Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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WÖLTINGERODE-WOHLDENBERG

C. Wohldenberg

I.

(Gmd. Holle, Ortsteil Sillium, Lkr. Hildesheim, Niedersachsen). Historische Namensform: de Waldeberg (1172), Waldeberch (1174), de Woldenberge (1153/78), apud castrum Woldenberge (1274), Woldenberge (1275), Woldenberg (1301). Die Burg W. war von 1152-1275 Stammsitz des Geschlechts und seit dem Aussterben des Geschlechts 1383 Reichslehen.

II.

Seit etwa 1152 war die Burg »neuer Herrschaftsmittelpunkt des Geschlechts« (Petke 1971, S. 293-297, 418). Die Höhenburg lag am Nordwestende des Hainberges auf dem W. (218 m) über dem Nettetal und dem Tal der Innerste, 15 km südöstlich von Hildesheim, im Ambergau verkehrstopographisch außerordentlich günstig. Im 3 km entfernten Holle kreuzten sich die Reichsstraße Goslar-Hildesheim und die Straße Braunschweig-Göttingen, die bei Bockenem auf die Reichsstraße Erfurt-Hildesheim stieß. An der Verbindung von Holle nach Lamspringe gab es einen Anschluß an die Straße Frankfurt-Northeim-Gandersheim-Hildesheim. Hier floß der N-S- ebenso wie der O-W-Verkehr und der Verkehr zum südlichen und südöstlichen Teil des Bm.s Hildesheim durch. Die Burg behinderte die expansive Territorialpolitik der Bf.e von Hildesheim.

Von Ludolf II. wurde die Burg nach 1152 errichtet und 1172 erstmals urkundlich als dessen Sitz erwähnt. Als Burgmannen hatten die Gf.en die freien Herrn von Bornum eingesetzt, zum Burglehen gehörten vier Hufen in Sottrum und Henneckenrode, ein Vorwerk in Rode als Wirtschaftshof und ein Hagen am W. In den Auseinandersetzungen zwischen Heinrich dem Löwen (1129/39-1195) und Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) standen die Gf.en auf Seiten des Ks.s, was zur Zerstörung der Burg durch Heinrich den Löwen führte. Nach dem Wiederaufbau befand sich die Burg in Händen der Gf.en von → Wöltingerode-W. Die gemeinsame Res. nutzten die Gf.en Hermann I. (1194-1243, gest. 1244) und Heinrich I. (1197-1251), nach Hermanns Tod Heinrich I. und die Söhne Hermanns I., Burchard III. (1227-1272) und Heinrich II. (1240-1273), die hier seit 1250 fast ausschließlich urkunden. Als Nachfolger kamen die Söhne Burchards III., Burchard IV. (1267-1284) und Hermann IV. (1267-1289) 1273 in den Besitz der Burg, die sie aber 1275 an den welfischen Bf. Otto von Hildesheim für 1500 Mark veräußerten. Damit verlor das Geschlecht seine namengebende Burg. Von 1292-1300 scheint Gf. Heinrich V. noch einmal Pfandbesitzer der Burg gewesen zu sein (Petke 1971, S. 419). Im 14. Jh. erfolgte die Bildung des Amtes W. durch die Hildesheimer Bf.e. Nach der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) kam die Burg 1523-1643 wieder in welfischen Besitz.

Nach dem Aussterben der Gf.en von → Wöltingerode-W. wurde die Burg W. Reichslehen des Stiftes Hildesheim. Ksl. Truppen zerstörten die Burg 1641.

III.

Zum Burggelände gehörten eine Vor- und die Hauptburg mit je einem Innenhof. Den Eingang zur Vorburg bildet ein L-förmiger Bau mit einem zum Teil in Fachwerk neu aufgeführten Obergeschoß. Darin enthalten sind ein Pforthaus und zwei Türme – ein Tor- und ein Eckturm. Davon wurde einer 1731 zum Glokkenturm für die katholische Pfarrkirche St. Hubertus umgebaut. Weiterhin erhalten ist ein viereckiger Bergfried, dessen altes Mauerwerk auf etwa 25 m mit maximalen Kantenlängen von 8,0 und 8,5 m und einer Mauerstärke von 1,7 m noch vorhanden ist. Die Reste wurden 1856 zum Aussichtspunkt ausgebaut. Reste des Palas, der Burgkapelle und einige Wirtschaftsgebäude wurden 1800 abgebrochen. Erhalten sind auch Teile der Umfassungsmauer (ca. 2 m stark).