Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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CIMBURK

C. Cimburk-Residenzen

I.

Zu den ältesten Herrensitzen der Herren von → C. gehörten die zwei Burgen, die denselben Namen trugen wie die Familie. Die Burg (Alt-) C. (1 km südöstlich des Städtchens Trnávka, Lkr. Svitavy/Zwittau) war Anfang des 14. Jh.s errichtet worden. Von der ursprgl., später umgebauten Burg ist die massive eingesäumte Umfassungsmauer erhalten, an der Spitze der Burg stand der Bergfried. Nach dem Besitztausch mit den Herren von Lipá errichteten sich die Herren von → C. (im Zeitraum von 1330-1358) die neue Burg C. (3 km östlich von Koryčany, Lkr. Kroměříž/Kremsier). Der Burgkern enthielt einen Palast und einen mächtigen runden Bergfried, ein weiterer runder Turm war vor die Spitze der Burg gesetzt und mit der Zwingmauer verbunden worden. Die architektonisch wertvolle Burg wurde jedoch von den Herren von → C. bereits 1358 gemeinsam mit dem gesamten Besitz an den mähr. Mgf.en Johann Heinrich verkauft. Bestandteil dieser Herrschaft war auch die Burg Střílky (1 km südlich von Střílky, Lkr. Kroměříž/Kremsier), Mitte des 13. Jh.s errichtet.

II.

Die einzelnen Zweige des Geschlechts der Herren von → C. besaßen im Verlauf der zweiten Hälfte des 14. und im 15. Jh. eine ganze Reihe an Herrensitzen in Form von Burgen und Festungen. Zu den bedeutenden Res.siedlungen der einzelnen Mitglieder bzw. Familienlinien gehörte die Burg Křídlo (5 km südlich von Bystřice pod Hostýnem, Lkr. Kroměříž/Kremsier), die die C.s (Předbor und Ctibor [VI.]) 1374-1437 besaßen und erheblich umbauten und erweiterten. An den Burgkern aus anscheinend einem Paar turmartiger Paläste klammerte sich eine umfangr., von mehreren Türmen geschützte Vorburg. Zu den weiteren Sitzen gehörte (1386-30er Jahre des 15. Jh.s) die Burg Stražiště (Stra- žisko, Lkr. Prostějov/Proßnitz), deren genaueres Aussehen wir aber nicht mehr kennen. Ende des 14. Jh.s erhielten die Herren von → C. durch Pfändung die Burg Drahotuše (bei Hranice/Mährisch Weißkirchen, Lkr. Přerov/Prerau) mit Besitz. Diese Burg war Anfang des 14. Jh.s gegr. worden, den Kern bildete ein Palast und ein zylinderförmiger Bergfried. Die → C.er besaßen sie (mit Pausen) bis 1476. Albert (II.) von C. und seine Nachkommen besaßen eine Reihe befestigter Herrensitze in Südostmähren. Zu den bedeutendsten gehörte die Burg Sehradice (Engelsberk) (2 km nordwestlich von Horní Lhota, Lkr. Zlín). Diese nach der Mitte des 13. Jh.s errichtete Burg war das Zentrum eines zum Olmützer Bm. gehörenden Lehensguts und die C.er besaßen sie 1396-1440. Danach erhielten sie durch Grundpfand ausgedehnte Landesherrengüter mit der Burg Brumov und der kleineren Burg Pulčín (2 km nördlich von Pulčín, Lkr. Vsetín). Burg Brumov (Lkr. Zlín) war Anfang des 13. Jh.s gegr. worden und im 15. Jh. handelte es sich bereits um eine relativ umfangr. Burg aus einem Kern mit Palastkomplex mit einem prismenförmigen Bergfried an der Spitze und einer befestigten Vorburg. Diesen Besitz erhielt 1463/64 Johann (IV.) von C. aus einem anderen Familienzweig, der in Ost- und Südostmähren ausgedehnte Güter besaß. Außer Brumov besaß er noch weitere Ausstellungs-Burgen: Starý Jičín/Alt-Titschein (Lkr. Nový Jičín/Neu-Titschein), bereits Mitte des 13. Jh.s gegr. und später beträchtlich erweitert (rechteckige, zwei umfangr. Paläste beinhaltende Disposition), und Rožnov (bei Rožnov pod Radhoštěm, Lkr. Vsetín), gegr. um die Mitte des 14. Jh.s (Kern in Gestalt einer Zweipalastdisposition).

Zum bedeutendsten Sitz der Herren von → C.er wurde in Mähren die Burg Tovačov/Tobitschau (Lkr. Přerov/Prerau). Die ursprgl. kleine Landesherren-Burg aus der zweiten Hälfte des 13. Jh.s erhielten die C.er vor der Mitte des 14. Jh.s als Grundpfand. Ab 1358 besaßen sie es als landesherrliches Lehen, erst 1470 wurde das Gut allodisiert und die C.er besaßen es bis zum Aussterben des Hauptzweigs der Familie (1502). Tovačov war die Hauptres. der wichtigsten Familienmitglieder, der Landeshauptmänner Johann (III.) und seines Sohns Ctibor (VII.). Die ursprgl. Disposition und die architektonische Gestaltung der Burg sind nur teilw. erhalten geblieben, da die Burg im 16. Jh. von den Herren von → Pernštejn umgebaut und Ende des 19. Jh.s ein Teil ihrer Gebäude abgerissen wurde. Die Burg wurde von Ctibor (VII.), der sich für die Renaissance und den Humanismus interessierte und über den Hof Kg. Mathias Corvinus in Buda die Kunst des ital. Quattrocento kennen gelernt hatte, erheblich umgebaut. Beim Umbau der Burg in Tovačov/Tobitschau im Geist der Spätgotik wurden Frührenaissance-Details verwendet, die direkt aus den ital. Vorbildern hervorgehen und den späteren Formen der Frührenaissance in den böhm. Ländern überhaupt nicht entsprechen. Die erhaltene architektonische Renaissance-Ausschmückung bindet an den hohen Burgturm mit Durchfahrt an. Das markanteste Element ist das große Ädikula-Frontportal mit lat. Inschrift, die an die Person des Bauherrn – den Landeshauptmann Ctibor von C., das Entstehungsdatum (1492) und den Namen des Turms Formosa (Die Holde) gemahnt. Das Portal wurde durch ein Allianzwappen und offenbar auch Porträtmedaillons Ctibors von C. und seiner Frau Elisabeth von Melice ergänzt. Das Interesse des mähr. utraquistischen Herrn an der neuen, aus dem ital. katholischen Umfeld stammenden Kunst weist auf den breiten Horizont seiner kulturellen Interessen in, der bis zum lat. Humanismus reicht und zugleich über die Grenzen des geläufigen Rahmens der Akzeptanz der Renaissancekunst in den böhm. Ländern hinaus geht.

III.

Zu den weiteren bis heute erhaltenen Bauaktivitäten Ctibors (VII.) von C. gehört der spätgotische Umbau der Burg Buchlov (bei Buchlovice, Lkr. Uherské Hradiště). Diese Burg war vom Landesherrn Anfang des 13. Jh.s gegr. worden und war das Zentrum eines ausgedehnten kgl. Jagdforsts in den Chřiby-Bergen. Ab der Wende zum 15. Jh. war sie dauerhaft im Grundpfand adeliger Besitzer, 1484-1494 besaß Ctibor (VII.) sie. Von diesem Umbau sind in einem Teil des Palas spätgotische Rippengewölbe erhalten, die auf den Schlußsteinen eine reichhaltige heraldische Ausschmückung zeigen (Wappen der → C.er und verwandter Geschlechter, Wappen von zum mähr. Herrenstand gehörenden Geschlechtern). Johann (III.) und sein Sohn Ctibor (VII.) errichteten auch in Přerov/Prerau (Lkr. Přerov/Prerau) und Hranice/Mährisch Weißkirchen (Lkr. Přerov/Prerau) Burgen, offenbar aber nur in Gestalt einfacher Verwaltungszentren und Stützpunkten, die später in beiden Fällen von den Herren von Pernštejn erheblich umgebaut wurden.

In Gestalt Johanns (V.) ließ sich das Geschlecht der Herren von → C. auch in Böhmen mit ansehlichem Besitz nieder. Zu den bedeutendsten Res.en gehörte die Burg in Mladá Boleslav/Jung-Bunzlau (Lkr. Mladá Boleslav/Jung-Bunzlau). Die ursprgl. Kg.sburg aus der Mitte des 13. Jh.s, im 14. Jh. umgebaut, wurde von den C.ern erheblich spätgotisch umgestaltet (und später noch von den Herren von Šelmberk). Eine weitere Res. Johanns (V.) war die Burg in Brandýs nad Labem (Lkr. Prag-Ost). Die ursprgl. Kg.sburg vom Beginn des 14. Jh.s wurde ebenfalls spätgotisch überformt (der Umbau wurde nach 1493 von den Herren von Šelmberk zu Ende geführt). Der repräsentative Charakter des Umbaus ist durch die benutzten architektonischen Elemente und die erhaltenen prächtigen Erker des Palas mit heraldischer Ausschmückung belegt.

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