverkennbar. 1035 ist erstmals von einer Kemenate (caminada) in der kgl. Pfalz die Rede, seit 1132 vom großen Saal des Palas bzw. von diesem selbst(palatium), 1208 von einem Schlafgemach (cubiculum) sowie vom kgl. Vorhof (atrium regale).
1185 richtete ein verheerender Brand im gesamten Dom- und Pfalzbereich sowie in der Siedlung der Vorburg schwerste Schäden an. Unter Bf. Ekbert von Andechs-Meranien (1202-37) wurde in der Mitte des zweiten Jahrzehnts des 13. Jh.s mit dem Neubau des Doms begonnen, wobei in der Anlage bewußt auf den »Heinrichsdom« und dessen Doppelchoranlage zurückgegriffen wurde. Die Weihe des »Ekbertdoms« erfolgte bereits 1237. Im Zuge der nach dem Brand in der Pfalz durchgeführten Restaurierungsarbeiten wurde die Thomaskapelle zu einer Doppelkapelle (mit der Katharinenkapelle im Obergeschoß) mitChorturm umgebaut, der im SpätMA als »Hohe Warte« bezeichnet wurde. Wohl Gerichts- oder Immunitätszeichen des Domstifts war die um 1235/40 vor dem Zwinger des Palatiums errichtete Tattermann- oder Tartermannsäule, eine Statue des über den gestürzten Tartarus siegenden Christus, die von Löwen flankiert wurde. Es wird vermutet, daß diese bereits auf eine den umbilicus mundi markierende Säule aus der Zeit Heinrichs II. zurückging, die den Ort nach dem Vorbild von Rom und Konstantinopel als Nabel der Welt kennzeichnen und an Heinrichs B.-Idee erinnern sollte.
Die Pfalz diente zunächst sowohl dem Kg. als auch dem Bf. Der große Saal war Repräsentationsraum des Herrschers bei Reichs- und Hofversammlungen; 1132 brach bei einem Hoftag Kg. Lothars von Süpplingenburg der Boden des Saales durch, wodurch das Leben des Kg.s gefährdet war. Bf. Otto II. von Andechs-Meranien (1177-92) urkundete in palatio Babenbergae. 1208 wurde im Palast Kg. → Philipp von Schwaben durch Pfgf. Otto von Wittelsbach ermordet. Im 13. Jh. wurde die »Alte Hofhaltung« ausschließl. zum Bischofssitz; sie erscheint in den Quellen fortan(erstmals 1243) als curia episcopalis. Unter Bf. Lamprecht von Brunn (1374-99) sollte nach Ausweis eines Vertrags über die Erhebung eines Umgelds auf Wein und Bier in der Stadt und im Hochstift B. ein Teil der Einnahmen zum Bau der Burg verwendet werden, was auf dortige Umbauarbeiten hinweist. Eine aquarellierte Handzeichnung von 1470/75 und zeitgl. Darstellungen halten das Aussehen der Pfalz vor den 1475/76 einsetzenden spätgot. Umbauten fest. Unter den Fbf.en Philipp von Henneberg (1475-87) (→ Henneberg, Gf.en von) und Heinrich III. Groß von Trockau(1487-1501) wurde die Res. nach W und N hin durch die das Bild des Innenhofs der Alten Hofhaltung bis heute bestimmenden Fachwerkbauten erweitert. Über dem Westtor im Westflügel befindet sich das Wappen Philipps mit der Jahreszahl 1479. Im Erdgeschoß der beiden westl. Flügel wurden Pferdeställe eingerichtet; die Obergeschosse darüber dienten als Hofkasten, der Dachraum als Getreidespeicher. Der in den Jahren 1487-89 erbaute Nordflügel wurde als Zeughaus genutzt; am nordöstl. Ende befand sich die Badstube. Im Obergeschoß wurden bfl. Gemächer mit einer repräsentativen Bohlenstube eingerichtet.Zw. 1487 und 1501/02 wurde der Nordflügel nachträgl. unterkellert; die Keller wurden vornehml. zur Lagerung von Wein und Bier verwendet. Weitere Aus- und Umbaumaßnahmen unter Bf. Heinrich III. betrafen die östl. an den Zwischengang zum Dom anschließende Kanzlei, den für Küche, Backstube und Speisekammern genutzten Südflügel (1487-1501), die »Hohe Warte« (1488/89), die damals ein neues Fachwerkobergeschoß erhielt, sowie Gefängnisum- bzw. Neubauten (1490, 1501). Unter Bf. Veit I. Truchseß von Pommersfelden (1501-03) wurden die von ihm in der Alten Hofhaltung bewohnten Gemächer umgebaut.
Umfangr. Um- und Neubaumaßnahmen fanden unter Bf. Georg IV. Fuchs von Rügheim (1554-61) im Bereich zw. Palas und Thomaskapelle bzw. der Hofdurchfahrt statt. Bes. Bedeutung hatte in diesem Zusammenhang eine Wendeltreppe neben Ratsstube und bfl. Gemach; sie diente zugl. der Erschließung von Edelleutestube, Silberkammer und Hofstube. Das durch zahlr. bildl. Darstellungen aus der Zeit um 1500 überlieferte ma. Aussehen der der Stadt zugewandten Ostseite der Bischofsres. wurde durch Baumaßnahmen unter Bf. Veit II. von Würtzburg (1561-77) stark verändert. Der bfl. Baumeister AsmusBraun gestaltete die Kanzlei um (1568-70), setzte östl. vor den roman. Palas die neue Ratsstube (1570/71) und zw. diese und die »Hohe Warte« die als Höhepunkt der dt. Renaissancekunst geltende »Schöne Pforte« (1571); Fürsten- und Gesindeküche im Südflügel wurden getrennt (1575-77) sowie die neue Hofschmiede am Nordflügel (1576) und über der Andreaskapelle die Bibliothek (1576-77) errichtet.
Gegen Ende des 16. Jh.s nahm die Bedeutung der als baufällig angesehenen »Alten Hofhaltung« stetig ab. Bf. Ernst von Mengersdorf (1583-91) verlegte seine Res. in das nahe des Alten Rathauses auf einer Insel des linken Regnitzarms gelegene, 1580 durch das Hochstift B. angekaufte und in den Jahren 1584-87 durch Asmus Braun grundlegend erneuerte Schloß Geyerswörth. Die allegor. figürl. und dekorativen Malereien im ehem. Gartensaal sind weitgehend erhalten. Der reich ausgestattete Schloßgarten zählte im 17. und 18. Jh. zu den hervorragenden Sehenswürdigkeiten B.s. Unter den Nachfolgern vonBf. Ernst von Mengersdorf war die für Zwecke der Verwaltung genutzte »Alte Hofhaltung« mehrfach vom Abbruch bedroht. Fbf. Johann Philipp von Gebsattel (1599-1609) zog zunächst in seine eigene Domherrenkurie und ließ dann (seit 1604) gegenüber dem Nordflügel der »Alten Hofhaltung« an der Stelle mehrerer älterer Domherrenkurien den heute sog. Gebsattelbau erbauen, dem unter Johann Gottfried von Aschhausen (1609-22) ein Flügel angefügt wurde. Unter Fbf. Lothar Franz von Schönborn (1693-1726) entstand schließl. der durch Johann Leonhard Dientzenhofer geplante, mit drei Flügeln zur Stadtund zwei Flügeln zum Domplatz geöffnete Bau der »Neuen Residenz«. 1777 wurden größere Teile der »Alten Hofhaltung« abgerissen. Im Vorfeld der Bayerischen Landesausstellung »Kaiser Heinrich II.« (2002) wurde der erhaltene Bestand der »Alten Hofhaltung« in den Jahren 1996-2001 einer gründl. Renovierung unterzogen.
Altenburg ob B.
Den höchsten der legendären Sieben Hügel B.s bekrönte die bereits auf eine prähistor. Fliehanlage zurückgehende, 1109 als Besitz des Stifts St. Jakob erstmals erwähnte Altenburg. Seit 1251 befand sich diese im Besitz des Hochstifts und unter der bes. Obhut des Bf.s. In Kriegszeiten häufig als bfl. Zufluchtsstätte aufgesucht, diente sie seit dem 14. Jh. immer wieder auch als Nebenres. und wurde dementspr. als Wehr- und Wohnburg sowie als Amtssitz ausgebaut. Seit Leupold (Lupold) II. von Egloffstein (1335-43) wurden hier bfl. Beurkundungen vorgenommen. Unter den Bf.en Lamprecht von Brunn(1374-99), Albrecht von Wertheim (1399-1421) und Anton von Rotenhan (1431-59) sowie später unter Georg III. Schenk von Limpurg (1505-22) wurden umfangr. Baumaßnahmen durchgeführt; Philipp von Henneberg (1475-1487) (→ Henneberg, Gf.en von) ist hier verstorben. Nach schweren Zerstörungen im Bundesständischen Krieg 1553 verlor die Altenburg ihre frühere Bedeutung. Vom alten Wohnbereich sind insbes. der an der Nordostecke zur Stadt gelegene Wohnturm und die anschließende »lange Kemenate« abgegangen.
Kgl. Pfalz und bfl. Nebenres. Forchheim
An der Stelle der ehem. kgl. Pfalz in dem ca. 25 km südl. von B. an der Regnitz gelegenen Forchheim ließ schon Bf. Otto I. der Heilige (1102-39) ein »steinernes Haus« und an der Stelle der Pfalzkapelle eine Marienkapelle errichten. 1377 erwarb Fbf. Lamprecht von Brunn (1374-99) den Burgstall und ließ wenig später mit dem Bau eines Schlosses beginnen, das durch einen Gang mit der Marienkapelle verbunden wurde. Der Schloßbau dürfte zum Fürstentag 1387 fertiggestellt gewesen sein. Der große freskengeschmückte Repräsentationsraum im Erdgeschoß, der sog. Kaisersaal, dürfte sowohl für bfl.und kgl. Empfänge eingerichtet worden sein. Lamprecht von Brunn hielt sich mehrfach für längere Zeit in Forchheim auf, zuletzt in der Zeit nach seiner Resignation vom bfl. Amt (1398) bis zu seinem Tod. Die Stadt Forchheim, die zum Mensalgut der B.er Bfe. gehörte, übernahm in der Folgezeit die Funktionen einer »zweiten Hauptstadt des Hochstifts« und neben Kronach die einer zweiten Landesfestung.
Quellen
Zusammenstellung der schriftl. Quellen 1487-1793, in: Burandt, Walter: Die Baugeschichte der Alten Hofhaltung in Bamberg, Bamberg 1998, S. 203-228. - Quellenabdruck, in: Dümler, Christian: Die Neue Residenz in Bamberg. Bau- und Ausstattungsgeschichte der fürstbischöflichen Hofhaltung im Zeitalter der Renaissance und des Barock, Neustadt a. d. Aisch 2001 (Forschungen zur Kunst- und Kulturgeschichte, 7; Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte 8,13), S. 401-603).
Literatur
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