Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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EGGENBERG

B. Eggenberg

I.

Die Namengebende Herrschaft E. hatte ihren Mittelpunkt im alten, gotischen Schloß → E. des 15. Jh.s. Damals war es eine halbe Stunde Weges westlich der Stadt Graz gelegen, heute ist es Teil des 14. Grazer Stadtbezirkes. Die Herrschaft wuchs aus Grundkäufen Balthasars und seiner Nachkommen von bescheidener Größe zu einer respektablen Herrschaft an, die im O bis vor die Stadttore von Graz, im S weit ins Grazer Feld und grenzte im N an die ebenfalls eggenbergische Herrschaft Gösting (13. Grazer Stadtbezirk). Die Herrschaft E. war jedoch nicht arrondiert, sondern v.a. an den äußeren Rändern mit Untertanen anderer Herrschaften vermischt. Ende des 18. Jh.s besaß die Herrschaft 1001 zinsbare Häuser und ein Landgericht (Blutgerichtsbarkeit), Getreidezehente und Kirchenvogteien. Im Steuerbuch der Steirischen Landschaft (: des Landes) war die Herrschaft zu jener Zeit mit einem Jahresertrag von über 6954 Gulden Dominikale (aus von der Herrschaft selbst bewirtschafteten Besitz) und nur 336 Gulden Rustikale (von den von Bauern bewirtschafteten Gütern) eingetragen. Die verwaltungsmäßige Gliederung der meist bäuerlichen Untertanen erfolgte in »Ämtern«, denen ein Bauer als »Amtmann« vorstand und der seine Mitbauern gegenüber der Herrschaft vertrat.

Für die Steiermark allein werden 30 Herrschaften im Besitz Hans Ulrichs gen. Die Ankäufe von Gütern (ganzen Ortschaften) nahmen Zeit seines Lebens nicht ab. Dadurch floß ein permanenter Strom aus Zins der Untertanen in die fsl. Kasse und ermöglichte so dem Fs.en, dem Ks. immer wieder große Summen zur Verfügung zu stellen, für die der Geldgeber landesfsl. Herrschaften kaufweise übernehmen konnte. Es ist unmöglich, hier die vielen Erwerbungen, aber auch einzelnen Verkäufe Hans Ulrichs auch nur annähernd zu dokumentieren. Dies hat bisher auch noch keiner seiner Biographen versucht, dazu ist die Quellenlage zu unübersichtlich.

Motor aller großen Transaktionen der ksl. Hofkammer und von Privatpersonen hin zum fsl. Privatbesitz war zum einen der Geldbedarf der Ks. Ferdinand II. und III. zur Fortführung des Dreißigjährigen Krieges. Zum anderen war 1628 ein landesfsl. Mandat an den evangelischen Adel Innerösterreichs ergangen, entweder katholisch zu werden, oder die im Lande habenden Güter binnen Jahresfrist zu verkaufen und dann zu emigrieren. Gewinner dieser für die Emigranten wahrhaft prekären Situation waren landsässige Konvertiten, aber bes. Katholiken aus Bayern, Italien, Kroatien usw., die Güter kaufen wollten und dies nun umso leichter konnten, je mehr Besitztümer jeder Größe und jeden Wertes zu Schleuderpreisen auf den »Markt« kamen. Die von der Hofkammer gekauften Herrschaften wurden schon oben gen. Zu den vom evangelisch gebliebenen Adel übernommenen Gütern gehörten die Herrschaften Ehrenhausen und Straß (Steiermark), die sich im Besitz von Hans Ulrichs frhl. Vettern befanden.

Selbst nach Erwerb der großen böhm. Herrschaft → Krumau blieb das Stammhaus bei Graz die Hauptres. der Familie. E. war von Balthasar im Stil der Gotik errichtet worden, wovon heute noch die Marienkapelle mit dem von Balthasar und seiner Frau gestifteten Flügelaltar zu sehen ist.

II.

Das Schloß → E. scheint seine Entstehung der ungarischen Nobilitierung (1467) Balthasars von E. zu verdanken. 1470 war der aus einem bäuerlichen Hof entstandene Bau anscheinend fertig gestellt: Zwei rechtwinkelig zusammenstoßende Gebäude mit einem frei stehenden Turm. Die Schloßkapelle zu Ehren der Jungfrau Maria erhielt im gen. Jahr einen Ablaß römischer Kard.e. Der spätgotische Flügelaltar (aus portugiesischer Werkstatt?), den Balthasar angeschafft hatte und dessen Meister unbekannt ist, wurde 1999/2001 aus Amerika zurück erworben, nachdem er erst siebzig Jahre früher dorthin verkauft worden war.

Balthasars Urenkel Hans Ulrich (seit 1623) Reichsfs. von E., begann 1625 mit dem Ausbau der altmodischen Familienburg E. zum repräsentativen Residenzschloß (Principe digna suo arx). Riesige Summen wurden in Zeiten schwerer Kriegsnot (Dreißigjähriger Krieg) in den Umbau investiert. Der Plan des neuen Schlosses stammt vom Mailänder Pietro de Pomis, der über den Innsbrucker an den Grazer Hof rekommandiert worden war. E. und de Pomis befanden sich in der Begleitung der zur Hochzeit mit Kg. Philipp III. nach Spanien abgereisten Ehzg.in Margaretha von der Steiermark. In Spanien lernten sie den Escorial kennen, er lieferte das Vorbild für → E. Die Anlage wurde selbstverständlich um vieles kleiner, aber doch nach einem strengen Programm ausgeführt: Ein architektonischer Kalender, ein priv. Universum, in dem die »Coincidentia oppositorum« und die »Hierarchie der Geschosse« ausgedrückt ist, so hat Barbara Kaiser die verwirklichte Idee dahinter zu beschreiben versucht. Auch im Neubau bildete das Zentrum die unverändert beibehaltene gotische Kapelle des alten Schlosses.

Für das standesgemäße Wohnen sorgten die nächsten Generationen: Die Beletage wird von den fsl. Hofmalern (Hans Adam Weißenkircher), Hofstukkateuren (Alessandro Serenio), Hoftischlern, Hafnern und anderen Kunsthandwerkern zu einer Folge von 24 Prunkräumen ausgestattet. In ihnen spiegeln sich die wechselnden Modeströmungen adeligen Wohnens wieder: Ein Zyklus von mehr als 600 Deckengemälden und Friesbildern mit antiken und anderen Motiven dient (wieder nach Barbara Kaiser) nur dem einen Zweck, »den Auftraggeber als idealen Regenten zu formen und zu repräsentieren«. Der nach 1680 entstandene »Planetensaal« schließt das Bildprogramm ab. Chinoiserien und japanische Keramik durften ebenfalls nicht fehlen.

Nach dem Erlöschen des Mannesstammes der E. fiel das Schloß mit der Herrschaft an die Familie der Gf.en von Herberstein. Mitte des 18. Jh.s stieg wiederholt die ksl. Familie im Schloß ab, wenn sie die Erbländer bereiste. Zu dieser Zeit wurden in einigen Räumen auf Leinen gemalte Genrebilder als Wandbespannungen angebracht.

Für die räumlich weit auseinander liegenden, aber zumeist sehr großen Besitzteile wurden schon von Hans Ulrich Kanzleien und Verwaltungskörper eingerichtet. In → E. befand sich so etwas wie die Hauptkanzlei mit dem Familienarchiv der Grazer Linie. Viele Verwalter und Herrschaftsbeamte wurden von den Fs.en in den einfachen Adelsstand erhoben. Viell. auch deshalb, um ihre Loyalität der Familie gegenüber zu stärken.

Der Hofstaat in Graz bzw. in → E. umfaßte den Rentmeister und Verwalter mit ihren Bamten und Schreibern, fsl. Räte, Sekretäre, Haushofmeister(in), Hofmusiker, Künstler und das gesamte sehr zahlr. Dienstpersonal, vom Leibbarbier bis zu den Ofenheizern. Dazu die Verwalter mit den Dienstboten und dem Meierhofgesinde auf den einzelnen Herrschaften, deren unterstes Glied die »Saudirn« oder das »Platzmensch« gewesen ist. In → Krumau stand ein Oberhauptmann an der Spitze der Beamten- und Dienerschaft.

In den Händen der Verwalter der einzelnen Herrschaften lag auch das Justizwesen. Dies konnte die niedere und/oder die hohe Gerichtsbarkeit bedeuten, je nachdem, ob eine Herrschaft auch Sitz eines Landgerichtes war oder nicht (z. B. → Krumau, Pettau/Ptuj, Radkersburg, Wildon), sodaß der Fs. auch Todesurteile verhängen konnte. Dementsprechend gab es bei den Landgerichten Richtstätten und es wurde z. B. bei der Herrschaft E. ein Gerichtsdiener beschäftigt.

Die Wirtschaft der E.ischen Besitzungen, ihre Erträge und die Einkünfte der Fs.en aus ihren öffentlich-staatlichen Ämtern und Funktionen können mangels detaillierter Quellen nur unzureichend angegeben werden. Allein die ungeheuren Summen, die Balthasar E.er Ks. Friedrich III. geliehen und wieder vergütet bekam, sind ihrer Herkunft und Größe nach kaum zu erfassen. Er hat nachweislich als ksl. Münzer minderwertige Münze geprägt und sich dadurch bereichert. Ähnliches wird neuerdings Hans Ulrich vorgeworfen. Zumindest haben die Fs.en auf Grund des ihnen verliehenen Großen Palatinats seit 1625 auch selbst Gold- und Silbermünzen geprägt, heute wg. des beschränkten Ausgabebereichs numismatische Raritäten. Geprägt wurde in Prag, dann in einem Münzhaus in → Krumau. Auch in → Waldstein existierte eine Prägestätte, die 1645 1000 Taler erzeugte. Die Münzmeister in → Krumau.hießen Michael Müller, Veit Scheibhoffer, Philipp Ignaz Häckhl. Geprägt wurden in Böhmen Dukaten in Gold, mehrfache Taler, halbe Taler (Gulden), Vierteltaler (Halbgulden) und Groschen in Silber. Das Silber kam teils aus dem böhm. Bergwerk Ratibořiz, teils wurde es aus gekauftem Bruchsilber und Einschmelzen älterer Münzen gewonnen. Nach 1688 wurde nichts mehr geprägt.

Hans Ulrich von E. gelang in den ersten drei Jahrzehnten des 17. Jh. der Erwerb eines riesigen Besitzes, der von der Steiermark über Ober- und Niederösterreich nach Böhmen reichte. Die Einnahmen daraus sollen durch die »unbedachte Freigebigkeit« Ks. Ferdinands II. 1622 die unvorstellbare Summe von 600 000 Talern jährl. erreicht haben. Das wären 1 200 000 Gulden gewesen, die 1946 dem Gegenwert von ca. 240 000 000 damaligen österr. Schillingen entsprochen hätten. Solche Gewinne zu machen erforderte eine äußerst effektiv funktionierende Wirtschaftsführung.

Alle Herrschaften unterstanden eigenen Verwaltern, die die Verantwortung für alle Einnahmen und Ausgaben sowie über die Bediensteten vor Ort trugen. Die Geldgebarungen oblagen zum einen der sog. Hofkassa, zum anderen den Rentämtern. Die Hofkassarechnungen sind bis auf einige wenige Jahrgänge nicht mehr vorhanden, die Abrechnungen z. B. der Verwalter der vereinigten Herrschaften E. und Thal existieren mit einigen Lücken fast vollständig von 1625 an bis weit über die Zeit der E. hinaus. Sie enthalten die Einnahmen aus dem Zins und den Giebigkeiten der Untertanen, aus Herrschaftsrechten (das »Marchfutter«, ursprgl. der dem Landesfs.en abzuliefernde Hafer), dann aus dem abgelieferten und (z.T. an die Bäcker der Stadt) verkauften Getreide (Weizen, Korn, Hafer, Hirse, gegen Ende des 17. Jh.s auch Mais) sowie den Fechsungen aus den Weingärten hinter dem Schloß E., bei Radkersburg und Luttenberg/Ljutomer (Slowenien). Es werden aber auch Einnahmen von Naturalien wie Eiern, Enten, Kapaunen (kastrierte Hähne), Fischen, Krebsen und so skurriler Abgaben wie »alte Hennen« neben Junghühnern verzeichnet. Zu den Einnahmen der Herrschaft E. gehörten auch eine Ziegelbrennerei und Kalkgruben, deren Erzeugnisse bei den Herrschaftsbauten gebraucht, sonst aber verkauft wurden. Auf der Ausgabenseite standen alle Aufwendungen für die Landessteuern, die Besoldung des Dienstpersonals, die diversen Deputate an die Grazer und sonstigen Kl. oder Weltpriester, die Aufwendungen für Lebensmittel für den fsl. Haushalt und die Meierei (es wurde viel Rindfleisch gegessen, das gekauft werden mußte), die in den Jahren ab 1628/29 fortlaufend bis zum Erlöschen der Familie (und auch noch lange danach) getätigten Ausgaben für den Schloßbau in → E. und die anderen Schlösser samt der Innenausstattung. Dabei werden auch die teilw. sehr hohen Ausgaben für die Künstler und Handwerker aufgelistet und deren Namen gen. Schließlich die Bedienung der aufgenommenen Kapitalien (Zinsen) und die abgeschriebenen, weil uneinbringlichen Untertanenausstände.

Für die Güterverwaltung war der Verwalter zuständig, für die Hofkassa der Rentmeister, durchwegs Männer von gutbürgerlicher Herkunft, die mitunter von den Fs.en in den einfachen Adelsstand erhoben wurden und jahrelang amtierten. Sie legten jährl. (anfangs von Georgi bis nächsten Georgi) Abrechnungen in Buchform vor. Um Unterschleifungen oder Ungenauigkeiten hintan zu halten wurden diese Verrechnungen vom Fs. nachgeprüft, Fehlbeträge vom Verwalter zurückgefordert, andere unbelegte Anschaffungen durch ihn selbst beglaubigt. Zahlr. dieser Bemängelungen sind noch vorhanden. Die Hofkassa deckte die priv. Bedürfnisse der fsl. Familie ab.

Daß der große Länderkomplex schon bald nach dem Tod des ersten Fs.en zu zerbrechen begann, um schließlich ganz zu zerfallen, hat mehrere Ursachen: 1. Das Fehlen eines rechtsgültigen Testamentes des Fs.en Johann Anton von E., der den Besitz in ein Fideikommiß zugunsten des ältesten Sohnes zusammenfassen wollte. 2. Die daraus folgende Besitzteilung zwischen den Brüdern Johann Christian und Johann Seyfried 1672, wobei der ältere → Krumau und die mit den Erbwürden in Österreich verbundenen Besitzungen erhielt, der jüngere die Güter in Steiermark und Krain übernahm. 3. Das Testament Johann Christians, durch das → Krumau bei Erlöschen des Mannesstammes der E. seiner noch lebenden Wwe. gehören und dann an die verwandten Fs.en von → Schwarzenberg fallen sollte. 4. Die zu großen Ausgaben (Bautätigkeit) und Schulden (um nicht zu sagen der Bankrott) des Fs.en Johann Seyfried, die den Abverkauf einiger Herrschaften notwendig machten. 5. Das Aussterben der Familie im Mannesstamm durch den Tod dreier Fs.en in Generationenfolge innerhalb weniger Jahre. Was nach 1711 noch der letzten Fs.inwwe. und ihren zwei Töchtern an Besitz verblieb, war nur mehr ein Rest der einstigen Größe und wurde zusätzlich durch einen langwierigen Prozeß mit den Fs.en → Schwarzenberg um → Krumau belastet. Schließlich hat die Erbteilung der zwei letzten Prinzessinnen den verbliebenen Grundbesitz noch einmal halbiert.

Für die Reputation der fsl. Familie unerläßlich wurden Mäzenatentum und Hofhaltung erachtet. Bes. der Repräsentationsbau des Schlosses → E. bei Graz und sein Ausstattungsprogramm erforderten eine Vielzahl von Künstlern und Handwerkern. Kamen die Künstler vorwiegend aus dem ital. Ausland, waren die Handwerker fast ausschließlich Bürger der Stadt Graz. Beide Gruppen verdienten infolge jahrzehntelanger Beschäftigung im Dienste der Fs.en für sich und ihre Familien den Lebensunterhalt. Etliche der Meister arbeiteten auch für den landesfsl. Hof und führten den Titel eines Hofarchitekten, Hoftischlers oder Hofschlossers. Berühmt wurden sie nicht, im Gegensatz zu den Künstlern. Unter diesen ragt Givanni Pietro de Pomis aus Lodi bei Mailand (1569-1633) als Baumeister des Schlosses → E. heraus. Später (1666-1669) stuckierte Alessandro Sereni die Prunkräume im Schloß, arbeitete aber auch auf anderen eggenbergischen Herrschaften. Als Maler in der Seccotechnik machte sich Johann Melchior Otto aus Freiburg einen Namen (gest. 1670). Neben ihm arbeiteten Andreas Rämblmayr, die Grazer Malerfamilie Kaspar, der Regensburger Georg Abraham Peuchl und der Niederländer Jan Thomas. Ihr Oeuvre wird von dem aus Laufen im damaligen Ebm. Salzburg stammenden Hans Adam Weissenkirchers (1646-1695) in den Schatten gestellt. Dieser, Otto und Peichl trugen den Titel »fürstl. Eggenbergischer Hofmaler«. Seine Werke sind hauptsächlich als Bilderzyklus im Planetensaal des Schlosses → E., als Hochaltarbilder der Patronatskirchen auf in den ehem. eggenbergischen Herrschaften oder als Graphik in öffentlichen und priv. Sammlungen der Steiermark und Wiens (Albertina) zu finden. Weissenkirchers Tochter heiratete den Tessiner Maler und Stukkateur Antonio Maderni, der den Minoritensaal in Graz freskierte. Zusätzlich sind als E.ische Hofkünstler zu nennen: Joachim Carlon als Maurermeister, Andreas Marx und dessen Schwiegersohn Johann Georg Stamml als Bildhauer und Johann Veit Haugkh als Maler. Zu diesen gesellten sich die Tischler Mathias und Heinrich Jäktsche und der Schmied Andreas Straub. Sie bildeten eine verzahnte soziale Einheit (Barbara Ruck-Kaiser), die sich durch gegenseitiger Trauzeugen- und Patenschaft niederschlug. Nicht unerwähnt die Porträtisten der Familie, darunter der Krumauer Hofmaler Heinrich de Veerle (ca. 1675/80) und die Kupferstecher Christoph Weigel und Johann Ulrich Kraus. Auch der Vater des berühmten Barockbaumeisters Johann Bernhard Fischer von Erlach stand in E.s Diensten. Die ab ca. 1695 eingetretene finanzielle Notlage Fs. Johann Seyfrieds hat der großzügigen Förderung teurer Künstlerarbeit in der Steiermark und in → E. ein Ende bereitet.

Die Bezahlung der Künstler und Handwerker, darunter auch der »Roboter« (Robot verrichtende Untertanen) erfolgte in Bargeld, über »Abbruch« (Nachlaß) durch die Künstler, oder in Naturalien, d.h. in Getreide (zumeist Weizen, Korn, Hafer, aber auch Gerste und Hirse) und/oder Wein. Dieser war in den der fsl. Familie vorbehaltenen bes. guten Luttenberger und den eher sauren Algersdorfer, Thaler oder sog. Pichlwein geteilt, den alle anderen Beteilten bis zu den Tischlergesellen und Meierhofleuten erhielten.

Zum Hofstaat gehörte ein Hofkaplan, der die Messe in der spätgotischen Kapelle in → E. bzw. in → Waldstein lesen mußte, ein(e) Haushofmeister(in), und eine lange Reihe nachgesetzter Dienstnehmer bis zum Ofenheizer. Für sie alle war der Tisch des eggenbergischen Verwalters gedeckt und Trunk Wein vorhanden. Wein und Getreidedeputate erhielten verschiedene Ordensniederlassungen in Graz (Dominikanerinnen, Franziskaner, Minoriten etc.) ebenso wie die höheren fsl. Angestellten (Stallmeister, Waldforstner) und sogar das niederste Schloßpersonal (z. B. die Gartenjungen). 1686 lebten im Schloß E. außer dem Verwalter noch 15 Bedienstete, deren letzte die Schweinedirn war.

Über Feste und Vergnügungen oder das Hofzeremoniell ist bezüglich die Familie E. wenig bekannt. Beeindruckend war die Obödienzgesandtschaft Fs. Johann Antons zu Papst Urban VIII. 1637, die mit bis dahin in Rom noch nie gesehener Prachtentfaltung vor sich ging. Der dazu angefertigte »Goldene Wagen« des Fs.en ist noch in den Sammlungen von Schoß → Krumau zu sehen. Die Schlösser in → E., → Waldstein und → Krumau und in ihnen die Theater waren auch Stätten der Familienfeste, zu denen Verwandte und Gäste geladen wurden. Anläßlich der Hochzeit Ks. Leopolds I. mit Ehzg.in Claudia Felizitas von Tirol 1673 in Graz war Schloß → E. Quartier für die Braut und ihre Mutter Ehzg.in Anna. Im Schloß fand die Begrüßung der Braut durch die Vertreter der Steirischen Landstände und den Landeshauptmann statt, später kamen der päpstliche Nuntius und der Botschafter Venedigs, schließlich auch der Ks. selbst mit seinem Hofstaat in 50 sechsspännigen Wagen nach → E., um seiner zukünftigen Frau und Schwiegermutter die Aufwartung zu machen. Musikanten verschönerten 1684 die erste Hl. Messe in der neu erbauten Kapelle in Algersdorf nahe → E. Im Fasching 1692 ging der junge Prinz von E. in der Mascra, wozu man Pauern Rökh entlehnte.

Zur fsl. Selbstdarstellung muß neben dem Recht der Münzhoheit auch das Recht der Verleihung des einfachen Adels an nicht nobilitierte Personen gerechnet werden. Es war den Fs.en von E. seit der Erteilung des Hofpfgf.endiploms durch Ks. Ferdinand II. für Hans Ulrich Fs. von E. 1625 erlaubt, Personen ein bürgerliches Wappen zu verleihen oder in den ritterlichen Adelsstand zu erheben. Dieses Recht wurde von allen Fs.en bis einschließlich Johann Anton II. genützt, selbst von der Fs.inwwe. Anna Maria geb. Mgf.in zu Brandenburg-Ansbach. Solche Original-Diplome sind in der damals üblichen Buchform in roten Samt gebunden mit einem an einer silbernen oder goldenen Schnur in Holzkapsel hängenden großen Siegel des Ausstellers bzw. der Ausstellerin. Meistens wurde mit dem Adelsstand auch ein Prädikat verliehen und das Recht erteilt, mit rotem Wachs zu siegeln. Die Nobilitierungen der Fs.en sind nur hinsichtlich der von Johann Christian I. ausgestellten Briefe vollständig bekannt, da abschriftlich in → Krumau vorhanden. Der Personenkreis der Begnadeten ist leicht zu umschreiben: Es dominieren Italiener aus der Gft. Gradisca, die den E. gehörte, dann Innerösterreicher, Tschechen und Deutschböhmen. Fast alle Geadelten standen irgendwie in eggenbergischen Diensten und wird in den Diplomen oft auf ihre Verdienste um die Familie E. hingewiesen.