EGGENBERG
I.
Dieses Schloß nördlich von Graz fungierte etwa 1662-1671 der Fs.inwwe. Anna Maria vor ihrer Übersiedlung nach Ödenburg/Sopron als Wohnsitz und war für ihren Sohn Johann Seyfried in dessen letzten Lebensjahren der Hauptwohnsitz. Dort richtete sich der Fs. einen eigenen kleinen Hofstaat ein, dem sogar ein Zwerg angehörte. In der wald- und wildreichen Umgebung veranstaltete er Hofjagden. Das Schloß wurde baulich verändert, innen ausgestattet und erhielt eine Kirche. In nächster Nähe errichtete der Fs. ein Sommertheater, das nicht mehr existiert. Johann Seyfried tat W. die Ehre, in diesem Schloß 1713 zu sterben. Danach fiel es in einen längeren Dornröschenschlaf.
Als weitere, temporär genutzte Res.en dienten die Schlösser Gösting, Ober Radkersburg, Straß, Stübing und Wildon in der Steiermark sowie Haasberg und Stegberg in Krain, wo in der Umgebung der Schlösser ausgedehnte Jagdreviere lockten. Einige der in Haasberg erlegten kapitalen Hirsche wurden in W. auf einer hofseitigen Galerie an die Wand gemalt und waren die Abbildungen mit den originalen Geweihen versehen. Für die Nebenres.en und ihre Erhaltung und Ausgestaltung wurden viel weniger Mittel aufgewendet, da sie hauptsächlich von den Verwaltern und ihren Familien samt Dienstboten bewohnt wurden. Als Res.en anzusprechen sind auch das Hauptschloß in Laibach/Ljubljana, wo drei Fs.en als Landeshauptleute amtierten und zwei von ihnen starben, das bereits erwähnte Grazer Stadthaus, in dem 1656 die Hochzeit einer → Eggenberg Prinzessin stattfand und 1703 Fs.in Maria Eleonora Rosalia starb, das Stadthaus in Wien, wo Hans Ulrich während seiner öffentlichen Tätigkeit wohnte, und das Palais am Prager Hradschin, in dem Fs. Johann Christian 1710 starb. In Gradisca bewohnten 1663 und 1665 die jungen Fs.en ein familieneigenes Palais. Inschriften an der Pfarrkirche Ajello und in der Kirche von Romans sind letzte Spuren eggenbergischer Herrschaft über Gradisca. Bis zum Erlöschen der Familie wurden jedes Jahr zahllose Boten mit den unterschiedlichsten Dingen von → Eggenberg aus zu den einzelnen Schlössern und Res.en geschickt, wenn sich die Herrschaft gerade dort aufhielt: Z.B. mit Briefen des Verwalters, Lebensmitteln oder Falken, aber auch Spinnräder und ein Rosenkranz mußten der »gnädigsten Herrschaft« dorthin nachgetragen werden. Auf diese Art wurde der Kontakt mit der Zentrale in → Eggenberg aufrecht erhalten. Nicht anders ist es in → Krumau gewesen.
Zu den bis heute existierenden Denkmälern zählen nicht zuletzt die kirchlichen Bauten, die durch die Munifizenz der Familie neu entstanden oder ausgestaltet wurden. Zu den in der ehem. Grazer Murvorstadt angesiedelten Minoriten hatte die Familie ein bes. Naheverhältnis, denn in dieser Kirche wählte sie sich ihr Erbbegräbnis. In der heute unzugänglichen Gruft beim Michaelsaltar ruhten zahlr. Familienangehörige. Die Gruft wurde in der Franzosenzeit (1809?) geschändet. Oberirdisch diente ein niederes Gewölbe ebenfalls als Grablege. Darin steht u. a. der zinnene Prunksarkophag des in Prag gest. Fs.en Johann Christian.
Berühmt sind die Eggenberg-Grabstätten im Ort Ehrenhausen. In der katholischen Pfarrkirche befinden sich die Renaissence-Grabmäler einiger evangelischer Mitglieder der Ehrenhausener Linie der Familie, die 1648 im Frh.enstand erloschen ist. Der katholisch gebliebene erste Frh. Ruprecht von → Eggenberg, Sieger über die Türken bei Sissek, ließ über dem Ort auf einer Terrasse ein neues Mausoleum für sich und die katholischen männlichen Mitglieder seiner Familie, die den Generalsrang bekleiden würden, errichten. Das traf später nur für einen Neffen Ruprechts zu, der 1615, vier Jahre nach seinem Onkel in der Gruft begr. wurde. Porträts der Bestatteten in der über der Gruft befindlichen Kapelle erinnern an die beiden Militärs. Der beeindruckende Kuppelbau wurde allerdings erst viele Jahrzehnte nach Ruprechts Tod von Fs. Johann Christian fertiggestellt.
Für die Grazer Minoriten hat Fs. Johann Seyfried ab 1691 den sog. Minoritensaal erbauen lassen, einen an den Konvent angelehnten, hohen Saalbau, der den Mönchen als Sommerrefektorium diente, heute aber für diverse Veranstaltungen genützt wird. Sein Bildschmuck wurde dem Ort und Zweck des Raumes angepaßt (Ölbilder von Ordensheiligen, an der Stirnseite die ganze Breite einnehmend die Speisung der Fünftsd. aus dem Neuen Testament).
Nicht selten findet man im Inn-, aber auch im Ausland das fsl. eggenbergische Wappen auf Kirchen, Häusern, Gemälden, Fresken angebracht. Es zierte auch die eggenbergischen Münzen, Urk.n und Adelsdiplome. Zuletzt bestand es aus einem geteilten und oben wie unten zweimal gespaltenen Schild mit einem Herzschild. Dieser repräsentierte das Stammwappen mit den drei fliegenden gekrönten Raben mit einer goldenen Krone in den Schnäbeln. Die sechs Felder trugen die Symbole der bedeutendsten, im Besitz der Familie befindlichen (oder befindlich gewesenen) Herrschaften: → Krumau, Gradisca, Aquileja, Adelsberg, Pettau, Radkersburg. Der Wappenschild war vom Hzg.shut überhöht und von einem hermelingefütterten, roten Fs.enmantel umgeben, fallweise auch mit dem Orden des Goldenen Vlieses geziert, dem alle Fs.en bis auf den letzten angehörten.