Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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ANDLAU C.4.2.

I.

Andlau. - F, Dep. Bas-Rhin, Kanton Barr, Kommune A.

II.

Gelegen im Tal, am rechten Ufer der A., am Fuß des Hohwald-Massivs und am Ausgang des Weinbergs in 215 m Höhe.

Der Name Eleon, kelt. Ursprungs, könnte »das enge Tal« bedeuten. Der Ort entwickelte sich als Markt ausgehend von einem vorstädt. Kern, der aus der Abtei und ihrer Umfriedung bestand. Im 13. Jh. beherbergte er schon eine Komturei des Templerordens (die vom → Deutschen Orden ab 1312 übernommen wurde).    

Erst spät (1432) wurde die Stadt errichtet, als die Stadtmauer durch die Herren von A., Schultheisse seit 1287, erbaut wurde. Zwischen 1334-40 hatten diese ein Schloß erbauen lassen, das zuvor in die Verteidigungsanlage integriert war. Die Abtei wurde von Mauern geschützt, besaß aber keine ausreichende Verteidigung, denn sie verpflichtete ihre Nonnen, das Bürgerrecht in verschiedenen Städten der Region zu erwerben, v. a. in Schlettstadt (1371) und → Straßburg (1321, 1443). 1376 ließ letztere A. unter unbekannten Umständen in Flammen aufgehen.

Über die Beziehungen zw. der Abtei und ihren Untertanen ist nur wenig bekannt. Mehrfach bringen Streitigkeiten die Äbtissin in Konflikt zu den Herren von A., ihren Vasallen (1443 und bes. 1462). Zur Zeit der Reformation ließ sie die protestant. Predigt verbieten.

III.

Das Abteigelände befindet sich im oberen Teil der kleinen Stadt, im N-W, und ist mit ihr über das »Obertor« verbunden. Im N wird es begrenzt durch den Fluß, wo sich auch die Mühle der Abtei befand. Es setzte sich zusammen aus einem Gebäudeensemble, das um die Abteikirche und den Kreuzgang gruppiert war und ein Gästehaus einschloß, das 1573 wiedererbaut wurde. Das Haus der Äbtissin wurde 1795 modernisiert.

Die Abteikirche wurde im 11. Jh. wieder aufgebaut (Krypta) und dann häufig umgebaut. Die roman. Fassade des 12. Jh.s wird geschmückt durch Reliefs (u. a. Ritterkämpfe und exot. Tiere). Der Chor und das Querschiff wurden unter der Äbtissin Sophie von Andlau wieder aufgebaut (ca. 1415-ca. 1444). Das Schiff und der Glockenturm wurden nach Originalplänen zw. 1698 und 1700 rekonstruiert. Das mit Wappen versehene Chorgestühl stammt aus dem 15. Jh. Acht Epitaphe von Äbtissinnen sind bekannt. Um 1506 entwarft Hans Holbein d. J. ein Projekt für ein Glasfenster, das die hl. Richarda und dieKlosterschwestern zeigt.