PFÄFERS
I.
Benediktinerabtei, im ehemaligen Bm. → Chur gelegen. Alte Namen: abbas de Fabarias (762), abbatiuncula Fauares (905), abbatia/cella Fauariensis, monasterium Fauariense (909), monasterium Fabariense ordinis sancti Benedicti (1232), gotzhus ze Phevers (1329), Pfefers (1337).
II.
Die Abtei P. wurde unter Mitwirkung der in → Chur herrschenden Viktoriden und spirituell auch mit Unterstützung der Bodenseeabtei → Reichenau um 740 gegr. Bereits im 9. Jh. erhielt sie die Immunität und wurde durch die karoling. Herrscher mit Privilegien ausgestattet. Nach einer wechselvollen Geschichte im 10. Jh., der Übertragung an die Abtei → St. Gallen, und im Investiturstreit, Befreiung der Abtei durch Papst Pascal II. vom Bf. von → Basel, erlebte sie nach der karoling. Blüte - Zeugnis dafür sind der »LiberViventium« und weitere Hsb. der Bibliothek - noch im späten MA unter schwäbischen, aus dem Ministerialadel stammenden Äbten eine späte ma. Blüte. Sie besaß seit der Karolingerzeit an den wichtigen Verkehrsachsen des Rheintals und der Linie Bündner Alpen-Zürich umfangr. Besitz.
Die Abtei besaß ihr Territorium im Taminatal, mit Ausnahme des daran anschliessenden Calfeisentales, das eidgenöss. war, wozu noch die Talebene von Ragaz kam. Hier wurde das wichtige Maiengericht abgehalten. Die Abtei besaß zudem niederherrl. Rechte in verschiedenen Orten der Umgebung. Der Besitz lag wesentl. an der Achse → Zürich - Bündnerpässe sowie im Rheintal, und zwar links- und rechtsrheinisch. Dabei besaß die Abtei auch Güter im fernen Vinschgau, im Bergell und auch am Splügenpass, in Splügen. Der Einbezug der umliegenden Region in das System der Eidgenossenschaft seitdem 15. Jh. bedingte einen Strukturwandel in der Abtei. Noch immer ließen sich aber die Äbte bis zur Französischen Revolution ihre Privilegien von den Kaisern regelmäßig bestätigen. Abt Michael Saxer, in betonter Herausstellung seiner Eigenständigkeit gegenüber den Eidgenossen, besuchte noch 1613 den Reichstag in → Regensburg. Den Höhepunkt der polit. Unabhängigkeit hatte die Abtei bereits 1408 durch ein Privileg Kg. → Ruprechts erreicht, worin die freie Vogtwahl der Abtei rechtl. verbindl. zugesichert wurde.
Bes. von Bedeutung war die wohl seit 1240 etwa anzunehmende, urkundl. jedoch nicht feststellbare Nutzung der Thermalquelle in der schwer zugängl. Taminaschlucht im Territorium der Abtei. Im 15. und 16. Jh. erfolgte deren steter Ausbau, wobei große Investitionen von den Äbten getätigt wurden, was sich auch in einem Besucherzustrom, nicht zuletzt aus Humanistenkreisen, äußerte. Das Wasser wurde dann 1630 von einem leichter zugängl. Ort herausgeleitet, was zu einem noch größeren Zustrom von Badegästen, gerade auch aus dem Gebiet von Zürich führte. Zu einem Konflikt kam es im Bad, als der ksl.Rat Georg Gossembrot von den Eidgenossen gefangen werden sollte, was der Abt von P. durch Fluchthilfe verhinderte. Nach Rückschlägen infolge der Reformation erfolgte ein neuer Aufschwung ab 1630. Eine große Blütezeit erlebte der Badebetrieb im 18. Jh., nicht zuletzt begünstigt durch die Neuerrichtung der entspr. Infrastruktur zw. 1702 und 1716.
Bereits 1460 erwarben die Eidgenossen, welche die Rheingrenze gegenüber dem Reich im 16. Jh. markieren wollten, die Herrschaften Freudenberg und Nidberg. Der Herrschaftssitz Freudenberg lag bei der Ortschaft Ragaz. Eidgenöss. wurde das Gebiet 1483 durch den Kauf der Gft. Sargans vom letzten Gf.en Georg durch die Eidgenossenschaft. Fortan bildete die Region eine Gemeine Herrschaft der sieben Alten Orte, zu denen 1712 auch noch Bern kam. Der Übergang des Territoriums an die Eidgenossenschaft bedeutete insofern auch eine Kursänderung, was die Rekrutierung des Nachwuchses betraf. In der Folgewaren nach einem Abt aus Schaffhausen (Wilhelm von Fulach) und aus dem Zürichseestädtchen Rapperswil v. a. Glarner und andere Eidgenossen als Äbte in P. im Amt. Die Abtei wurde 1838 aufgehoben, ihr Eigentum und die Kulturgüter gingen im wesentl. an den Kanton → St. Gallen.
Quellen
Das Archiv und die Reste der Bibliothek befinden sich heute im Eigentum des Kantons St. Gallen und werden vom Stiftsarchiv St. Gallen betreut. Unter den Hss. des Archivs stechen besonders hervor der karoling. Liber Viventium des 9. Jh.s, der Liber Aureus des 11. Jh.s sowie der Vidimus Heider, ein KB des 16. Jh.s (Frontispiz: Patronin Maria und Sankt Pirmin, der Abteigründer). - Urkundenbuch der südlichen Teile des Kantons St. Gallen (Gaster Sargans-Werdenberg), bearb. von Franz Perret, Rorschach 1961-82.
Literatur
Die Abtei Pfäfers. Geschichte und Kultur (Ausstellungskatalog), hg. von Werner Vogler, 2. Aufl., St. Gallen 1985. - Wegelin, Karl: Die Regesten der Benedictiner-Abtei Pfävers und der Landschaft Sargans, Chur 1850. - Rothenhäusler, Erwin: Die Kunstdenkmäler des Kantons St. Gallen, Bd. 1: Der Bezirk Sargans, Basel 1951. - Perret, Franz/Vogler, Werner: Die Abtei Pfäfers. Abriß der Geschichte, Kurzbiographien der Äbte, St. Gallen1986.