Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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ARNSBERG C.2.

I.

Arnesberge (1160), Arnesberg (1238), A. - D, Nordrhein-Westfalen, Reg.bez. A., Hochsauerlandkr.

II.

A. liegt auf einem Bergrücken in einer Ruhrschleife. Auf dem höchsten Punkt des Rückens stand das Schloß, dem sich südl. die Altstadt, dann die Neustadt und schließl. die Prämonstratenserabtei Wedinghausen anschloß. Burg und Stadt waren von Anfang an von einem umfangr. Forst umgeben. Das gesamte Gebiet war gering besiedelt. Die Burg wurde wohl erst im 12. Jh. von den Gf.en von A. erbaut, die dem sich an die Burg anlehnenden Ort 1237 Stadtrechte verliehen. Bald darauf wuchs neben der Altstadt die Neustadt heran. Die Ortschaft blieb klein und erreichte im 15. Jh.allenfalls 1000 Einw., die vorwiegend mit Ackerbau beschäftigt waren. Einen weit gespannten Handel werden einzelne Bürger nur gelegentl. aufgenommen haben. Es fehlte dazu der wirtschaftl. Rückhalt in der Landschaft. A. war und blieb eine kleine Ackerbürgerstadt. Die geringe Bedeutung schlug sich auch darin nieder, daß der Ort keine eigene Pfarrkirche, sondern nur eine Kapelle hatte. Neben dem Schloß des Landesherren hatte die Siedlung insofern eine zentralörtl. Funktion erhalten, weil vor seinen Mauern ein Freistuhl stand, der im 14. Jh. als Hauptfreistuhl der westfäl. Veme galt.

III.

Da A. 1368/69 an das Erzstift gefallen ist, konnte die Stadt und die darüber liegende Burg erst seit der Zeit für die ebfl. Residenzbildung eine Rolle spielen. Es dauerte auch noch bis 1381, bis Ebf. Friedrich von Saarwerden alle entgegenstehenden Ansprüche hatte abweisen können. Immerhin ließ er sich schon 1371 in A. huldigen und nahm Lehnsvergaben vor. Seitdem wurden in A. Lehnstage abgehalten und die Lehen vergeben. Friedrich von Saarwerden hat im übrigen A. oft aufgesucht, wahrscheinl. zunächst auch um den neuen Besitz zu sichern. Jedoch hat er A. schonhäufiger als den Ort angegeben, an dem Streitigkeiten zu bereinigen, Beschlüsse zu überdenken, Klageartikel hinzuschicken, vereinbarte Zahlungen zu leisten seien und dgl. mehr. A. trat schon damals oft an die Stelle von → Soest. Die A.er Burg diente auch als Stützpunkt für die Jagd. Denn 1414 hielten sich im Schloß ein Jägermeister mit weiteren drei Jägern in ebfl. Diensten auf. Dazu kamen ein Kellner, der Unterkellner, ein Koch und weiteres Personal, insgesamt 41 Personen. Der Kellner hatte, wie übl., die Einkünfte der Gft. zu verwalten. Als Ausgangspunkt für die Jagd haben dieEbf.e A. stets geschätzt. V. a. Hermann von Hessen hat A. mit großem Gefolge deshalb aufgesucht, während seine Vorgänger bis auf Friedrich von Saarwerden eher zurückhaltender waren. Spätestens unter Ebf. Ruprecht gelang es, die einzelnen Teile der ebfl. Herrschaft in Westfalen infolge der Erblandesvereinigung 1463 zu vereinen. Das Marschallamt, die Gft. A. und das Amt Waldenberg und die Herrschaften Fredeburg und Bilstein wurden unter die Oberaufsicht eines Landdrosten gestellt, dessen Sitz nun A. war. Einen Zentralitätsverlust vorübergehender Art erlitt A., als 1434 das geistl. Gericht nach→ Soest verlegt wurde. Jedoch gab es bald nach dem Ende der Soester Fehde 1449 einen Offizial der A.er Kurie, die für das Hzm. zuständig war. Bereits im 15. Jh., wohl am Ende, wurde eine Kanzlei in A. für das Hzm. errichtet. Sie stand außerhalb der Burg in der Altstadt. Allerdings haben sich keine Nachrichten darüber erhalten, daß in der Kanzlei oder einem anderen Gebäude Schriftstücke in größerem Umfang aufbewahrt worden seien. Von einem Archiv verlautet im 15. und 16. Jh. im Unterschied zu den rhein. Res.en in den Quellen nichts.

Im Schloß haben die Ebf.e zu allen Zeiten gebaut und Gebäude ersetzt oder erweitert. Schon das Grafenschloß muß einen großen Saal gehabt haben, der sich für repräsentative Aufgaben eignete und in dem die Lehnsvergaben und die Sitzungen mit den Ständen stattfinden und in dem schließl. die Ebf.e ihre Audienzen halten konnten. Ferner hat die Burg Privaträume für den Ebf. und seine Begleiter gehabt. Die ebfl. Kammer wurde 1407 mit Beleuchtungskörpern ausgestattet, die in → Soest eingekauft wurden. Überhaupt hat der Ebf. vor seinen Besuchen in A. meist dafür gesorgt, daß ausreichendLebensmittel vorrätig waren und daß vom Rhein Wein dorthin gebracht wurde. Türme der Burg dienten wie übl. als Gefängnis für polit. Gefangene v. a. aus Westfalen. Nachdem das Schloß 1762 im Siebenjährigen Krieg zerstört worden war, wurde es nicht mehr aufgebaut. Die Mauern wurden den Bürgern vielmehr als Steinbruch zur Errichtung eines Zuchthauses überlassen.

Vielfach hielten sich die Ebf.e nicht lange in A. auf, sondern zogen weiter nach Hirschberg zur Jagd und waren dann für ihre Räte und die Kanzlei im rhein. Teil ihres Territoriums nicht mehr zu erreichen.

750 Jahre Arnsberg. Zur Geschichte der Stadt und ihrer Bürger, hg. vom Arnsberger Heimatbund e. V. Red.: Michael Gosmann, Arnsberg 1989. - Arnsberg, hg. von Heinz Stoob, Münster 1975 (Westfälischer Städteatlas, 1,2).