ANSBACH C.7.
I.
Locus Onoltespah (837); Onspach (786 cop. 1561); Anspach (1475). Benannt nach dem hier in die Rezat einmündenden Onoldsbach, der wiederum seinen Namen vom Personennamen Onolt herleitet. Burg und Stadt - Stadtrandburg - zoller. Bgf.en von → Nürnberg (ab 1415 Mgf.en von Brandenburg-A.-Kulmbach) - etwa ab der Mitte des 15. Jh.s Hauptres. - D, Bayern, Reg.bez. Mittelfranken, Landkr. A.-Stadt.
II.
Die um 748 durch den fränk. Edelfreien Gumbert erfolgte Gründung eines Kl.s am Zusammenfluß von Rezat und Onoldsbach »gehört in den Kontext der herrschaftlichen Erschließung Frankens durch Merowinger und Karolinger« (Schmid 1999, S. 26). Mit ihr sollte ein auf halbem Weg zw. den Bischofssitzen → Würzburg und → Eichstätt sowie an einem wichtigen Straßenkreuz gelegener Stützpunkt zur Erfassung des Raumes geschaffen werden. Um das Kl. entwickelte sich eine in vorklösterl. Zeit zurückreichende, 837 erstmals bezeugteSiedlung. 1040 erscheint sie als villa im Besitz des Bm.s → Würzburg, 1056 als Markt. 1195 ist erstmals von cives die Rede, 1221 von civitas, doch ist die Stadterhebung schon für das späte 12. Jh. anzunehmen. Als Baustein der expansiven stauf. Königslandpolitik wurde A. mit einem seit 1165 nachweisbaren Mauerring umgeben und befand sich auf dem Weg zur Reichsstadt. Nach dem Ende der Stauferherrschaft konnten die Herren von Dornberg bis zu ihrem Aussterben 1288 die Schutzvogtei behaupten. Die an ihre Stellerückenden Gf.en von Oettingen verkauften 1331 die Burg Dornberg sowie die Stadt A. an die aufstrebenden zoller. Bgf.en von → Nürnberg.
Gründe für diesen zielgerichteten Erwerb dürften die zentrale Lage der Stadt innerhalb des sich in den Jahrzehnten zuvor stark nach W erweiternden bgfl. Territoriums, die Existenz des als exklusiv geltenden und ein Reservoir für geistl. Räte darstellenden Chorherrenstifts St. Gumbert sowie die unmittelbare Nähe zur schon bestehenden zoller. Familiengrablege im Zisterzienserkl. Heilsbronn gewesen sein. Daneben bot A. aufgrund seiner größeren Entfernung von der mit den Zollern rivalisierenden Reichsstadt → Nürnberg mehr Sicherheit vor plötzl. Attacken als dienahegelegene → Cadolzburg. Ab 1344 sind vereinzelte, seit 1374 nahezu jährl. Aufenthalte der Bgf.en bzw. Mgf.en in A. nachweisbar.
Diese bewohnten dort anfängl. wohl die »Dornberger Burg« der ehemaligen Stadtvögte. 1397, unmittelbar vor dem Regierungsverzicht Bgf. Friedrichs V. und zweifellos im Hinblick auf die bevorstehende Teilung des Territorialbesitzes unter seine beiden Söhne, erwarben diese vom St. Gumbert-Stift einen Hof am Ostrand der Stadt bei der Rezatbrücke. An dieser Stelle errichtete bald darauf der neue Landesherr des untergebirg. Landesteils, Bgf. Friedrich VI. (ab 1415 Kfs. Friedrich I. von Brandenburg), ein 1409 erstmals erwähntes Wasserschloß (unser vesten zu Onoltzbach).Dessen Kapelle wurde erst 1417 geweiht. Es war der erste selbstgeschaffene, d. h. nicht von Vorbesitzern übernommene Wohn- und Herrschaftssitz der Zollern in Franken. Der Zahl der Beurkundungen und nachweisbaren Herrscheraufenthalte nach zu schließen war A. bis ca. 1450 als Res. in etwa ranggleich mit der Cadolzburg, bevor es unter Mgf. Albrecht (1440-86) allmähl. eine immer deutl. Vorrangstellung erlangte.
Damit vollzog sich auch in den Mgfm.ern jene in vielen spätma. Territorien zu beobachtende Verlagerung der Res. von der relativ isolierten, wehrhaften Höhenburg hin zum vergleichsw. offenen Schloß innerhalb oder am Rand einer Stadt mit der neuartigen Möglichkeit, die Stadt als Ganzes und ihre einzelnen Einrichtungen zu Zwecken herrschaftl. Repräsentation zu nutzen. In A. war das Verhältnis von höf. Gesellschaft und städt. Bürgerschaft geprägt von gegenseitigem Nutzen und daher weitgehend konfliktfrei. Klagen der Stadtbürger wegen Begünstigung der Angehörigen des Hofes und des StiftsSt. Gumbert bei der Steuerleistung forderten allerdings mehrfach ein schlichtendes Eingreifen des Stadtherrn. Bei wichtigen herrschaftl. Ereignissen wie der Hochzeit Mgf. Albrechts 1458 oder dem großen Turnier von 1485 wurden viele der 600 Gäste und 2000 Pferde in städt. Herbergen einquartiert, das Turnier wurde mitten in der Stadt abgehalten.
III.
Von der Dornberger Burg, einer aus einem starken Wohnturm bestehenden, durch Wall und Graben gesicherten Turmhügelanlage im westl. Teil der Altstadt, ist heute nur noch die Umwallung erkennbar.
Teile der um 1400 errichteten, im 16. Jh. erweiterten Burganlage dürften in den 40 × 10 m großen Nordwesttrakt des heutigen Markgrafenschlosses einbezogen worden sein. Ab den 1470er Jahren machten ein gesteigerter Repräsentationsbedarf nach der Erlangung der Kurfürstenwürde durch Mgf. Albrecht 1470 und der Heirat seines Sohnes Friedrich mit einer poln. Königstochter 1479, höhere Komfortansprüche sowie die Ende des 15. Jh.s stets ca. 20 Personen aus verschiedenen Generationen umfassende fsl. Familie zahlr. Umbauten bzw. Funktionsveränderungen erforderl. Zu denquellenmäßig faßbaren, wenn auch nicht durchwegs lokalisierbaren Räumlichkeiten gehörten das Fürstengemach, das Frauenzimmer, mehrere Kinderzimmer und das heiml. Gemach. An weiteren Einrichtungen sind eine Badstube im Erdgeschoß, eine »Zielstatt« für Schießübungen, ein Gewölbe sowie ein »Baumgarten« hinter dem Schloß bekannt.
Unter Zurückdrängung von Ansprüchen der → Würzburger Bf.e intensivierte Mgf. Albrecht die traditionelle Nähe der Zollern zum Stift St. Gumbert und trieb dessen Entwicklung zum Residenzstift und zur Hofkirche voran. Hier fand 1458 seine Hochzeit mit Hzg.in Anna von Sachsen statt. Umfassende Erweiterungen (Einbau got. Seitenkapellen 1475, Wölbung des roman. Chors 1481, Errichtung des Nordturms 1483, Neubau des baufälligen Südturms 1493/94, Errichtung des Neuen Chors 1501-12) erfolgten zumindest mit ideeller Unterstützung des mgfl. Hauses. Die mit bedeutenden Kunstwerken (darunterder 1484 von Mgf. Albrecht gestiftete Marienaltar) sowie zahlr. Epitaphien ausgestattete St. Georgs-Kapelle in St. Gumbert war Versammlungsort des brandenburg. Schwanenritterordens und symbolisierte die enge Verbundenheit des Zollernhauses mit dem fränk. Adel.
Nach den Verwüstungen im Markgrafenkrieg von 1449 verbesserte Albrecht Achilles die Sicherheit A.s entscheidend, indem er die noch aus stauf. Zeit stammende, im 14. Jh. mehrmals erweiterte Stadtbefestigung wesentl. verstärkte, die südl. gelegene Herrieder Vorstadt und wohl auch das Schloß in die Ummauerung einbezog und so das bisherige Stadtgebiet wesentl. erweiterte. Die Altstadt erhielt dadurch ihre heutige Ausdehnung.
Dem nahe A. gelegenen Zisterzienserkl. Heilsbronn fühlten sich die Zollern schon seit der Mitte des 13. Jh.s verbunden. Sie machten ihm etl. Schenkungen und übten seit 1333 die Schirmvogtei aus. In der Klosterkirche hatten sie seit dem Tod Bgf. Friedrichs III. 1297 ihre Erbgrablege mit zahlr. künstler. bedeutenden Epitaphien, Altären, Gemälden, Votivbildern, Gedächtnistafeln und Totenschilden sowie ca. 500 Grabstätten fränk. Adeliger. Der vom Kl. unterhaltene »Burggrafenhof« mit Küche, Bad und 16 Schlafräumen diente den Bgf.en/Mgf.en als kostenloses Quartier bei zahlr. Jagd- undVergnügungsaufenthalten sowie als Gästehaus für hochgestellte Besucher, für die in A. nicht ausreichend adäquate Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden waren.
Quellen
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Literatur
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