Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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KORNELIMÜNSTER

I.

Inda (die Inde fließt bei → Jülich in die Rur); monasteriu(m) [...] quod dicitur enda quod est dedicatum in honore domini et saluatoris (821); Indense coenobium (1059); monasterium quod est constructum super jndam fluvium in honore sanctorum martirum Cornelii et Cipriani (1135); conventus beati Cornelii in Inda (1234); Sent Cornelis Münster (1452);Sent Cornelis Monster op der Enden (1467); Corneliusmünster (1495); St. Corneliimünster (1685); Cornelijmünster (17./18. Jh.); St. Cornelymünster (1674, 1798); Cornelimünster (bis 1931); heute K. - Benediktinerkl. - (Erz-) Diöz. → Köln.

Die Benediktinerabtei K. wurde 817 durch Ks. Ludwig den Frommen und seinen Berater Benedikt von Aniane im Tal der Inde am Kreuzungspunkt ehem. bedeutender röm. Straßen, etwa 10 km südöstl. vor den Toren der ksl. Pfalz Aachen gelegen, als »Musterabtei« der anian. Klosterreform auf Fiskalbesitz gegr. Das Kl. wurde bei seiner Fundation sowohl mit der Immunität als auch mit umfangr. Besitz ausgestattet. 821 folgte eine Zollbefreiung für das ganze Reich. Der Grundbesitz lag zum einen in der unmittelbaren Umgebung des Kl.s, zum anderen an der Erft, am Mittelrhein, in der Gegend desFlamersheimer Waldes und v. a. im heutigen Belgien, in Flandern, → Brabant und an der Maas. Der die Abtei umgebende Grundbesitz bildete die spätere Herrschaft K., das »Münsterländchen«, das auch die Herrschaften Gressenich und Eilendorf umfaßte. Das Münsterländchen hatte eine Ausdehnung von 10 km in ost-westl. und 8 km in nord-südl. Richtung. Der ursprgl. Mittelpunkt dieses Herrschaftsgebietes war höchstwahrscheinl. ein Königshof, der zur Keimzelle der Klostergründung wurde. Im 15. Jh. wird der Abt von K. als Grund- und Gerichtsherr im Land von K. bezeichnet. 1792 besetzten dieFranzosen das abteil. Gebiet. Das bedeutete nach fast 1000 Jahren das Ende der weltl. Herrschaft der Abtei, die dann am 9. Juni 1802 endgültig durch ksl. Dekret aufgelöst wurde.

II.

Zentrum der Herrschaft K. war das Kl. selbst. Von einem Hof im strengeren Sinn kann wohl nicht gesprochen werden. Allerdings führten die repräsentativen Verpflichtungen der Äbte schon früh im 13. Jh. zur Trennung von Abts- und Konventsgut, da sie den Konvent in wirtschaftl. und finanzieller Hinsicht sehr beeinträchtigten. Auch wird 1334 die Anzahl der Mönche auf 15 plus Abt begrenzt, um die wirtschaftl. Stabilität des Kl.s zu gewährleisten. Seit 1346 verfügte die Abtei nachweisl. über ein eigenes Haus in Aachen sowie in → Köln und in → Trier.Die Reichsabtei K. stand dem niederen Adel offen. Die Äbte begegnen im hohen MA des öfteren als Zeugen in Herrscherurkunden, was ihren Rang unterstreicht. Ihnen stand von jeher der Ehrenprimat unter den Vorstehern der Benediktinerkl. in der Kölner Diöz. zu. Nach Johannes von Viktring besaßen sie sogar das Recht, absente vel non existente episcopo Coloniensi, den dt. Kg. zu krönen - ein Recht, das im 15. Jh. jedoch bestritten wird. Allerdings wurde dieses Krönungsrecht noch im 17. und 18. Jh. bei Jurisdiktionsstreitigkeiten zw. der Abtei und dem → Kölner Ebf. vor demReichskammergericht angeführt. Seit ihrer Gründung ist ein Propst bezeugt, daneben erscheinen in der Folgezeit (Prior), Dekan, Custos, Cellerar und Thesaurar, denen die innere und äußere Verwaltung des Kl.s oblag. Eine eigenständige Kanzlei gab es nicht. Köche des Abtes werden seit dem 15. Jh. gen., auch verfügte er sehr früh über eigene famuli. Wirtschaftl. Grundlage des Kl.s waren sein umfangr. Grundbesitz und die daraus erzielten Einkünfte, belegt durch Einkünfte- und Lehnsregister. Es bildeten sich etwa 40 Ritterlehen sowie eine weitaus größere Zahl gemeinerMann-Lehen heraus. Die sich auflösende Villikations-verfassung führte im 13. Jh. zu erhebl. wirtschaftl. Schwierigkeiten, so daß große Teile des Fernbesitzes, etwa am Mittelrhein oder in Flandern, aufgegeben werden mußten. Demgegenüber konnte die Abtei ihren Besitz in Brabant und an der Maas bis ins 18. Jh. hinein behaupten. Seit dem Ende des 15. Jh.s gewannen der Bergbau und die Messingindustrie im Münsterländchen zunehmend an Bedeutung. Hinzu kamen Steinbrüche, Kalköfen, Hammer- und Schmiedewerke, Eisen- und Kupferschmelzen, zudem Walkmühlen für die Aachener Tuchindustrie. Darüberhinaus brachte das Wallfahrtswesen, die alle sieben Jahre in Verbindung mit Aachen stattfindene Heiltumsfahrt sowie die jährl. Wallfahrten, wesentl. Einnahmen für die Abtei und das Münsterländchen. Seit dem 13. Jh. ist in K. das Eindringen stift. Lebensformen zu beobachten. 1258 wird die Kommunität erstmals »Kapitel« gen. Sowohl der Abt als auch der Konvent führten ein eigenes Siegel.

Quellen

Der größte Teil der Archivalien K.s befindet sich heute im HSA Düsseldorf, ein weiterer, nicht unbedeutender Bestand lagert in den Archives Générales du Royaume in Brüssel, darüber hinaus im Historischen Archiv der Stadt Köln, im StA Aachen, im SA Namur, in den ADN in Lille, in den SA Gent und Mons, im Historischen Archiv des Ebm.s Köln, im Bischöflichen Diözesanarchiv Aachen, im Archiv der Norbertiner-Abtei Grimbergen sowie in der M. Saltykow-Stschedrin-Bibliothek in St. Petersburg.

Capellmann, Heinrich: Kornelimünster. Ein Beitrag zur Geschichte des Münsterländchens, hg. vom Heimatverein Kornelimünster, Kornelimünster o. J. (1950). - Hugot, Leo: Kornelimünster. Untersuchungen über die baugeschichtliche Entwicklung der ehemaligen Benediktinerklosterkirche, Köln u. a. 1968 (Beihefte der Bonner Jahrbücher, 26; Rheinische Ausgrabungen, 2). - Hugot, Leo: Aachen-Kornelimünster. Geschichte, Denkmäler und Schätze, 3. Aufl., Köln u. a. 1990 (Rheinische Kunststätten,66). - Koch, W. M.: Archäologischer Bericht über das Jahr 1987 im Gebiet der Stadt Aachen, in: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 94/95 (1987/1988) S. 485ff. - Kühn, Norbert: Die Reichsabtei Kornelimünster im Mittelalter. Geschichtliche Entwicklung, Verfassung, Konvent, Besitz, Aachen 1982 (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Aachen, 3). - Kühn, Norbert: Kornelimünster, in: Germania Benedictina, 8, 1980, S. 404-421. - Kühn, Norbert: Die Reichsabtei Kornelimünster,in: Eiflia Sacra, 1999, S. 79ff. - Vandenbouhede, Nicole: Les domaines de l´abbaye de Cornelimünster dans les principautés de la Belgique actuelle du IXieme au milieu du XIVieme siècle, Memoire de Licence masch. Univ. Lüttich 1962/3.