Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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DASSEL

C. Dassel

I.

Dassila (um 832), Daschala/Daschalon/Daschalen (1022), Dassele (1126), Dassela (1157), Dasle (1181), Dasla (1190), Dassle (1148), Dassel (um 1471), Daßsel (1527), Daßel (um 1588), Dassell (1603). Der Ortsname entwickelte sich wohl aus dem Bachnamen, der heute Spülingsbach heißt, es ist demnach ein Flußnamenwort. Eine Burg befand sich am Hang des südlich der späteren Stadt gelegenen Burgberg, von der noch geringe Reste geblieben sind. Diese Burg wurde wahrscheinlich noch im 12. Jh. verlassen. Ein Hof (curia) der Gf.en ist 1309 in D. belegt. Zudem erbauten sie Ende des 13./Anfang des 14. Jh.s in den Amtsbergen die Burg Hunnesrück, die nach dem Verkauf der Gft. der erste Amtsitz des hildesheimischen Amtes Hunnesrück (später Erichsburg) wurde.

II.

D. liegt im Ilmetal am Zufluß des kleinen Spülingsbaches in die Ilme im nordöstlichen Solling, westlich von Einbeck. Während in der direkten Umgebung und nach O hin eine Bördenlandschaft dominiert, ist der Ort von den anderen Seiten von den Ausläufern des Sollings umgeben. Der Burgberg südlich der Stadt erreicht eine Höhe von 306 m NN, die Amtsberge nördlich bis zu 392 m NN, der südlichster Ausläufer dieses Zuges, der Rothenberg, 251 m NN. Die ma. Heerstrasse, die von Westfalen über Holzminden und Einbeck nach Nordhausen nördlich des Sollings führte, berührte auch D. Siedlungsspuren lassen sich archäologisch bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgen; in den Quellen wird D. erstmalig in den älteren Corveyer Traditionen gen., als der Edle Wyhardus zu seinem Seelengedenken dem Kl. Corvey alles, was er im Suilbergau in der villa D. besaß, übertrug. Die nächste Nennung erfolgt im Zusammenhang mit der Gründung des Kl.s St. Michael in Hildesheim durch Bf. Bernward. Hier gehört D. – oder zumindest die St.-Laurentius-Kirche – zu der Gründungsausstattung des Kl.s. 1126 wird Reinold I. erstmals nach D. gen., was zeigt, daß die Gf.en von D. zu dieser Zeit in D. niedergelassen waren. Als Res. fungierte es wohl aber nur im 12. Jh. und ggf. zuvor, denn spätestens um 1180 verlagerten die Gf.en ihren Schwerpunkt auf den südlichen Solling mit → Nienover, → A. D., Gf.en von und C. → Nienover.

Trotz des Schwerpunktwechsels entwickelte sich D. im 13. Jh. zu einer »Minderstadt«, 1310 wird es Weichbild gen. Die Stadtrechte folgten allerdings erst in hildesheimischer Zeit viell. 1315, spätestens um 1321. Der Verkauf von 1310 zeigt einen Teil der Gft. D., zu der neben D. und Hunnesrück, das in der Urk. sogar vor D. gen. wird, noch die Orte Relliehausen, Hilwartshausen, Deitersen, Wellersen und Markoldendorf, die heute alle zur Stadt D. gehören, sowie Selessen (Wüst beim Forsthaus Seelzerthurm, ebenfalls im Gebiet der Stadt D.). Als Lehen er- oder behielt Simon Markoldendorf und den dortigen Steinberg, Robbedissen (zw. D. und Erichsburg) sowie die Kirchenlehen in D. und Mackensen (Stadt D.). Ferner zeigt diese Urk. die Jagd- und Fischereirechte des Gf.en in der Gft., denn diese behielt er sich vor (Kruppa, D., Nr. 594).

Die Ausgrabungen in → Nienover legen vielfältige Metallverarbeitung nahe, siehe → B. D., Gf.en von und C. → Nienover. Auch im Bereich der Gft. D. scheint es entspr. Produktionsstätten gegeben haben. Das legen nicht nur die 1308 verpfändeten casis fabricalibus nahe (Kruppa, D., Nr. 592), sondern auch der Bericht Johannes Letzners in der D.ischen und Einbeckschen Chronica über die Wiederaufnahme der Hüttentätigkeit in Markoldendorf und den dortigen Steinberg, die beide vom Verkauf 1310 ausgenommen waren (!), sowie die in der frühen Neuzeit tatsächlich hier nachgewiesenen entspr. Tätigkeiten.

D. lag im Suilbergau, kirchenrechtlich gehörte es zur Erzdiöz. Mainz und dem Archidiakonat Nörten. Nach dem Verkauf von 1310 war D. mit der dazugehörigen Gft. als Amt Hunnesrück bzw. später Amt Erichsburg zunächst ein Bestandteil des Hochstiftes Hildesheim, bis es in der Hildesheimer Stiftsfehde 1519-1523 an die Welfen verloren ging. Zw. 1523 und 1584 gehörte es zum Hzm. Calenberg-Göttingen, von 1584 bis 1634 zum Hzm. Braunschweig-Wolfenbüttel und schließlich zw. 1634 und 1643 zum Fsm. Calenberg. Im Restitutionsedikt von 1643 gelangte das Amt zurück zum Hochstift Hildesheim, wo es bis zum Ende des Alten Reichs verblieb.

Quellen

Siehe A. Dassel.

Siehe A. Dassel. – Casemir, Kirstin/Menzel, Franziska/Ohainski, Uwe: Die Ortsnamen des Landkreises Northeim, Bielefeld 2005 (Niedersächsisches Ortsnamenbuch, 5; Veröffentlichungen des Instituts für historische Landesforschung der Universität Göttingen, 47), S. 86 ff. – Creydt, Detlef: Die ehemalige Eisenerzgrube bei Markoldendorf, Tl. 2: Wirtschaftsgeschichte, in: Einbecker Jahrbuch 38 (1987) S. 178-182 [siehe auch Jordan, Heinz]. – Flechsig, Werner: Beiträge zur Ortsnamenforschung in den ehemaligen Fürstentümern Göttingen-Grubenhagen, in: Northeimer Heimatblätter (1953) S. 3-62, hier S. 31. – Hauptmeyer, Carl-Hans: Niedersächsische Wirtschafts- und Sozialgeschichte im hohen und späten Mittelalter (1000-1500), in:, Geschichte Niedersachsens, Bd. 2,1: Politik, Verfassung, Wirtschaft vom 9. bis zum ausgehenden 15. Jh., hg. von Ernst Schubert, Hannover 1997 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, 36), S. 1039-1279, hier S. 1153 f. – Heine, Hans Wilhelm: Airborne Laserscanning im Weserbergland. Erste Ergebnisse, in: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 4 (2009) S. 135-137. – Heine, Hans-W.: Archäologische Burgenforschung im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Geophysikalische Prospektion - Airborne Laserscanning - Digitale Vermessung, in: Burgen und Schlösser 51/3 (2010) S. 135-143. – Jordan, Heinz: Die ehemalige Eisenerzgrube bei Markoldendorf, Tl. 1: Geologie, in: Einbecker Jahrbuch 38 (1987) S. 175-177 [siehe auch Creydt, Detlef]. – Mirus, Hans: Chronik der Stadt Dassel. Von der Grafschaft bis zur Gebietsreform 1974, Hildesheim 1981. – Plümer, Erich: Geschichte der Stadt Dassel. Ein Überblick, Dassel 1965. – Stephan, Hans-Georg: Der Solling im Mittelalter. Archäologie – Landschaft – Geschichte im Weser- und Leinebergland. Siedlungs- und Kulturlandschaftsentwicklung, die Grafen von Dassel und Nienover, Dormagen 20101 (Hallesche Beiträge zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, 1).