DUINO
I.
Die Herren von D. waren ein in Istrien ansässiges Adelsgeschlecht. Sie konnten sich im Laufe des 13. Jh.s aufgrund ihrer Beziehungen zu den Gf.en von → Görz zeitw. als deren Ministerialen (Štih 1996: 55 f.) eine bes. Stellung in dieser Region sichern. Hinzu kam die Lage ihres Stammsitzes → D. in der Triester Bucht, die eine Kontrolle der Verkehrswege nach Istrien ermöglichte. Zugl. stand die Familie D. in einem bes. Antagonismus zum Patriarchat von Aquileja, obwohl sie in der Mitte des 14. Jh.s eine Wendung hin zu Aquileja und später zu den Habsburgerhzg.en von Österreich vollzog. Im Zuge dieser Umorientierung verlagerte sich der Einflußbereich von Istrien nach Krain, wo die Herren von D. ebenfalls als Landeshauptmänner fungierten. Der Name leitet sich möglicherw. aus einem Eigenenamen/Vornamen einer bes. Persönlichkeit der Familie ab, von der heute die Überlieferung fehlt (Pichler 1882, 86-94).
II.
Die Herren von D. waren niemals reichsunmittelbar, sondern erhielten ihr Lehen stets von verschiedenen Herren, zuletzt den Hzg.en von Österreich und konnten sich, trotz des teilw. weitgestreuten Besitzes, nicht aus ihren ministerialen Wurzeln lösen.
III.
Das Wappen der Herrn von D. nach einer Beschreibung aus dem Jahre 1399: Ain Schilt von Keel [Rot] mit einer zerbrochenen Vasschen [Balken] von Silber (Siebmacher 1986, 220).
IV.
Spitzenahn der Familie von D. ist Diethalm, der 1139 erwähnt wird. Sein Sohn Stephan I. hatte fünf Söhne, von denen Hugo I. (1188-1234) die Familie führte. Hugo II. (1252–1308), Sohn Rudolfs I. von → D. (1252–1263), Enkel Hugos I., kam 1252 nach einer verlorenen Fehde mit anderen Görzer Ministerialen als Geisel in salzburgische Gefangenschaft. Den größten Machtzuwachs erreichte Hugo III. von → D. (1297–1328), der Sohn Hugos II., als er, aufgrund des plötzlichen Todes von Gf. Heinrich II. von → Görz am 23. April 1319 in Treviso zum Hauptmann der Gft. → Görz ernannt wurde. Er nannte sich aufgrund dieses Amtes von nun an comitatus Goritiensis et terre Tarvisii capitaneus generalis oder auch capitaneus super totum comitatum Goricie. Das Amt wurde blieb in der Folge erblich in der Familie D. Georg von D. (1334–1343), der erstgeborene Sohn Hugos III., wurde 1336 ebenfalls zum Hauptmann von → Görz ernannt. In der Mitte des 14. Jh.s erfolgte aufgrund regionaler Machtverschiebung zunächst eine Annäherung an die Patriarchen von Aquileja und später an die Hzg.e von Österreich, die von den Herren von D. als Landesherren anerkannt wurden.
In der zweiten Hälfte des 14. Jh.s unterstützten die Herren von D. die Habsburger sowohl milit. als auch finanziell. Im Gegenzug konnten sie als Pfandschaft Herrschaften in Kärten erhalten, darunter Bleiburg, Eisenkappel, Gurnitz, Gutenstein, Rechberg und Wildenstein. Im Jahre 1385 setzte Hzg. Leopold von Österreich Hugo VIII. von D. (1354–1390) als Landeshauptmann in Krain ein. Dieses Amt behielt Hugo bis zum Jahre 1389. Mit seinem Sohn, Hugo IX. (gest. 1399) starb das Geschlecht der D. in der männlichen Linie aus. Haupterben der Herren von D. wurden die Herren von Walsee.
Literatur
Benussi, Bernardo: Nel Medio Evo, pagine di storia istriana, Parenzo 1897, S. 498 ff. – Czoernig, Carl Freiherr von: Das Land Görz und Gradisca. Mit Einschluss von Aquileja, Wien 1873, S. 640 ff. – Dorsi, Pierpaolo: L'archivio del castello di Duino: una fonte per la storia del territorio, in: Quaderni giuliani di storia 23 (2002) S. 285-292. – Gigante, Silvio: Regesti e documenti relativi alle famiglie di Duino e di Walsee, in: Fiume. Rivista della Società di Studi Fiumani 15/16 (1937/38) S. 3-130. – Jaksch, August von/Wutte, Martin/Hauptmann, Ljudmil: Erläuterungen zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, Abt. I: Die Landgerichtskarte, Tl. 4: Kärnten, Krain, Görz und Istrien, Wien 1929, S. 380, 438, 441. – Kos Franc: Iz zgodovine devinskich gospodov, in: Razprave znanstvenega društva za Humanisticne vede v Ljubljani 1 (1923), hier S. 91 ff. – Kos, Milko: Jedan urbar iz vremena oko 1400. o imanjima Devinskih i Walseeovaca na Kvarneru, in: Vjesnik Državnog arhiva u Rijeci 3(1955/1956) S. 3 ff. – Pirchegger, Hans: Überblick über die territoriale Entwicklung Istriens, in: Jaksch, August von/Wutte, Martin/Hauptmann, Ljudmil: Erläuterungen zum historischen Atlas der österreichischen Alpenländer, Abt. I: Die Landgerichtskarte, Tl. 4: Kärnten, Krain, Görz und Istrien, Wien 1929, S. 490-543, hier S. 494, 510. – Pichler, Rodolfo: Una questione genealogica sui signori di Duino e sui Walsee. Studio-storico-genealogico, Pisa 1878. – Pichler, Rodolfo: Il castello di Duino, Trento 1882, S. 129-239. – Srednjeveški urbarji za Slovenijo (Urbaria aetatis mediae Sloveniam spectantia), Abt. III: Urbarji slovenskega primorja (Urbaria litoralis Slovenici), Bd. 2, hg. von Milko Kos, Ljubljana 1954, S. 46 ff. – Štih, Peter: Studien zur Geschichte der Grafen von Görz, München u. a. 1996, S. 51-67. – Vilfan, Sergij: Pravna zgodovina slovencev. Od naselitve do zloma stare Jugoslavije, Ljubljana 1961, S. 198.