WÖLTINGERODE-WOHLDENBERG
I.
Lkr. Hildesheim, Ortsteil Bockenem, Niedersachsen. Historische Namensformen: de Werder (1233), castrum Werder (1275), to deme Werder (1365). Name nach einem Landstück zwischen zwei Flußarmen der Nette, die eine als Insula und als Werthere (1150) gen. Wasserburg bezeichnen. Stammsitz der Gf.en von W. (1105-1227) und von → Wohldenberg 1226/27-1304.
II.
Die rechts der Nette östlich von Schlewecke gelegene Wasserburg W. hatten die Gf.en Hermann I. (1194-1243) und Heinrich I. (1197-1251) von → Wohldenberg vor 1227 aus dem Erbe der Gf.en von W. erworben (Petke 1971, S. 422 f.). Heinrich I. nutzte sie als Verwaltungssitz für den Ambergau. Anläßlich der Übertragung zweier Hufen an das Kl. Escherde wurde die Burg selbst 1250 erstmals gen. Um 1300 gaben die Gf.en Bockenem das Stadtrecht, übrigens die einzige Handlung dieser Art von Seiten des Gf.engeschlechts. Heinrich I. vererbte die Burg an seinen Sohn Hermann III. (1234-1271), der sie wiederum an seinen Sohn Ludolf VI. (1264-1286) weitergab, der hier residierte. Dieser überließ 1275 die Burg mit der dazugehörigen Mühle, den Fischereirechten und neun Hufen dem Hildesheimer Bf. Otto I.
Von ihm empfing Ludolf die Burg als Lehen. Da den Gf.en diese Burg als einzige von fünf Burgen geblieben war, residierten hier von 1276 bis zum 21. Okt. 1304 Hermann V. und Heinrich V. (Söhne Heinrichs II.), Ludolf VI. und Konrad I. (Söhne Hermanns III.), Burchard IV. und Hermann IV. (Söhne Burchards III.). Die Burg wurde 1304 während einer Belagerung durch den Bf. von Hildesheim zerstört (Petke 1971, S. 423 und Register Nr. 360, S. 542f).
Literatur
Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bremen, Niedersachsen, bearb. von Gerd Weiss, 2. Aufl., München u. a. 1992. – Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands, Bd. 2: Niedersachsen und Bremen, hg. von Kurt Brüning und Heinrich Schmidt, Stuttgart 1969, S. 482. – Krahe, Friedrich-Wilhelm: Burgen des Deutschen Mittelalters, Grundriß-Lexikon, Würzbug 1994. – Petke, Wolfgang: Die Grafen von Wöltingerode-Wohldenberg. Adelsherrschaft, Königsherrschaft und Landesherrschaft am Nordwestharz im 12. und 13. Jahrhundert, Hildesheim 1971 (Veröffentlichungen des Instituts für historische Landesforschung der Universität Göttingen, 4).