Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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WORMS, BF.E VON

I.

Hochstift - der Bischofsitz W. war wohl seit 614 kontinuierl. besetzt; die Verfestigung der Kirchenorganisation bzw. der Grenzen des kleinen Bm.s W. erfolgte im 7./8. Jh.; v. a. seit Ende des 10. Jh.s kam es zum Ausbau eines Hochstifts mit den Stützpunkten um W., Ladenburg und Wimpfen/Neckar. Kgl. Schenkungen und mit ihnen eine Festigung des Hochstifts kulminierten unter Bf. Burchard (1000-25). Das stets kleine Territorium umfaßte durch Verluste v. a. an → Kurpfalz am Ende des MA in schmaler Ausdehnung nur noch einen sehr kleinen und zudem nichthomogenen Raum um W. (beiderseits des Rheins) sowie um Ladenburg/Neckar.

II.

Trotz des hohen Alters des Bischofsitzes (Suffragan des Ebm.s → Mainz) und einer starken Bedeutung in frk. Zeit tritt der bfl. Hof erst sehr spät in den Quellen hervor. Die vier bfl. Hofämter sind schon im Hofrecht Bf. Burchards um 1020 greifbar. Seit dem späten 11. und im 12. Jh. werden diese Funktionen durch für die Stadtentwicklung entscheidend gewordene bfl. Ministerialenfamilien wahrgenommen, die die bfl. Rechte eigenständig ausbauen. Unter ihnen ist die Familie der bfl. Kämmerer (Weistum 13. Jh.) von Dalberg bes. bedeutend geworden (1239 erbl.Belehnung mit dem Amt, Aufbau eines kleinen, später reichsritterschaftl. Territoriums im weiteren Umland). Trotz der seit ca. 1230 häufigen Konflikte zw. den städt. Kräften und der Stiftsgeistlichkeit bzw. Bf. und Domkapitel blieb der Hof im wesentl. immer in W. ansässig, W. blieb Sitz der geistl. und weltl. Zentralbehörden des Territoriums. Zu starken Einbußen der territorialen Entwicklung des Hochstifts kam es v. a. im Zeitraum von ca. 1320 bis 1354. Seither nahm das seit dem 10. Jh. worms. Ladenburg (Neckar), seit 1385 im Kondominat mit der → Kurpfalz, zeitweilig den Charaktereiner Ausweichres. an (der Bischofspalast wurde noch im 16./17. Jh. ausgebaut, wobei das Ausmaß der Verwaltung des Hochstifts von dort aus unklar ist). Die zeitweilige Verlagerung des bfl. Aufenthaltsortes nach Ladenburg ist v. a. bei den bes. heftigen Konflikten um die Stadtherrschaft um und nach 1500 faßbar (Bf. Johann von Dalberg, 1482-1503). Seit dem 14./15. Jh. bestand eine enge bfl. Anlehnung an die → Kurpfalz, die vergebl. auf eine Mediatisierung des Hochstifts hinarbeitete, während sich die Stadt zugl. als Reichsstadt profilierte. In weit geringerem Umfang gab es in derBurg Stein (rechtsrhein., bei Nordheim) und Dirmstein (Pfalz) Ansätze für ein bfl. Quartier.

Mit der Regelung der Fragen der Stadtverfassung (Rachtungen) von 1519 und 1526 (gültig bis 1798) wurden die Verfügung über die Domimmunität und die verbliebenen bfl. Rechte festgeschrieben. Eine Schwächung der Rolle des bfl. Hofes brachte der Übergang der Stadt und weiter Teile des Bm.s und Hochstifts zur luther. bzw. reformierten Lehre mit sich. Endgültig ab 1663 erfolgte - auch vor dem Hintergrund der Kriegsschäden und schwerer Mißstände in dem kleinsten der oberrhein. Hochstifte (u. a. bei Kanzlei und Registratur) die Wahrnehmung der bfl. Funktionen durch die benachbarten→ Mainzer bzw. → Trierer Ebf.e (Bistumsanlehnungen), was die Funktionen des Hofes weiter beeinträchtigte. Erst aus dem Ende des 18. Jh. kennen wir einen Etat über die bfl. Regierung von W. (Regierung, Generalvikariat, Konsistorium, geheime Hofkanzlei, Hofgericht, Hofkammer; starke Position des Domkapitels; keine ständ. Entwicklung; die Gerichtsorganisation blieb uneinheitl. und wechselnd).

Auch aufgrund der schwierigen Überlieferungslage (Verluste und Zerstreuung des Archivmaterials 1689 und ab 1790) gibt es bislang keine eigenständige Untersuchung des bfl. Hofes; auch die Geschichte des Domkapitels wurde noch nicht geschrieben.

Quellen

Ungedruckte Quellen u. a.: Hessisches SA Darmstadt, Abt. C 1; StA Worms Abt. 1 B. - Handschriften (Abt. C 1), bearb. von Friedrich Battenberg, 3. Aufl., Darmstadt 1990. - Inschriften der Stadt Worms, 1991. - Das älteste Lehnbuch des Hochstifts Worms von 1426-34, hg. von Eberhard Lohmann, in: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde 58 (2000) S. 1-62 [Edition]. - Quellen zur Geschichte der Stadt Worms, hg. von Heinrich Boos, 3 Bde., Berlin 1886-93. - Repertorien HessischesStaatsarchiv Darmstadt: Die Protokolle des Wormser Domkapitels 1544-1802, bearb. von Erich Schwan und Eckhart G. Franz, Darmstadt 1992. - Schannat, Johann Friedrich: Historia episcopatus Wormatiensis, Frankfurt am Main 1743.

Das Bistum Worms, 1997. - Bischof Burchard von Worms 1000-1025, hg. von Wilfried Hartmann, Mainz 2000 (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte, 100). - Bönnen, Gerold: Dom und Stadt. Zu den Beziehungen zwischen der Stadtgemeinde und der Bischofskirche im mittelalterlichen Worms, in: Der Wormsgau 17 (1998) S. 8-55. - Breuer, Hans-Jürgen: Die politische Orientierung von Ministerialität und Niederadel im Wormser Raum, Marburg u. a. 1997 (Quellen und Forschungenzur hessischen Geschichte, 111). - Friedmann, Andreas U.: Die Beziehungen der Bistümer Worms und Speyer zu den ottonischen und salischenKönigen, Mainz 1994 (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte, 72). - Kranzbühler 1905. - Reuter, Fritz: Peter und Johann Friedrich Hamman. Handzeichnungen von Worms aus der Zeit vor und nach der Stadtzerstörung 1689 im ›Pfälzischen Erbfolgekrieg‹, Worms 1990 - Schaab 1971.