Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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EPPSTEIN

C. Königstein

I.

Arnoldus de Kunegestein (1215), Kuningestein (1225), Cunegestein (1276).

Höchstwahrscheinlich war Burg K. eine Gründung der Staufer und diente als Stützpunkt zur Verteidigung des staufischen Reichsgebietes. Unterhalb der Burganlage entstand die gleichnamige Siedlung als Raststation. Von 1433 bis 1581 war K. Res. unter den Herren, später Gf.en, von → Eppstein-K. und deren Nachfolgern, den Gf.en von → Stolberg.

II.

K. (380 m) liegt an der ehem. wichtigen Handelsstraße Frankfurt – Köln 20 km nördlich von Frankfurt und 6 km südlich des Großen Feldbergs. Die Stadt ist auf dem Sattel eines Bergsporns gelegen und wird von Romberg und Altkönig überragt. Auf der westlichen Kuppe des Sporns liegt die Burg.

Die Siedlung entwickelte sich in Abhängigkeit von der bereits 1225 urkundlich erwähnten Burg, die vermutlich staufischen Ursprungs ist. 1276 wird eine Pforte in K. erwähnt. Dabei handelte es sich um den früheren Aufgang zur Burg. 1239 befand sich Burg K. im Reichslehenbesitz der Reichsministerialen von Münzenberg. Unter der Herrschaft der Herren von → Falkenstein (1255-1418) erhielt K. 1313 »die Rechte und Freiheiten der Stadt Frankfurt«. 1351 wird K. als suburbium castri bezeichnet, später dann als »Flecken«. Das Marktrecht erhielt K. erst 1548. Nach dem Aussterben der Herren von → Falkenstein fiel die Herrschaft K. mit der sich in schlechtem Zustand befindlichen Burg 1418 an die Brüder Eberhard II. und Gottfried VII. von → Eppstein, die sich zunächst den Besitz in Taunus und Wetterau teilten. 1433 kam es unter den Brüdern zur »Eppsteinischen Brüderteilung«, in deren Folge Eberhard II. von → Eppstein-K. seinen Sitz in K. nahm. Der K.er Anteil bestand aus K., Schloß, Burg und Tal, Dietzelshain, Schneidhain, Altenhain, Neuenhain, Steinbach, Oberhöchstadt, Weiskirchen, Kalbach, Oberursel, Hausen, Bommersheim, Ober- und Niedereschbach, Harheim, Vilbel, Marxheim, Weilbach, Eddersheim, Wicker, Kransberg und Rodheim. Es erfolgte jetzt der Ausbau der Burg K. zur Res. K. wurde Res.stadt und Regierungssitz der Herren von → Eppstein-K. Eberhard IV. erhielt 1505 den Titel eines Reichsgf.en, somit wurde die Herrschaft K. zur Gft.

K. war die Hauptburg und der Herrschaftsmittelpunkt der Herren von → Eppstein. Wenn der Herr von → Eppstein.sich auf Reisen befand, waren in K. die Räte und Statthalter anzutreffen. Auch wurden die Geschenke für den Landesherren hierher geschickt. 1471 übernahm die Herrin zu K. die Patenschaft für die Tochter eines Amtmanns. Die → Eppsteiner förderten auch die Bildung, so ist für 1460 ein Schulmeister nachgewiesen. 1466 stiftet Eberhard III. ein Kollegialstift der »Kugelherren« gen. Brüder vom gemeinsamen Leben.

Ein Spiegel der höfischen Kultur jener Zeit ist das »K.er Liederbuch« des Minnesängers Peter Wameshaft. Sie besteht aus 320 Versen und wurde zwischen 1470-1475 als Dank für die Gastfreundschaft und Betreuung in der K.er Res. während einer Krankheit verfaßt. Die zweite »Minneallegorie »Lieb und Glück« widmete der Sänger der zweiten Tochter Eberhards III., Anna. Über den Rang der Herren von → Eppstein gibt das Inventar des Silbergeschirrs von Eberhard IV. Auskunft.

In der Siedlung unterhalb der Burg lebten Burgmannen und Handwerker. Die Einw.schaft K.s war von der Herrschaft wirtschaftlich und politisch abhängig. Es gab einen Schultheiß, der der Leiter der Gmd. im Auftrag des Landesherrn war. Außerdem wurden jährl. zwei Bürgermeister als Vertreter der gemeindlichen Selbstverwaltung gewählt, die mit dem Stadtrechner für die Rechnungsführung und das Gemeindevermögen verantwortlich waren. Eine Kellereirechnung aus dem Jahr 1471 führt als Lohnempfänger des Landesherrn Schlosser, Bäcker, Schmied, Löher, Tuchscherer, Metzger, Zimmermann, Schneider, Bender, Wagner, Dreher, Sichelschmied, Ofenmacher, Schuhmacher und Maurer an.

1453 erließ Eberhard III. eine Verordnung (»Das K.er Weistum«), die in zwölf Artikeln alltägliche Belange im Leben in der Stadt regelt. Es gibt Bestimmungen zum Schneiden der Hecken und Sträucher, zum Hausbau oder auch die, daß nach dem 11. Nov. keine Ziege mehr außerhalb des Hauses zu halten, ansonsten erfolgte der Einzug des Tieres auf die Burg.

Über Auseinandersetzungen zwischen den Einw.n und der Herrschaft ist nichts bekannt.

III.

Als Eberhard IV. 1535 starb, trat sein Neffe, Gf. Ludwig von → Stolberg, die Nachfolge an. Auch unter den → Stolbergern war K. Res. Ludwig von → Stolberg, dritter Sohn der mit Botho von → Stolberg vermählten Schwester Eberhards IV., befestigte weiter das Res.schloß und ließ drei Rondelle an der Ostseite der Kernburg sowie den kleinen Zwinger errichten. Den Status als Res.ort verlor K. mit dem Übergang an das Kfsm. Mainz i.J. 1581 nach dem Tod Gf. Christophs von → Stolberg. Es erfolgte der Ausbau des Res.schlosses zur Landesfestung nach Plänen des frz. Festungsbaumeisters Vauban. Unter Kurmainz (1581-1803) diente das Schloß als Garnison und Festung mit Staatsgefängnis. 1796 wurde die Festung bei einem Sprengversuch der frz. Besatzung stark beschädigt. Im Folgejahr wurde sie weiter zerstört. und später zum Abbruch für den Wiederaufbau der nach einem Brand 1792 weitgehend abgebrannten Stadt freigegeben. Erst 1827 erließ Hzg. Wilhelm von → Nassau ein Abbruchsverbot. Seitdem beherrscht das einstmalige Res.schloss, später Festungsanlage, als Ruine das Stadtbild.

Nach dem Aussterben der → Falkensteiner im Mannesstamm 1418 übernahmen im Erbgang über die Schwestersöhne die Herren von → Eppstein die Herrschaft K. Die während der Eppsteiner Zeit (1418-1535) durchgeführten Baumaßnahmen sind durch die Verwendung von Lungbasalt erkennbar. Sie setzten die alte Burg im Kern der Anlage wieder in Stand und bauten sie zum befestigten Res.schloß aus. Eberhard III. von → Eppstein-K. ließ die zweigeschossige Burgkapelle im W der Kernburg errichten, die 1475 zur Pfarrkirche für die Familie erhoben wurde. Zu den eppsteinischen Baumaßnahmen gehörte der Bau der kreuzgewölbten und zweischiffigen Küche, weiter die Gestaltung des Tiefbrunnens und die Aufstockung des Burgturms um ein Geschoß mit Bogenfries, Ecktourellen über Eckkonsolen und Pechnase.

Über Architekten, Baumeister, Künstler ist nichts bekannt.

Ab etwa 1430 wurde unter der Herrschaft von Eberhard II. die heutige katholische Pfarrkirche St. Marien – einst die »Kapelle im Tal« – umgebaut und erweitert.

Bach, Adolf: Eine Minneallegorie Erhard Wameshafts, Wiesbaden 1957 (Nassauische Annalen, 68), S. 272 ff. – Erdmann, Wolfgang: Die Königsteiner Burg im Mittelalter, Königstein 1993 (Burgfestbuch Königstein 1993). – Grossmann-Hofmann, Beate/Köster, Hans Curt: Königstein im Taunus in Geschichte und Kunst, Königstein 1998. – Hessisches Städtebuch, hg. von Erich Keyser, Stuttgart 1957. – Das Königsteiner Liederbuch, hg. von Paul Sappler, München 1970. – Luthmer, Ferdinand: Die Bau- und Kunstdenkmäler im östlichen Taunus, Frankfurt am Main 1905, ND Wiesbaden 1973. – Müller, Jutta: Königstein im Taunus – von der mittelalterlichen Burg zur neuzeitlichen Festung, Magisterarbeit, o.O. 1991. – Schäfer, Regina: Die Herren von Eppstein, Wiesbaden 2000 (Historische Kommission für Nassau, 68). – Stamm, Otto: Zur Geschichte der Stadt und Herrschaft Königstein bis 1581, in: Königstein in Vergangenheit und Gegenwart, hg. von der Stadtverwaltung Königstein, Königstein 1963. – Stöhlker, Friedrich: Die Dynasten von Eppstein als Herren zu Königstein, Königstein 1977 (Burgfest 1977). – Stöhlker, Friedrich: Eberhard IV., der letzte Eppsteiner in Königstein 1492-1535, Königstein 1977 (Burgfest 1977). – Stöhlker, Friedrich: Die Stolberger in Königstein, Königstein 1989 (Burgfest 1989).