DEGENBERG
I.
S., seit frühestens 1469 (Zerstörung ihres bisherigen Sitzes, der Burg Degenberg oberhalb S.) Res. der Herren von → Degenberg; dreiseitige Schloßanlage in dem gleichnamigen, 1951 zum Markt erhobenen Ort im Vorderen Bayerischen Wald; mit dem Aussterben der → Degenberger 1602 Übernahme durch den bayerischen Landesherrn, Hzg. Maximilian I., und Umbau zu einem hzgl. Pflegamtssitz.
II.
Eingebettet in eine sanfte Mulde zwischen den Hügeln des Vorderen Bayerischen Waldes, in der sich Rohrmühl- und Harpfenbach zum kleinen Wasserlauf der S. vereinigen, liegt der gleichnamige Ort nur wenige Kilometer nördlich der Donau an einer alten Fernverbindung zwischen Donau und Böhmen. Im nahen, nur rund 15 Kilometer entfernten Pfelling, eine Hofmark, deren Vogteirechte in den Händen der → Degenberger lagen, befand sich als Überfahrmöglichkeit über den Fluß ein eigens eingerichteter Schiffslandungsplatz. Die ersten Spuren einer dauerhaften Besiedlung finden sich in dem rund 1,5 Kilometer von S. entfernt liegenden Weiler Penzkofen, dessen Hof wohl auf eine Gründung des 8. Jh.s zurückgeht. Die erste urkundliche Erwähnung des im Einflußbereich der beiden Benediktinerabteien Metten und Niederalteich – S. liegt direkt auf der Grenze der beiden Rodungsgebiete – gegr. Ortes dat. in einem am 30. März 1148 durch Papst Eugen III. ausgestellten Schutzbrief für das Kl. Niederalteich. Bereits 1286 Sitz eines Dekanats mit 17 Pfarreien, unterstand die Pfarrei S. dem Ebm. Salzburg.
III.
Das neue Schloß, das sich die → Degenberger ab 1469 in der Ortsmitte von S., leicht unterhalb der bereits bestehenden Pfarrkirche St. Martin, in langer Bauzeit errichten ließen, hat sich stark verwischt in der Umbauung des heutigen Marktplatzes erhalten; zusammen mit dem stattlichen, die gesamte Westseite des Platzes einnehmenden Bau der Weißbierbrauerei bildet es eine weitläufige Vierseitanlage. Eine wohl ziemlich verläßliche, 1726 angefertigte Darstellung bei Wening zeigt einen mächtigen, geschlossenen Komplex mit drei Flügeln, dessen äußere Ecken durch kleine, durch Rustika akzentuierte und von einer Zwiebelhaube bekrönte Türme betont werden. Der dreigeschossige, durchgängig von einem Satteldach bedeckte Bau – Wening bezeichnete ihn in seinem Begleittext als ein sehr grosses vnd schönes Schloß – verzichtet an den äußeren Fassaden auf jegliches Dekor; die den Hl. Johann Baptist und Katharina geweihte und von einem eigenen Türmchen bekrönte Schloßkapelle am östlichen Ende des Südflügels zeichnet sich durch drei hohe, rundbogige Schmalfenster ab; sie wurde im frühen 19. Jh. abgebrochen. Die Gerichts- und Verwaltungsräume befanden sich im kürzeren, aber deutlich tieferen Ostflügel. Die Westseite des Platzes schließt das imposante Brauhaus ab, das in seiner jetzigen Form 1685-89 nach Plänen des Hofbaumeisters Giovanni Antonio Viscardi anstelle des → Degenberger Vorgängerbaus errichtet wurde. Im Hintergrund der Weningschen Darstellung ist ein akkurat angelegter Schloßgarten mit kleiner Pagode zu erkennen.
Im Südflügel, dem ehem. Herrschaftsgebäude, haben sich als Zeichen baulicher Repräsentation Reste einer offenen, ursprgl. die gesamte Platzseite umlaufenden Renaissance-Laube sowie eine – mittlerweile vermauerte – Obergeschoss-Arkade erhalten; beiden Architekturelementen wurde mithilfe ionisierender Säulen ein herrschaftlicher Anstrich verliehen. Von den Innenräumen – der bereits zitierte Wening sah noch 1726, also über 120 Jahre nach dem Aussterben der → Degenberger, recht Fsl. Zimmer jngleichen der Saal seiner Grösse wg. wol sehens würdig – hat sich mit Ausnahme eines kleinen, fensterlosen Gewölberaums im Erdgeschoß des Ostflügels nichts erhalten. Dieser von der Gmd. heute als Standesamt genutzte Raum birgt für die Region höchst bemerkenswerte Deckengemälde. Eingerahmt von schmalen, in Eier- und Perlstabmustern ausgeführten Stuckbändern und naturalistischer Pflanzenornamentik, finden sich unterhalb des Gewölbescheitels vier weibliche Personifikationen (Fortitudo, Patientia, Temperantia und Prudentia) an die Wand gemalt. Eine Signatur in einer der Kartuschen weist auf den Künstler, Michael Ersinger aus Straubing, sowie auf das Entstehungsjahr 1596 hin. Von der übrigen Ausstattung des ehem. Schlosses hat sich nichts erhalten. Aufgrund der starken Überformungen, denen der kleine Herrschaftskomplex der → Degenberger seit deren Aussterben 1602 bis in die jüngste Zeit ausgesetzt war, sind hinsichtlich funktionaler Aspekte der ursprgl. Architektur keine Aussagen mehr möglich.
Literatur
Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern, Tl. 2: Niederbayern, bearb. von Michael Brix und Friedrich Kobler, 2., durchges. und erg. Aufl., München u. a. 2008. – Fendl, Josef: Schwarzach am Wald. Ein Heimatbuch, Schwarzach 1996. – Denkmäler in Bayern, Bd. 2: Niederbayern. Ensembles, Baudenkmäler, Archäologische Bodendenkmäler, bearb. von Sixtus Lampl und Wilhelm Neu, München 1986. – Röttger, Bernhard Hermann: Bezirksamt Bogen, München 1929 (Die Kunstdenkmäler von Niederbayern, 20). – Wening, Michael: Historico-Topographica Descriptio. Beschreibung des Churfürsten- vnd Hertzogthumbs Ober- vnd Nidern Bayrn, Bd. 4: Das Rennt-Ambt Straubing, München 1726, ND München 1977.