EGMOND
I.
Die Burg E. (Ecmunde, Egmunda, Hecmunda), im 13. Jh. huis te Rinnegom / »Haus zu Rinnegom« (Rininghem) gen., lag in Kennemerland im N. der Gft. Holland, 8 km westlich der Stadt Alkmaar, in dem heutigen Ort E. aan den Hoef, Gmd. Bergen, Prov. Noord-Holland, Niederlande. E. war der Stammsitz der Herren von → E. (ab 1486 Gf.en) und ihre Hauptres., bis 1363 Jan I. van E. sich in → IJsselstein niederließ. Im 15. und 16. Jh. nutzen die Herren bzw. Gf.en ihre Burgen und Häuser in Geldern, Den Haag und Brüssel. 1573 wurde das mittlerweile ausgebaute Schloß E. verwüstet.
II.
Die Burg E. entstand am Rande eines alten Strandwalls auf alten Dünen und dem östlich daran anschließenden Geestboden.
III.
Die ältesten Hinweise, die auf das Bestehen einer hölzernen Wehranlage deuten, stammen wahrscheinlich aus dem 11. Jh. Im 12. Jh. wurde an ders. Stelle ein befestigtes Wohnhaus errichtet, das jedoch nach Auskunft der »Annales Egmundenses« während des Loon'schen Kriegs 1204 verwüstet wurde. In der ersten Hälfte des 13. Jh.s bauten die Herren von → E. mit Zustimmung des Gf.en eine neue Burg, eine große runde steinerne Anlage mit einem Durchmesser von ca. 27 m. Einige Jahrzehnte später ließ Willem van E. (gest. 1304) neben dem runden Gebäude einen rechteckigen Wohnturm und eine rechteckige Vorburg errichtet. Die Burg wurde 1321 durch die Friesen zerstört, von Jan I. van E. (gest. 1369) wieder aufgebaut, wobei er u. a. einen neuen Graben rund um die Burg anlegte und die außerhalb gelegene Kapelle verschönern ließ. Letztere wurde durch Arend van E. (gest. 1409) vergrößert. Unter Jan III., dem ersten Gf.en von → E., wurde die Burg erneut deutlich ausgebaut und dem Geschmack der Zeit angepaßt. Die enorme Hauptburg zeigte ein vierseitiges Grundmuster. In der Nordwestecke befand sich der alte Donjon. An den anderen Ecken standen runde Türme. Drei Wohnflügel umgaben einen abgeschlossenen Innenhof. Bei der Vorburg erwuchs ein Torgebäude mit vier großen Ecktürmen. Beide Burgteile waren von einem Graben umgeben, über den eine Brücke führte. Die Burg bildete als solches ein gfl. Lehen.
Gleichzeitig mit der Abtei wurde 1573 auch die Burg in Brand gesteckt und durch die Geuzen unter Diederik Sonoy verwüstet worden. Die Ruine kam 1607 in den Besitz der Landstände (Staten) von Holland. Die Reste der Schloßkapelle wurden 1633 in einem neuen, von den Protestanten in Angriff genommenen Kirchengebäude verbaut, das hinfort als Dorfkirche diente. 1722 wurde das Burggelände von der Familie van E. van Nijenburg käuflich erworben, die zwei der Türme restaurieren ließ. 1798 wurden weitere Reste der ma. Burg an Abbruchunternehmer veräußert. Zu Beginn blieb allein der große vierckige Turm (Rentmeister-Turm) erhalten, doch ab 1832 wurden auch von ihm Steine für den Verkauf abgebrochen. Die verbliebenen Fundamente verschwanden recht bald unter Flugsand. In den Jahren 1933-1936 wurden archäologische Untersuchungen unternommen und die Umrisse der ma. Burg entdeckt. Damals kam auch die alte runde Burg wieder zum Vorschein. Im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wurden die Fundamente aufgemauert und die Gräben vertieft. Im Burggraben ist ein Denkmal für Lamoraal von E. aufgestellt worden.
Quellen
Annalen van Egmond, hg. von Marijke Gumbert-Hepp, J. P. Gumbert und J. W. J. Burgers, Hilversum 2007, S. 320. – Oorkondenboek van Holland en Zeeland tot 1299, hg. von J. G. Kruisheer e.a., Bd. 3: 1256 tot 1278, Assen u. a. 1992, nr. 1677 en IV, nrs. 2120.
Literatur
Burger, Arnold C. M.: Het kasteel van Egmond: een schets van de ontwikkeling van het. »Slot op den Hoef«, Schoorl 1988. – Groesbeek, J. W.: Middeleeuwse kastelen van Noord-Holland. Hun bewoners en bewogen geschiedenis, Haarlem 1981, S. 189-201. – Janssen, H .L. e.a.: 1000 jaar kastelen in Nederland. Functie en vorm door de eeuwen heen, Utrecht 1996, S. 48, 56, 135, 238 en 243. – Oldenbergh, J. van: De fundamenten van het slot bij Egmond, in: De Ingenieur (1938).