AUERSPERG
I.
Die Familie A. erscheint in den Quellen zum ersten Mal i.J. 1162, als Engelbert de Ursperch als Zeuge in der Urk. des Gurker Bf.s Roman erwähnt wird. Die Etymologie des Namens wird auf zwei Arten interpretiert. Nach der ersten Auslegung geht der Name aus dem im 17. Jh. in Europa ausgestorbenem Auerochsen hervor. Diese Etymologie gilt sowohl für die dt. als auch für die slowenische Namensform (zum ersten Mal in den Quellen im 1455 als Turiach erwähnt). Der Name hängt offensichtlich mit der Legende zusammen, nach der der Urvater der A.er Ks. Karl den Großen vor dem Angriff eines wilden Auerochsen rettete und sich damit die Adlung verdiente. Auf diese Etymologie stützt sich auch die Abbildung des ältesten erhaltenen Siegels mit dem Auerochsen auf einem Hügel. Die andere Auslegung leitet den Familiennamen von dem keltischen Wort für Wasser Ur ab.
II.
Das edelfreie Geschlecht hat in der Mitte des 13. Jh.s seinen Rang verloren und erst im 15. Jh. wieder herausragende Positionen besetzt. Wg. der Teilung in verschiedene Linien weichen die Standeserhebungen zeitlich voneinander ab. Die auerspergische (auch pankrazische Linie gen.) erlangte den Reichsfrh.enstand i.J. 1550, den Reichsgf.enstand i.J. 1630. Der von dieser Linie abgeleitete schönbergische Zweig erreichte mit Johann Weikhard den Reichsfs.enstand i.J. 1653. Die österr. Linie wurde 1573 in den Reichsfrh.enstand, 1673 in den Reichgf.enstand erhoben. Bis Mitte des 17. Jh.s lag der Besitz der A.er in Krain meistens südlich von Ljubljana, der Besitz der österr. Linie aber umfaßte verschiedene Herrschaften zwischen Amstetten und St. Pölten.
III.
Im ursprgl. Wappen der A.er war ein auf einem Hügel sich erhebender Auerochse abgebildet. Die ersten sichtbaren Verbesserungen wurden nach 1443 durchgeführt, als der Wappenschild in vier Felder aufgeteilt wurde. Nebst Auerochsen im 1. und 4. Feld tauchte nun auch ein Bänkchen im 2. und 3. Feld auf. Die auerspergische Linie verwendete dieses Wappen in den folgenden 150 Jahren, das Wappen der schönbergischen Linie wurde aber mehrmals verbessert, zum ersten Mal schon 1497, als Kg. Maximilian auf das 2. und 3. Feld mit den Bänkchen einen gelben (goldenen) Adler setzte. Als Gf.en erhielten die A. in der Herzstelle noch einen stehenden Löwen (auerspergische und schönbergische Linie) beziehungsweise die sechsblättrige Rose (österr. Linie).
IV.
Die A.er kamen im 11. oder 12 Jh. aus Krain. Obwohl dies nicht ganz eindeutig nachzuweisen ist, verbindet man ihren Ursprung meistens mit der gleichnamigen Burg Ursberg bei Mindelheim in Schwaben südlich von Augsburg. Ihr ursprgl. Besitz in Krain erstreckte sich v.a. südlich von Ljubljana. In der Mitte des 13. Jh. kam es zur Diskontinuität in der Familie. Die Gründe dafür sind nicht ganz klar, aber die überwiegende Meinung ist, daß es sich entweder um eine Verarmung oder die Gefahr des Aussterbens der Familie handelte. Der Großteil des Besitzes ging auf die Gf.en von → Ortenburg über, die neue Familie erhielt nur den Stammbesitz mit der Burg → A. und das Wappen. Seit der Mitte des 13. Jh.s tritt mit dem Attribut A. eine Familie auf, deren Angehörige landesherrliche Ministerialen der → Sponheimer und seit dem 14 Jh. der Habsburger waren. Im späten MA hatte die Familie mehrere Nebenzweige, die aber schnell ausstarben und keine hervorragende Rolle im Land spielten.
Der soziale Aufstieg der Familie begann in der Mitte des 15. Jh.s mit den Brüdern Engelhard und Volkard und ihren Söhnen. Dieser Aufstieg ist mit der erfolgreichen Teilnahme an der Bekämpfung der osmanischen Bedrohung und dem Festhalten an Ks. Friedrich III. zu verbinden. So verlieh Ks. Friedrich III. Engelhard 1455 das Amt des erblichen Kämmerers in Krain, während die Söhne Volkards Johann, Wilhelm und Georg ab 1463 das Amt des erblichen Marschalls in Krain verwalteten. I.J. 1466 kam es zur Teilung des Gesamtbesitzes zwischen den Nachkommen von Engelhard und Volkard, was zur Entstehung von zunächst zwei und nach der Eheschließung Engelhards Sohnes Volkard mit Margarete von Wolfstein und seiner Verlagerung nach Niederösterreich zu drei Hauptlinien der Familie führte: die A.er Linie (auch pankrazische Linie gen.), die (ältere) Schönberger Linie und die österr. Linie (auch Volkardische Linie gen.).
Die schönberger Linie, die nach der i.J. 1443 ererbten krainischen Herrschaft Schönberg (Šumberk) benannt ist, zeigte sich anfangs als die ehrgeizigere. Volkards Sohn Wilhelm wurde im Jan. 1483 Landeshauptmann in Krain, zwischen 1498 und 1497 übte er auch die Funktion des Vizedom in Krain aus. Bei der Beerdigung von Ks. Friedrich III. sollte Wilhelm die Ehre zuteil werden, die Fahne des Hzm.s Krain zu tragen, während sein Vetter Volkard den Helm tragen sollte. Wilhelm folgte in der Funktion des Landeshauptmannes sein Neffe Johann, der dieses Amt bis 1522 innehatte. Mehrere Mitglieder der Familie übten im späten 16. Jh., während der schweren Kämpfen gegen die Osmanen, die Funktion eines Befehlshabers an der milit. Grenze in Kroatien aus. Unter ihnen befand sich als bes. herausragend Andreas, der i.J. 1589 zum Kommandanten der Grenze ernannt wurde und im Juni 1593 die osmanische Armee in der Schlacht bei Sissek besiegte. Damit bekam er das Attribut des krainischen Achilles. Die Linie erlosch i.J. 1604. Nach dem Erbvertrag von 1534 erhielt die auerspergische Linie den größten Teil des Besitzes.
Die auerspergische Linie war in den ersten Jahrzehnten nach der Aufteilung des Besitzes i.J. 1466 weit weniger ehrgeizig, da sie mit Ausnahme des Erbkämmereramtes von Krain kein weiteres wichtiges Amt innehatte. Erst im frühen 16. Jh. begannen sie sich intensiver im öffentlichen Leben in Krain und darüber hinaus zu betätigen. Engelhards Enkel Trojan war als ksl. Rat tätig und tat sich bei der Verteidigung von Wien gegen die Osmanen im 1529 hervor. Im Jahre 1535 wurde er zum Statthalter in Niederösterreich ernannt. Mit Herbard, Weikhard und Dietrich, den Söhnen von Trojan, erreichte diese Linie in der zweiten Hälfte des 16. Jh.s ihren Gipfel. Alle drei waren bes. an den Kämpfen gegen die Osmanen beteiligt. Herbard übte zunächst das Amt des Hauptmannes in Zengg und nach 1566 das Amt des Landeshauptmannes in Krain und des Oberbefehlshabers an der kroatischen und slawonischen Militärgrenze aus. Er fiel in der Schlacht bei Budatschki i.J. 1575. Sein Kopf wurde als Kriegstrophäe nach Istanbul geschickt, was Herbard in Krain zum Kriegshelden machte. Mit dem Lösegeld für den Kopf Herbards und seines gefangenen Sohnes Wolf Engelbert wurde in Banja Luka die sog. Ferhadija-Moschee gebaut (die 1993 während des Krieges in Bosnien zerstört wurde). Nach dem Tod Herbards übernahm sein Bruder Weikhard das Amt des krainischen Landeshauptmannes (bis 1581), das Seniorat über die Familie übernahm aber Herbards Sohn Christoph, der zuerst Landesverwalter und seit 1575 Landesverweser in Krain war. Als Abgesandter der krainischen Stände nahm er am Reichstag zu Augsburg 1582 teil.
Nach dem Tod von Andreas, des Siegers von Sissek, aus der schönbergischen Linie (1594) und dem späteren Absterben seiner Linie (1604) kam es zur Vereinigung sowohl der erblichen Ämter als auch des Besitzes beider krainischen Linien. So verlieh bereits i.J. 1594 der österr. Ehzg. Maximilian der auerspergischen Linie die beiden Erbämter in Krain und in der Windischen Mark. Der vereinigte Besitz wurde erneut 1607 zwischen den Brüdern Herbard und Dietrich geteilt, woraus eine neue schönbergische und auerspergische Linie entstanden sind.
Wieder war die schönbergische Linie aktiver als die Stammlinie. Dietrichs Sohn Wolf Engelbert war von 1649 bis zu seinem Tod i.J. 1673 Landeshauptmann in Krain. Der jüngere Bruder Herbard war General zu Karlsstadt (Karlovac), der erfolgreichste war aber der jüngste Sohn Johann Weikhard, der sich am Hofe der Ks. Ferdinand III. und Leopold I. als Oberhofmeister, geheime Rat und Minister durchsetzte. Für seine Verdienste wurden er und seine Nachfolger i.J. 1653 in den Fs.enstand erhoben und mit dem schles. Hzm. Münsterberg und Frankenstein belehnt. Im Jahre 1663 kaufte Johann Weikhard die Herrschaft → Tengen und wurde so als Besitzer eines reichsunmittelbaren Territoriums auch in das Reichsfs.enkollegium aufgenommen. Nach dem Tod Ferdinands III. in 1657 erlosch seine Bedeutung jedoch.
Die dritte Linie, die sog. österr. Linie, entstand am Ende des 15. Jh.s aus dem auerspergischen Zweig. Es scheint, daß es nach der Teilung des Vermögens zwischen dem schönbergischen und dem auerspergischen Zweig zu einer Vereinbarung zwischen den Brüdern kam, den Familienbesitz nicht weiter zu teilen. Weil der übriggebliebene Sohn Volkard als Erbe seines Vaters nur einen kleinen Teil der Igger Herrschaft (slowenisch Ig südlich von Ljubljana) erhielt, war er gezwungen, seine Existenz anderswo zu sichern. Durch die Eheschließung mit Margarete von Wolfstein, der einzigen Tochter Wolfgangs von Wolfstein in Niederösterreich, erlangte er einen großen Besitz mit den Herrschaften Wolfstein, Klamm, Weichselbach und → Wolfpassing bei Ybbs, der i.J. 1492 durch den Kauf des Marktes, der Burg und der Herrschaft Purgstall noch vermehrt wurde. Im 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jh.s gab es mehrere Teilungen des Besitzes, aus denen sich schließlich i.J. 1649 drei Seitenzweige bildeten, die nach den Herrschaften Peilstein, Purgstall und Waasen benannt sind.
Quellen
Preinfalk, Miha/Bizjak Matjaž: Turjaška knjiga listin, Bd. 1: Listine zasebnih arhivov kranjske grofovske in knežje linije Turjaških (Auerspergov) (1218-1400), Ljubljana 2008 (Thesaurus memoriae. Fontes, 6). – Preinfalk, Miha/Bizjak, Matjaž: Turjaška knjiga listin, Bd. 2: Dokumenti 15. stoletja, Ljubljana 2009 (Thesaurus memoriae. Fontes, 8).
Literatur
Preinfalk, Miha: Auerspergi. Po sledeh mogočnega tura, Ljubljana 2005 (mit weiterer Literatur; dt.: Auersperger. Geschichte einer europäischen Familie, Graz 2006).