CRIECHINGEN
I.
Humburg (1137); Humburc, Honburc, Hoburg (1147); Ombour (1360). Burg und Schloß dienten von 1490-1633 den Herren von → Criechingen als Res.
II.
H. liegt 15 km südöstlich von Diedenhofen (Thionville, dép. Moselle) am Zusammenfluß von Kanner und Geißbach. Dort verläßt die von Diedenhofen kommende Fernstraße das Kannertal, die über Wallerfangen (Saarlouis) und das Nahetal ins Rheintal führt. Die Burg liegt auf einem Hügel mit Blick auf das flache Umland. Ihre Erbauung fällt ins 13. oder 14. Jh., als H. im Besitz der Herren von Warsberg-Rollingen war, die damit von den Hzg.en von Lothringen belehnt worden waren. Zu Beginn des 15. Jhs kam H. an die Herren von → Criechingen und diente zunächst der Heiratsausstattung der Töchter. Erst nachdem Johann V. von → Criechingen 1490 H. anläßlich seiner Heirat von seinem Vater als Wohnsitz zugewiesen bekam, wurde es Res. und blieb es bis zum Tod von Gf. Peter Ernst von → Criechingen 1633, dessen Wwe. die Herrschaft verkaufte.
III.
Wilhelm von → Criechingen, ein nachgeborener Sohn Johanns V., der nach dem Tod seines Vaters zusammen mit seiner Mutter Irmgard von Rollingen in H. residierte, erneuerte und verstärkte die Festungsanlagen zwischen 1536 und 1551. Die ma. Burganlage in Form eines länglichen Rechtecks ist heute noch gut erkennbar. Sie verfügte über vier runde Türme, zwei flankierten den Torturm, zwei das Wohngebäude. 1552 wurde die Burg von Truppen unter Führung Mgf. Albrechts von Brandenburg niedergebrannt. Wirich von → Criechingen, der Bruder von Wilhelm und Begründer der jüngeren Linie, begann 1558 mit dem Wiederaufbau. Er baute zunächst die Burgkapelle wieder auf – von der heute nichts mehr zu sehen ist – und errichtete Stallungen und einen Kornspeicher. Nachdem die Teilung mit der älteren Linie vollzogen war, baute er zwischen 1560 und 1574 ein neues Schloß. Dabei wurde der zu beiden Seiten von Wirtschaftsgebäuden eingefaßte Torturm im N zwischen den beiden ma. Rundtürmen neu gestaltet und aufgestockt. Ausgehend von den beiden anderen Rundtürmen im S wurde eine u-förmige Schlossanlage errichtet. Erst 1719 wurde zwischen diesen beiden Rundtürmen ein vierter Gebäudeflügel errichtet, so daß ein kleiner Innenhof entstand.
Das heutige Schloß ist ein Geviertbau mit einem recht kleinen Innenhof. Den Schloßhof im N begrenzen die Mauern der früheren Burg. Man betritt ihn durch den rechteckigen Torbau von 1574, der eingerahmt wird von den beiden ma. Rundtürmen. Der östliche Turm weist im Erdgeschoß noch ovale Geschützscharten auf. Über dem Tor erhebt sich der Rechteckturm des Wachtgebäudes mit Spitzdach. Er erhielt Licht durch das vierteilige Renaissancefenster eines flachen Erkers über dem Toreingang, der als Pechnase diente. Betrat man den Schloßhof, so befanden sich rechts die Stallungen. Die Hauptfront des Schlosses mit durchgängigen Rechteckfenstern, drei gleichartig gestalteten Eingängen und einem Mittelrisalit unter einem mit Wappen, Trophäen und Löwen überladenen riesigen Dreiecksgiebel stammt aus dem 18. Jh. Die anderen Fassaden haben trotz einiger Veränderungen ihren Renaissancecharakter bewahrt. Im Erdgeschoß finden sich Rechteckfenster, in den beiden Obergeschossen Arkadenfenster mit Kämpfer und Tympanon. Ein Rechteckturm markiert die Mitte der Westfassade. An der Südfassade finden sich vorkragende runde Ecktürmchen. Im Innenhof (mit Zisterne) verläuft eine offene Galerie aus geschnitztem Holz.
Die Abfolge der Räume nach dem Stand von 1928 (vor den Verwüstungen der Innenausstattung im Zweiten Weltkrieg, die das Schloß unbewohnbar machten) war die folgende: Erdgeschoß: Vorhalle, große Bibliothek, großes Speisezimmer, Spielsalon, großer Salon, kleine Bibliothek, kleines Speisezimmer, kleines Schlafzimmer, Badezimmer (modern); auf der Innenhofseite: Wohnung des Wächters, vier Schlafzimmer, kleine Küche, große Küche; 1. Stock: zwölf Schlafzimmer; 2. Stock: zehn Zimmer für das Personal.
Literatur
Hunolstein, [Vicomte de]: Hombourg et ses seigneurs, Paris 1889. – Lorraine, hg. von Jacques Choux, Paris 1978 (Dictionnaire des châteaux de France). – Printz, Adrien: Un haut-lieu de chez-nous, Hombourg sur Canner, Metz 1956 (Région de Thionville. Etudes historiques, 17).