EGGENBERG
I.
Mind. so bedeutsam wie in → Eggenberg war das kulturelle Leben am K.er Hof. Dort residierte Johann Seyfrieds Bruder Johann Christian, in kinderloser Ehe mit Maria Ernestine Fs.in von → Schwarzenberg verh. Der Rittersaal des Schlosses wurde 1675 als Schloßtheater eingerichtet, 1680 aber ein Theater aus Holz gebaut und dieses 1765/66 bereits unter den Fs.en → Schwarzenberg in den jetzigen Zustand versetzt. Die eggenbergische Hofmusikkapelle, in der die Blasinstrumente dominierten, stand unter der Leitung Domenico Bertollis, einige Musiker stammten aus der Steiermark bzw. Krain. Es haben sich noch drei Originalpartituren venezianischer Komponisten erhalten, deren Opern in K. zur Aufführung gelangten.
Noch berühmter war die Theatergruppe Johann Christians. Prinzipal war der Kärntner Johann Karl Sommenhammer, weiters gehörten ihr noch Johann Georg Göttner aus Nikolsburg/Mikulov, dessen Frau und deren Schwester an. Berühmt wurde Johann Valentin Petzold (geb. Passail, Steiermark, 1648, gest. um 1730 zu K.), der unter dem Künstlernamen »Kilian Brustfleck« auftrat und mit der eggenbergischen Spieltruppe in Salzburg, Wien, Dresden und St. Petersburg gastierte. Außerdem war er jahrelang fsl. Hausdichter, verfaßte Huldigungs- und Festgedichte und schrieb Bücher.
1672 wurde die eggenbergische Bibliothek von Graz nach K. gebracht und ging in das Eigentum Johann Christians von → Eggenberg über. Sie ist heute noch von den Beständen der Schwarzenberg-Bibliothek separiert. 1649 umfaßte sie 1100 Titel. Fs.in Maria Ernestine ließ die Bücher in »Teutsche«, Wälische«, »Lateinische«, »Spanische« und »Geographische« Werke ordnen und ihrer Formate nach aufstellen. Schon Hans Ulrich von → Eggenberg hatte auf seinen Reisen nach Spanien viele Werke der dortigen Autoren, darunter von Cervantes und Lopez de Vega, erworben. Sein Sohn benützte bereits prächtige heraldische Supralibros, dgl. Johann Seyfried, Johann Christian und dessen Frau Maria Ernestina.