EGMOND
I.
Die Herren, seit 1486 Gf.en von E. sind hervorgegangen aus den im 12. Jh. zum ersten Mal erwähnten advocati der Benediktinerabtei E., welche im N der Gft. Holland bei Alkmaar hinter den Dünen in der Nähe des heutigen E.-Binnen gelegen ist. Die ursprgl. Machtbasis befand sich gleich nördlich der Abtei um die Burg → E. (heute: E. aan den Hoef) und der weiteren Umgebung. Im Gebiet zwischen Wimmenum im N und Bakkum im S hatten sie die herrschaftlichen Rechte des Abts als Lehn erhalten. Walterus de Egmonde, der in einem holländisch-brabantischen Friedensvertrag vom 3. Nov. 1200 als Zeuge gen. wird, ist der erste, der sich nach der Burg bzw. dem Ort nannte. Der Name E. wurde bereits im 10. Jh. etymologisch erklärt als Hec munda (»Dieses ist rein«, »ein reiner Ort«, was soviel wie »frei von Wikingerüberfällen oder heidnischen Übeln« bedeuten soll). Heutzutage wird angenommen, daß der Name des Kl.s und der Burg von einem alten Flußlauf entlehnt ist.
II.
Im 13. Jh. entwickelten sich die Burgherren von E. zu wichtigen Lehnsmannen der Gf.en von Holland. Willem II. (gest. 1304) gehörte für lange Zeit zu den nächsten Vertrauten Gf. Floris' V. Er erwarb 1283 die Amtsherrschaften Huisduinen und Ouddorp. Seine Nachkömmlinge kamen zu Beginn des 14. Jh.s außerdem in den Besitz von Harenkarspel, Zevenhuizen und Zegwaard. Jan I. (1321-1369) trat unter Gf. Willem V. als Anführer der Kabeljauwen politisch in den Vordergrund. Er war außerdem 1351 Befehlshaber der Flotte Willems V., die am 5. Juli auf der Maas Gf.in Margaretha besiegte und wurde 1352 baro gen. Er diente Albrecht von Bayern als Rat und Amtmann. Als Pfandherr von Wieringen hat er in den Jahren 1359-60 eigene Münze prägen lassen. Nach seinem Tod am 28. Dez. 1369 wurde er im St. Bernhardskl. in → IJsselstein begr., eine Herrschaft, die er durch seine Heirat mit Guyote van → IJsselstein, Erbtochter des mächtigen Stiftutrechter Herrn Arnoud van Amstel, 1363 erhielt. Der Besitz von Stadt und Land IJsselstein auf der Grenze zwischen Holland und dem Stift Utrecht verschaffte den Herren von E. eine strategisch wichtige Stellung, die ihrem Ansehen und ihrem politischen Einfluß sehr zu Gute kam.
Zu Beginn des 15. Jh.s führte die Heirat von Jan II. (gest. 1415) mit Maria van Arkel, der Tochter Jan van Arkels und Johanna van Gelres (1409), zu einem Konflikt mit Gf. Willem VI., der den Herrn von E. 1416 beschuldigte, einen Anschlag gegen ihn geplant zu haben, und mit dessen Tochter Jacobäa, die ihrem Vater 1417 nachfolgte und bald darauf → IJsselstein einnahm. Jan konnte diese Krise jedoch meistern. Als Haupt der Kabeljauwen war er eine bedeutende Stütze für Johann von Bayern, den er 1418/19 unterstützte bei dessen Versuch, die landesherrliche Macht in Holland einzunehmen. Während der Herrschaft Johanns von Bayern gehörte er zu dessen wichtigsten Ratsleuten. Zugl. konnte er in diesen Jahren seine Ansprüche auf den Hzg.stitel in Geldern durchsetzen. 1423 wurde Johanns Sohn Arnold als Hzg. von Geldern akzeptiert (siehe den Art. »Egmond« von Wilhelm Janssen, im ersten Tl. des Handbuches zu den Höfen und Res.en, Teilbd. 1, S. 58-61). Johann hielt sich seitdem häufiger in Geldern auf, um seinen Sohn zu unterstützen. Seine politische Bedeutung in Holland und Geldern verdiente mehr Aufmerksamkeit von der Forschung als sie bisher auf sich zu ziehen vermochte.
Nach dem Tod Jans II. 1451 folgte ihm als Herr von E. und → IJsselstein sein zweiter Sohn Willem (gest. 1483) nach. Willem nahm auch einen Sitz im landesherrlichen Rat von Holland ein, aber in der Praxis war er wie sein Vater v.a. in Geldern aktiv, nämlich als Berater und Stellvertreter für seinen Bruder Hzg. Arnold. Diese Stellung machte ihn zu einem attraktiven Partner für die nach Expansion strebenden Hzg.e von Burgund. Willem hatte gute Kontakte zu Karl dem Kühnen, in dessen Namen er 1473-1477 das Hzm. Geldern verwaltete. 1477 wurde er von Maximilian von Österreich zum Kammerherrn ernannt. 1478 wurde er in den Orden vom Goldenen Vlies aufgenommen (Sitzung des Kapitels in Brügge). Er starb 1483 im geldrischen Grave und wurde neben seinem Bruder Arnold beigesetzt.
Auch Jan III. (1438- gest. 1516), der älteste Sohn Willems, war anfänglich v.a. in Geldern aktiv. So belagerte er 1467 zusammen mit seinem Bruder Frederik die Stadt Doesburg. Erst nach 1477 verlagerte er sein Beschäftigungsfeld nach Holland, wo er die Kabeljauwen anführte und später in den Dienst Maximilans trat. Ab 1480 erzielte er mehrmals milit. Siege als Anführer der hzgl. Truppen. Als erster Holländer wurde er 1483 zum Statthalter des Landesherrn in dieser Gft. ernannt. Im Zusammenhang damit fädelte (der bald darauf zum Römischen Kg. gewählte) Maximilian eine Heirat mit seiner Nichte Magdalena von → Werdenberg ein, die Jan 1484 ehelichte. 1491 wurde er in Mecheln zum Mitglied des Ordens vom Goldenen Vlies erwählt. Er blieb sehr lange im Amt des holländischen Statthalters, auch wenn er in den letzten Jahren viele Tätigkeiten seinem Neffen Floris van IJsselstein überließ, der dadurch quasi als Vize-Statthalter fungierte. Erst 1515 nahm Jan III. aufgrund von Gesundheitsproblemen von der Statthalterschaft Abstand. Er verstarb im folgenden Jahr.
Die Statthalterschaft Jans III. hatte dazu beigetragen, daß die Familie E. in ihrem Ansehen stieg. Als Zeichen hierfür wurde die Herrschaft E. am 12. Nov. 1486 zur Gft. erhoben. An die alte Herrschaft wurden die Herrschaften Hoogwoud und Aartswoud zugefügt. Im Juni 1487 vergrößerte der Römische Kg. Maximilian die Gft. weiter mit den von Jan III. angekauften Herrschaften Purmerend, Purmerland und Ilpendam.
Nach dem Tod von Jan III., der die letzten Jahre seines Lebens auf der Burg → E. zugebracht hatte und in der dortigen Kapelle begr. wurde, blieben die E.s wichtige Stützen für die Habsburgischen Fs.en. Der Sohn Jans III., Jan IV., der zweite Gf. von E., bekleidete unter Karl V. das Amt eines Kammerherrn. Er wurde 1516 in den Orden vom Goldenen Vlies aufgenommen. Im selben Jahr heiratete er Françoise de Luxembourg, die Tochter des Jacques de Luxembourg, Herrn von Fiennes und Gavre. 1527 beteiligte er sich als Anführer der leichten Reiterei am ital. Feldzug des Ks.s vor Neapel und vor Mailand. Am 29. April 1528 fiel er in Ferrara, beigesetzt wurde er in Mailand. Seine drei Kinder (Margaretha, Karl und Lamoraal) wurden von ihrer Mutter großgezogen, die gute Kontakte zum landesherrlichen Hof unterhielt. Die fsl. Gunst spielte eine wichtige Rolle bei der Ernennung ihres Onkels George de Luxembourg, Kanoniker zu Lüttich und Abt von St-Amand bei Tournai, zum Bf. von Utrecht (1534-1559). 1538 reisten die Brüder Karl und Lamoraal nach Spanien, wo sie in den Hofdienst Karls V. traten. Sie begleiteten ihren Herrn auf Reisen nach Frankreich, in die Niederlande und nach Dtl. Zudem beteiligten sie sich am Kreuzzug gegen Algier 1540, wo Karel van E. den Tod fand.
Lamoraal diente dem Fs.en in der Folge als Militärbefehlshaber, u. a. bei der Unterwerfung Gelderns und im Streit gegen den Kg. von Frankreich. Er hatte entscheidenden Anteil bei der Einnahme von St-Quentin und Gravelines (1557/58). 1559 wurde er Statthalter von Flandern und Artois. Als Mitglied des Raad van State wandte er sich zusammen mit dem Fs.en von Oranien und Gf.en von → Horn gegen den Kard. Granvelle. 1568 wurde er zu Unrecht als Sympathisant der Bilderstürmer verdächtigt und nach einem Schauprozeß auf dem Großen Markt zu Brüssel enthauptet.
III.
Das ursprgl. Wappen der Familie (Gold sieben rote Sparren), das als erstes auf einem Siegel an einer Urk. vom 26. Juli 1274 zu sehen ist, wurde nach dem Erwerb → IJsselsteins gevierteilt (IJsselstein: in Gold ein schwarzer Querbalken, darauf auf ein in zwei Reihen geschachtetes Andreaskreuz in Silber und Rot). Die Familienmitglieder der Herren von E. wurden ab dem ausgehenden 13. Jh. in der Abteikirche zu → E., ab ca. 1300 in einem der drei Chöre der Kirche, im 15. Jh. auch in der Burgkapelle beigesetzt. Aus der Zeit um 1500 sind verschiedene Genealogien überliefert. Das genaue Verhältnis zwischen diesen Texten ist noch nicht genau untersucht. Einstweilen müssen wir noch davon ausgehen, daß das sog. Opusculum de gestis illustrium dominorum de Egmonda der älteste Text ist. Aus inhaltlichen Gründen kann das Werk auf die Jahre um 1477 dat. werden. Der anonyme Autor muß in einer engen Beziehung mit dem Herrn von E. gestanden haben, und er scheint es sich zum Ziel gemacht zu haben, das Lob der Herren von E. zu singen, um die nachfolgende Generation anzuspornen, v.a. mit ritterlichen Taten zu glänzen. Er führt das Geschlecht zurück auf den Friesenkg. Radbod (gest. 725), dem sein Sohn Aldgils nachfolgte. Dieser hatte zwei Söhne: Gondebald, der ältere, wurde Kg. Frieslands und starb als Märtyrer bei der Schlacht von Ronceveaux. Sein jüngerer Bruder Radbod wurde Herr von »Nieder-Friesland« (inferioris Frisiae). Sein dominium soll sich in der Nähe Alkmaars und E.s befunden haben, weswg. er als »Herr von E.« bezeichnet wurde. Dieser erste Herr von E. verstarb nach Auskunft der Chronik am 18. Jan. 792. Wahrscheinlich ist diese mythische Genealogie entstanden im Zusammenhang mit dem Konflikt der Familie mit dem Abt von E. über die Lehnsrührigkeit der Herrschaft E. Die Chronik führte zu einer direkten Reaktion von Johannis a Leydis, der die Rechte des Abts verteidigte in seinem Opusculum de gestis regalium abbatum monasterii in Egmonda (1477-1484).
In einer im 16. Jh. vorgenommenen frz. Bearbeitung, die aus dem Besitz der Anna van E. in Brüssel stammt, wurde das Geschlecht zurückgeführt auf Brunehault, Nachfahre des Trojaners Bavo. Radbod, der Kg. von Nieder-Friesland, wurde nach Rhenen verlegt und zum Herrn der Bataver gemacht.
Porträts des ersten Gf.en von E., Jan III., aus den Jahren um 1510, die ihn und seine Frau Margaretha als Jerusalem-Pilger zeigen, befinden sich heute im Rijksmuseum zu Amsterdam (SK-A-1547-1548) und dem Metropolitan Museum in New York. Das Ehepaar wird zusammen mit Bf. Georg auch dargestellt auf einem Bild der Beweinung Christi von Jan van Scorel, ca. 1535 (Centraal Museum Utrecht). Ein Porträt Bf.s George van E. von dems. Maler von ca. 1535 befindet sich im Rijksmuseum zu Amsterdam (SK C-1618). Eine weitere Darstellung ist zu sehen in einem von ihm gestifteten Glasfenster der St-Janskerk in Gouda. Das Schicksal von Lamoraal van E. hat ihn für Schriftsteller der Neuzeit interessant werden lassen, von denen nur auf Goethe und Schiller verwiesen sei.
IV.
Das Geschlecht der Herren von E. verdankte seine Bedeutung v.a. zwei Heiraten mit Erbtöchtern: die Hochzeit Jans I. mit Guyote van IJsselstein im 14. Jh. und die Jans II. mit Maria van Arkel zu Beginn des 15. Jh.s. Nachdem Arnold, der älteste Sohn aus der zuletzt gen. Ehe, 1423 den Titel eines Hzg.s von Geldern erworben hatte, blieben sein Vater, Onkel und sein jüngerer Bruder in Holland und dem Stift Utrecht politisch führend aktiv. Die Hochzeiten Willem van E.s mit Walburga von Moers, Frau von Baer und Lathum und Tochter Gf. Friedrichs von Moers, und von Willems Sohn Jan III. mit Magdalena, Tochter Gf. Georgs von → Werdenberg, sind Indizien für ihren hohen Status.
Der E.er Zweig der Familie teilte sich erneut auf, als der Sohn Jans II., Willem, Herr von E. und IJsselstein, nach dem Tod seines Vaters 1451 die Herrschaft IJsselstein als Lehen an seinen jüngeren Bruder Frederik vergab, als dieser 1464 Aleida van Culemborg heiratete. Frederik wußte seine Besitztümer deutlich zu erweitern. Von seinem Onkel Arnold bekam er 1473 die Herrschaft Buren, und 1477 konnte er noch Leerdam hinzufügen. Zusammen mit seinem älteren Bruder Jan III. unterstütze er seinen Vater bei seinen proburgundischen Aktivitäten in Geldern. Während der Belagerung von Neuss wurde er von Karl dem Kühnen zum Ritter geschlagen. Im Streit gegen das sich nach Hzg. Karls Tod der burgundischen Herrschaft entziehenden Geldern wurde er 1478 gefangengenommen. 1484 kaufte er von Jacob van → Horn die Herrschaft Cranendonk mit der Stadt Eindhoven. Außerdem konnte er das Erbe von Eleonora van Borselen, Frau von Sint-Maartensdijk und Scherpenisse in Seeland erwerben. Am 24. Juni 1498 wurden zudem Buren und Leerdam durch Kg. Maximilian zur Gft. erhoben.
Frederiks ältester Sohn Floris van IJsselstein (1469-1539) machte eine glanzvolle Karriere als Militärbefehlshaber in burgundischen und habsburgischen Diensten. Er heiratete Margaretha van Bergen, Tochter von Cornelis van Zevenbergen und dessen Frau Margaretha van Strijen. Dank einer Verwendung seines Vaters wurden ihm 1500 durch ein Urteil des Großen Rats die Herrschaften Sint-Maartensdijk und Scherpenis zugewiesen. Er stützte seinen Onkel Jan, Statthalter von Holland-Zeeland, in den letzten Jahren, in denen er dieses Amt ausübte, doch vermochte er nicht die Nachfolge anzutreten. Stattdessen wurde er Gouverneur in Geldern und Friesland und bekleidete darüber hinaus viele weitere politische und milit. Ämter. 1507 führte er eine Ordonnanz-Kompagnie an. Er war außerdem an den Verhandlungen beteiligt, die zu den Friedensschlüssen 1524, 1529 und 1536 führten. In seiner letzten Kampagne zwang er Kg. Franz I. von Frankreich, sich aus dem Artois zurückzuziehen, und eroberte St-Pol.
Sein Sohn Maximilian (1509-1548) machte sich desgleichen einen Namen als Armeeanführer. Für den Krieg gegen die Liga von Schmalkalden 1546 stellte er größere Kontingente. Er wurde 1540 zum Gouverneur von Friesland, Drenthe und Groningen ernannt. Zugl. war er Mitglied des Raads van State. Relativ jung verstarb er 1548. Aus seiner Ehe mit Marie de Lannoy stammte eine Tochter, Anna van E., die 1551 Willem von Oranien heiratete. Mit ihrem Tod 1558 starb dieser Zweig der Familie E. aus.
Zu dieser Zeit wurde der Hauptzweig der Familie vertreten durch Lamoraal. U. a. auf Grund des Erbes seiner Mutter war er zu einem der reichsten Adligen der ganzen Niederlande geworden. Seine Mutter, eine Tochter des Vliesritters Jacques II. de Luxembourg, Herr von Fiennes, Zottegem, Armentières, Erquinghem und Gavre, brachte viele Güter in die Ehe mit und verstand es, den Besitz bedeutend zu erweitern. 1541 übertrug sie die Baronie Gavre an ihren Sohn anläßlich seiner Eheschließung. 1553 wurde Gavre zum Fsm. erhoben. Neben dem Erbweg vergrößerte Lamoraal auch durch Zukäufe die Wirtschaftsgrundlage der Famile. So kaufte er 1565 die Baronie Gaasbeek in Brabant. Durch solche und andere Erwerbungen verschob sich das Schwergewicht der Besitzungen in die südlichen Niederlande. Die Einkünfte aus seinen konfiszierten Besitzungen beliefen sich 1569 auf 60 000 Gulden, denen zugl. hohe Zahlungsverpflichtungen gegenüberstanden, v.a. ausstehende Soldzahlungen. U. a. deswg. betrieb er aktiv den Landesausbau, z. B. durch die Eindeichung von Neuland entlang der Alten Maas, welches nach seiner Ehefrau Sabine von Bayern »Beijerenland« gen. wurde. Dieses Neuland versetzte ihn in die Lage, seine Schulden zu begleichen. Während des Zwölfjährigen Waffenstillstands 1609-1621, »Bestand« gen. Zeitraums wurden die Ländereien von seinem Sohn Karl verkauft. Lamoraal II. (gest. 1617), der während des Aufstands auf die span. Seite gewechselt war, verkaufte 1607 die Gft. E. und die Herrschaft Purmerend an die Stände von Holland.
Einige andere Seitenzweige der Familie E. gehörten zum mittleren und niederen Adel in Holland. Die älteste Nebenlinie entstand bereits zu Beginn des 13. Jh.s, als Gerard van E., Sohn von Wouter (gest. 1208), sich auf der Burg Beverwijk niederließ. Einer seiner Nachkommen erbaute im 14. Jh. die Burg Merenstein in Heemskerk, ebenfalls in Kennemerland gelegen. Er schloß sich in den 1350er Jahren den Hoeken an und damit gegen die Herren von E., aber er und seine Nachkommen behielten den Namen »van E. « bei. Zur Familie gehörten mehrere Ritter. Albrecht van E. (gest. 1468) war 1438-1441 Mitglied des Rats von Holland und nach 1445 Schultheiß von Hoorn. Sein gleichnamiger Sohn wohnte in → IJsselstein.
Seit dem Ende des 14. Jh.s wohnte eine weitere Nebenlinie der Herren von E. in Zegwaard (Rijnland) auf der Burg Palenstein (heute im Ort Zoetermeer gelegen). Sie waren Amtsherren von Zevenhuizen und Zegwaard. Einer von ihnen, Jan van E., war Schultheiß von Delft. In Ausübung seines Amtes wurde er von aufständischen Bauern aus Maasland 1428 totgeschlagen. Weil sein Enkel Willem van E. (gest. 1491) eine minderjährige Tochter hinterließ, die 1493 im Alter von sieben Jahren starb, kam der Familienbesitz über eine Tante des Kindes in die Hände der Leidener Patrizierfamilie Van Zwieten. Aus der Familie E. van Merenstein entstand im 15. Jh. ein weiterer Zweig. Otto van E. (gest. 1466), ein jüngerer Bruder Albrechts van E. van Merenstein (gest. 1468), bewohnte die Burg Poelenburg in Heemskerk. Sein Sohn Albrecht (ca. 1461-1487) erhielt durch Heirat die Burg Kenenburg in Schipluiden (bei Delft, Delfland), wo in der Folge seine Nachkommen residierten.
Quellen
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Literatur
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