Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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WÖLTINGERODE-WOHLDENBERG

A. Wöltingerode-Wohldenberg

I.

Die seit dem frühen 12. Jh. im nördlichen Harzvorland auftauchenden Gf.en von Wö. nannten sich nach ihrem gleichnamigen Stammsitz. Erster bekannter Angehöriger des Geschlechts war der ab 1108 gen. Ludolf I. (um 1108-1153). Waltingerothe lag 10 km nordöstlich von Goslar am Fuß des Harliberges. Die Söhne Ludolfs I. stifteten 1174 das Benediktinerkl. W. für das Seelenheil ihrer Eltern, das unter ihrer Senioratsvogtei stand. Die Kl.gründung wertete Petke (1971, S. 252 f.) als Versuch, sich wg. der Kämpfe der sächsischen Fs.en gegen Heinrich den Löwen (1142-1195) aus dem Gebiet westlich der oberen Oker zurückzuziehen. Um 1150 erbauten die Gf.en von Wö. die Höhenburg → Wohldenberg, etwa 1 km südwestlich der Ortschaft Sillium gelegen, nach der sie sich fortan nannten. Nach dem Sturz Heinrichs des Löwen wurden Burchard I. (1142-1189) und seine Söhne Hermann I. (1194-1243), Heinrich I. (um 1197-1251) und Ludolf IV. (1182-1217/18) Burgmannen auf der wiedererrichteten → Harzburg. 1275 verkauften die Gf.en Gft. und Burg → Wohldenberg an das Hochstift Hildesheim bzw. andere gfl. Rechte zwischen oberer Oker und Nette an den Hzg. von Braunschweig. Ein weiterer Versuch der Herrschaftssicherung war die Bildung der Gft. Wohldenstein, die allerdings 1349 verkauft wurde. Das Geschlecht starb 1383 aus.

II.

Die Gft. mit dem Mittelpunkt → Wö. entstand Anfang des 12. Jh.s auf der Grundlage eines umfangr. Allodialbesitzes am Nordwestrand des Harzes. Ludolf I. wird 1133 erstmalig als Gf. bezeichnet. Erst unter dem Kgtm. Lothars III. (1125-1137) ist nach 1129 die Gft. mit dem Ziel der Sicherung der Position der Reichsgewalt im Gebiet westlich der Oker eingerichtet worden. Es handelt sich also um eine reichsunmittelbare Gft. Der Erwerb der Vogtei über die Stifte St. Simon und Judas sowie St. Georgenberg in Goslar durch Ludolf I. führte zum weiteren Ausbau der Stellung des Gf.enhauses in diesem Raum.

Ludolf II. (1129-1191), Burchhard I. und Hoier I. (1142-1189), Gf.en von Wö., gehörten zu den bes. treuen Gefolgsleuten Heinrichs des Löwen. So war Ludolf 16 mal Zeuge in Beurkundungen des Welfen, nur die Gf.en von Ratzeburg übertrafen dies mit 20 bzw. Jordan von → Blankenburg mit 29 Bezeugungen (vgl. Pischke 1995, S. 534; Schubert 1995, S. 195).

Der Sohn Hoiers I. stand auf Seiten Friedrich Barbarossas, während Ludolf II., auch seine Söhne Burchard II. (1182-1235) und Lüdiger II. (1175/79-1206) treue Anhänger Heinrichs des Löwen bzw. Ottos IV. (1198-1218) waren (Petke 1971, S. 40). Der zweite Sohn Ludolfs I. fiel im Krieg Heinrichs des Löwen gegen Albrecht den Bären 1152 bei Osterode. Heinrich I. (1197-1251) und Hermann I. (1194-1243) von Wohldenberg dagegen galten als Stützen der staufischen Politik am Harz.

Burchard von Wö., ein Sohn Ludolfs II., konnte seine geistliche Laufbahn nach der Erlangung dreier Propsteien (1193/94 Petersbergstift Goslar, 1197 Braunschweiger St. Blasius Stift, 1232 Hildesheim) und eines Kanonikats (1209 Domstift Magdeburg) im Sept./Okt. 1232 mit der Wahl zum Ebf. von Magdeburg krönen. Die päpstliche Bestätigung kam 1234, kurz vor der Konsekration verstarb Burchard. Er blieb der einzige Wohldenberger auf Seiten des Kg.s (1205/06), Otto IV. versuchte mit ihm im staufisch gesinnten Magdeburg eine eigene Partei aufzubauen. Mit dem Sturz Ottos IV. war zunächst auch Burchard aus der Politik zurückgedrängt worden (Petke 1971, S. 66-75, Scholz 2001, S. 365 f.).

Heinrich von Wohldenberg (1267-1318), jüngster Sohn Gf. Burchards III. (1227-1272), war von 1310-1318 Bf. von Hildesheim. Auseinandersetzungen mit der Stadt Hildesheim konnten zu Gunsten von Bf. und Domkapitel entschieden werden. Heinrich begann mit dem Bau der Festung Steuerwald an der Innerste, nördlich der Stadt gelegen (Faust 2001, S. 245 f.). Sein Nachfolger auf dem Hildesheimer Bf.sstuhl wurde Otto von W. (1319-1331), der dritte Sohn Heinrichs II. Mit einem Vertrag 1319 verhinderte er den Wiederaufbau der Burg auf dem Harliberg, erwarb Schloß und Amt Lindau im Untereichsfeld, Schloß Lutter am Barenberg mit Gericht, Vogtei und allem Zubehör, die Gft. Westerhof und das Gericht zu Berka, u. a. dann auch den vierten Teil der Gft. Wohldenstein (Faust 2001, S. 246).

Mehrere Gf.innen von W.-W. traten in Kl. und Stifte ein. Zwei wurden Äbt.nen des Kanonissenstifts Gandersheim, so Mechthild (1196-1223), die Tochter Burchards I. und Mechthild (1285-1316), die Schwester des Hildesheimer Bf.s Heinrich von W. (1267-1318) (vgl. Goetting 1973, S. 308 f. und 321 f.). Als Äbt.nen im Hauskl. Wö. sind Judith (um 1200), eine Tochter Hoiers I., Elisabeth (1343-1346?) und Sophie (1348-1350) bekannt (Faust 1994, S. 824 f.).

Es gelang den Gf.en von W.-W. nicht, ein geschlossenes Herrschaftsterritorium aufzubauen. Die allodiale Basis im nordwestlichen Harzvorland bildete mit den Beziehungen zu Heinrich V. und Lothar von Süpplingenburg, Philipp von Schwaben und Friedrich II. die Grundlagen für den Ausbau der Herrschaft um Goslar. Der Niedergang des staufischen Imperiums und die Territorialpolitik der Hildesheimer Bf.e sowie der Hzg.e von Braunschweig-Lüneburg führten 1349 zur Aufgabe der Herrschaft.

III.

Das Wappen der Gf.en von Wohldenberg befindet sich auf dem bekannten Quedlinburger Wappenkasten, auf dem v.a. Wappen von Adligen des sächsischen Kernlandes (insbes. aus dem nordöstlichen Harzraum) sowie Westfalens und Thüringens abgebildet sind. Einer der dargestellten kämpfenden Ritter wurde als Hermann I. oder Heinrich I., Gf. von → Harzburg, identifiziert. Ein weiteres Wappen wurde Gf. Lüdeger von Wohldenberg zugewiesen (Himmelheber 1992, S. 82 f., Nr. 14 und 30). Interessant ist die Tatsache, daß der zweite Turnierkämpfer auf der Lade, der unterschiedliche Funktionen (Brautlade oder auch Kasten für den Gebrauch einer ritterlichen Vereinigung) zugeordnet werden, einen Gf.en von → Dassel zeigt. Eine Diskussion entbrannte um die Frage der Datierung, die zwischen 1209 (Schwineköper 1972) und Mitte des 13. Jh.s (Fenske 1985, S. 123, Hasse 1995, S. 630 f.) angesetzt wurde. Kruppa (2001, S. 171 f.) sprach sich jüngst für eine Datierung in das Frühjahr 1209 aus, evtl. im Zusammenhang mit einem Turnier in Braunschweig. Die herausragende Stellung der Gf.en von W.-W. und → Dassel wurde von ihr mit einer letzten Paarung während des Turniers gedeutet.

Das Wappen der Gf.en von W.-W. zeigt einen linksschrägen silbernen Turnierkragen auf rotem Grund. Diese Form wurde erstmalig bei Hermann III. von Wohldenberg (1234-1271) nachgewiesen (Petke 1971, S. 127).

Obwohl die Gf.en von W.-W. verschiedene Bergwerke und Bergwerksberechtigungen im Harz besaßen, ist eine eigene Münzprägung nicht nachweisbar. Vermutet wurden Prägungen des Magdeburger Ebf.s Burchard von Wö. nach Pegauer Vorbild.

Ein ma. Archiv mit Urk.n und Lehenbüchern wurde anläßlich eines Prozesses um das Erbe der Gf.in Jutta (1349-1390), der alleinigen Erbin des 1383 verstorbenen Gf.en Burchard von Wohldenberg, erwähnt. Den alleinigen Zugriff hatte sich der damalige Ordinarius des Hildesheimer Bf.s gesichert, um dessen Interessen hinsichtlich der Lehen zu wahren.

Das Geschlecht der Gf.en von W.-W. hatte vor der Wende zum 13. Jh. bereits die zwei Burgen, Wö. und Wohldenbruch, neu erbauen lassen. In den 50er Jahren des 13. Jh.s verfügten die Gf.en über fünf Burgen, und zwar den Wohldenberg, die → Harzburg, → Werder, Gebhardshagen und Hohenbüchen. Davon verblieb ihnen 1275 nur noch die Burg → Werder (Petke 1971, S. 423). Mit dem Verlust der Burg Emne (Gronau) 1228 war der »an der Leine gelegene Besitz des Geschlechts ein Außenposten geworden, dem ein Zentrum fehlte, um das sich die Herrschaftsrechte hätten verdichten können« (Petke 1971, S. 423). Nur für wenige Jahre in der ersten Hälfte des 14. Jh.s hatten sie die Burg → Wohldenstein inne.

Mit einer Urk. vom 19. Okt. 1174 stifteten die Gf.en Ludolf II., Hoier I. und Burchard I. auf ihrem Stammsitz das Benediktinerkl. Wö., das Bf. Adelog von Hildesheim (1171-1190) bestätigte (Faust 1994, S. 797-802). Unmittelbar danach begann der Ausbau des Kl.s, das noch vor 1188 in ein Zisterzienserinnenkl. umgewandelt wurde.

Ein Psalter (heute Herzog August Bibliothek) aus dem frühen 13. Jh. (Petke 1971 S. 33-39), der aus dem Kl. W. stammt und einer Gf.in von W. gehört haben könnte, verzeichnet auch Namen der Familie von W. wie Petke 1971 nachweist. Ein zweiter Psalter (Bibl. Wolfenbüttel. Cod. Guelf. 425 Helmst.) befand sich im Besitz der Familie, vermutlich existierte noch ein Dritter. Eine Chronik des gfl. Geschlechts existiert nach bisherigem Kenntnisstand nicht. Ebenso fehlt ein Lehenbuch.

IV.

Die ersten bekannten Namensträger des sächsischen Geschlechts von Wö. waren Ludolf I. (1108-1253) und seine Gemahlin Mechthild. Verwandtschaftliche Beziehungen zu den Gf.en von Veckenstedt gelten als wahrscheinlich. Ein gemeinsamer Vorfahre des Gf.en Ludolfs I. von W. und des Gf.en Burchard von Loccum als Stammvater der Gf.en von Loccum-Hallermund, gilt nach Petke (1971, S. 8, 252) als sicher. Zu den bekannten sächsischen Geschlechtern des 11. Jh.s sind keine verwandtschaftlichen Beziehungen nachzuweisen.

Der Allodialbesitz der Gf.en von Wö. lag in der Umgebung Goslars, weitere Besitzungen in den Diöz.n Hildesheim und Halberstadt, der namengebende Stammsitz befand sich 10 km nordöstlich von Goslar entfernt. In der Zeit von 1150-1383 gehörten etwa 800 Hufen Land zum Eigenbesitz zuzüglich 150 Hufen an Lehnsgütern. Geogr. erstreckte sich der Herrschaftsbereich auf das nordöstliche und nordwestliche Harzvorland (um → Wö. zwischen dem Harliberg und dem Harzrand), im Innerstebergland (zwischen Langelsheim und Itzum, bes. im Ringelheimer Becken), in der Hildesheimer Börde und im Nettetal bzw. im angrenzenden Bodenburger Becken (Petke 1971, S. 393-402). Verschiedene Bergrechte und Forstgebiete im Harz, Lehen vom Reichsstift Gandersheim, Hochstift Hildesheim, vom Reich, dem Hochstift Halberstadt, den welfischen Hzg.en sowie mit einem geringen Anteil von den Hzg.en von Sachsen, den Mgf.en von Brandenburg, den Ebm.ern Bremen und Magdeburg kamen hinzu.

Ludolf II., verh. mit Guta aus dem Geschlecht der Edelherren zur → Lippe, hatte Lehen des Reichsstifts Gandersheim sowie die Vogtei des Stifts Georgsberg (um 1152) inne, er nannte sich 1172 erstmals nach der in seinem Besitz befindlichen Burg → Wohldenberg (Petke 1971, S. 30). Bis 1173 hatte Ludolf II. die Reichsvogtei Goslar von Ks. Friedrich I. inne. Sein zweiter Sohn Ludolf III. (1181-1189) sowie seine Brüder Burchard und Hoier wurden Bgf.en auf der → Harzburg.

Burchard I., der dritte Sohn Ludolfs I., besaß die Vogtei über das Goslaer Stift und wurde vom Pfgf.en von Sommerschenburg mit der Vogtei über die Gandersheimer Stifter und Kl., die Münzen ebd. sowie die Gft. Bodenburg belehnt, ergänzt durch den Besitz des Kg.shofes Königsdahlum, weiteren Lehen vom Reichsstift Gandersheim und erhielt mit seinem Bruder Hoier I. die Bgft. auf der → Harzburg. Hinzu kamen die Ausübung gfl. Rechte im Ambergau (1186). Mit dem Tod Hermanns von Winzenburg entstand im Ambergau ein politisches Vakuum, das die Gf.en von W.-W. ausnutzten und auf der Grundlage ihres Allodialbesitzes im Ambergau (bereits vor 1152) eine Verlagerung ihres »Herrschaftsmittelpunktes von der Oker an die Nette« (Petke 1971, S. 54) betrieben. Burchard I. begab sich 1189 mit Ks. Friedrich I. auf den Kreuzzug.

Die Ausstattung des Kl.s Wö. und die Schenkungen an andere Stifte und Kl. zeigen die außerordentliche Zersplitterung der Allodialgüter, gewähren aber einen Einblick in die Lage der Güter. So erhielt das Domstift Hildesheim 1150 von Ludolf I. drei Hufen in Dörnten, drei Hufen und den Zehnten in Hotteln, acht Hufen in Stidiem (zwischen Holle und Sillium), eine Hufe in Quicborn (nordwestlich von Eldagsen) und den Zehnten in Lengerslo. Kl. Pöhlde erhielt ein weiteres Gut in Stidiem. Zur Ausstattung des Kl.s Wö., das um 1188 in ein Zisterzienserkl. umgewandelt wurde, gehörte das ganze Dorf Wö. einschließlich des Salhofes und zweier Mühlen, eine Hufe in Dudingerode (bei Vienenburg), drei Hufen in Hurla, zwei Hufen in Osborneshausen, zwei Hufen, zehn Morgen und zwei Hofstellen in Roderingerode, sechs Hofstellen und Fischereigerechtsame in Söder, weitere Besitzungen in Lochtum, Westerode, Groß Heere, Vöppstedt, Weddigen und Wesseln. Bis 1185 folgten Ergänzungen in Groß Düngen, Stidiem, Rhene, Hedeper und Södder (vgl. auch Wilke 1970, S. 60).

Das Zisterzienserkl. Marienfeld (Lkr. Warendorf) gründeten 1185 Widekind von Reda, Bernhard zur → Lippe und Lüdiger von Wohldenberg, Sohn Ludolfs II. Die Gründungsausstattung übernahmen alle drei Stifter zu je einem Drittel. Die Vogtei über die Güter des Kl.s Stötterlingenburg hatte Hoier I. inne. So stellte Petke (1971, S. 255) fest, daß zwischen Quicborn an der nordwestlichen Peripherie des Herrschaftsbereiches und Hedeper-Wetzleben etwa 75 km lagen, zwischen Westerode nordöstlich der → Harzburg und Hotteln, nordwestlich von Hildesheim etwa 50 km. Es gelang den Gf.en von W.-W. nicht, dieses Gebiet durch eigene Herrschaftsausübung undurchdringlich zu machen, zumal ein Faktor der Herrschaftsbildung, Landesausbau und Kolonisation, hier weitgehend entfielen.

Reiche Besitzungen wurden auch in Dörnten unter Lüdiger II. (1175/76-1206) gen., der hier einen befestigten Herrenhof oder eine Burg besaß. Er trat oft mit Heinrich von Schladen zusammen auf, der eine Schwester Lüdigers geheiratet hatte. Seit 1195 führte er den Namen der 1 km südwestlich von Sottrum am linken Ufer der Nette gelegenen Wasserburg von Wohldenbruch (Petke 1971, S. 64). Die Burg → Werder, nach der sich Heinrich I. (um 1197-1251) erstmalig 1233 nannte, kam 1227 nach dem Tod Lüdigers von → Werder an die Gf.en von Wö. (Petke 1971, S. 83 f.). Sein Sohn Heinrich III. (1237-1260) benannte sich nach (Gebhards)hagen.

Weitere verwandtschaftliche Beziehungen bestanden im 12.-14. Jh. auch zu den Gf.en bzw. Herren von Ravensberg, → Schwerin, Schladen, → Everstein, → Falkenstein, → Oldenburg, Hackeborn, Lüchow, → Blankenburg, → Regenstein, → Wernigerode, → Sternberg, → Barby, Dorstadt, Homburg, Asseburg, Meinersen, Saldern, Rössing, Heimburg, Gowische und Steinberg.

Nach den umfangr. Verkäufen 1275 sowie nicht wieder eingelösten Verpfändungen gab es einen weiteren Verlust nach dem Tod Heinrichs VII. (1290-1293), als dieser seinen Besitz an den Hildesheimer Domherrn und späteren Bf. Heinrich IV. der Erbfolge entspr. weitergab, dieses jedoch weder seine Vettern die Gf.en von Wö. (Hermann V. und Heinrich V.) oder auch den Gf.en von Wö.-Werder (Konrad I. und Johannes I.) sondern dem Gf.en Heinrich (VI.) von → Regenstein überließ. Der Regensteiner war ein Vetter, der Sohn einer Schwester seines Vaters.

Ein weiteres Problem stellten die Teilungen des Besitzes dar. In der zweiten Hälfte des 13. Jh.s traten lediglich drei von elf Erwachsenen (V. Generation) in den geistlichen Stand, eine Generation weiter von 26 männlichen Familienangehörigen zwölf, zwei wurden Deutschordensritter. Außerdem traten hier gleich sechs Nonnen ins Kl. Wö. ein, vier gingen nach Quedlinburg (Petke 1971, Geneaolgische Tafel 2). Da Heinrich VII. (1293) kinderlos starb und seine Vettern alle die geistliche Laufbahn einschlugen, erlosch die von Hermann I. abstammende Linie im Mannesstamm. Der Edle Siegfried von → Homberg übernahm 1349 die gesamte Burg Wohldenstein, die letzte Burg im Besitz der Gf.en Burchard VIII. (1310-1351) und Gerhard (1325-1383). Das Ansehen des Geschlechts litt Anfang des 14. Jh.s erheblich, was sich nicht zuletzt an den vielen unverheirateten Famlienmitgliedern zeigt. Der letzte Wohldenberger Gf. starb 1383, seine Söhne verstarben bereits 1375 und 1381 kinderlos.

Es gelang den Gf.en von W.-W. nicht, ein geschlossenes Herrschaftsterritorium aufzubauen. Der Niedergang des staufischen Imperiums sowie die Territorialpolitik der Hildesheimer Bf.e und der Hzg.e von Braunschweig-Lüneburg führten 1349 zur Aufgabe der Herrschaft. Nach dem Aussterben des Geschlechts mit dem Tod Gf. Gerhards 1383 beanspruchte der Gemahl Gf.in Juttas (1390), Burchard von Schöneberg (1348-1417), ein Erbe, das aus Eigengut, Lehen, Fahrhabe, Urk.n und Lehenbüchern bestand, aber nicht die Gft. Wohldenberg, die nicht mehr existierte.

Quellen

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Behnke, Maria: Burg Wohldenberg in Vergangenheit und Gegenwart, Hildesheim 1967. – Faust, Ulrich: Wöltingerode, in: Die Männer- und Frauenklöster der Zisterzienser in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg, bearb. von Ulrich Faust, St. Ottilien 1994 (Germania Benedictina, 12), S. 797-802. – Faust, Ulrich: Heinrich und Otto von Wohldenberg (Hildesheim), in: Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches, 1198 bis 1448, ein biographisches Lexikon, hg. von Erwin Gatz unter Mitw. von Clemens Brotkorb, Berlin 2001, S. 245 f. – Fenske, Lutz: Adel und Rittertum im Spiegel frühheraldischer Formen und deren Entwicklung, in: Das ritterliche Turnier im Mittelalter. Beiträge zu einer vergleichenden Formen- und Verhaltensgeschichte, hg. von Josef Fleckenstein, Göttingen 1985 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, 80), S. 75-160. – Goetting, Hans: Die Hildesheimer Bischöfe von 815-1221, Berlin u. a. 1984 (Germania Sacra. NF 20). – Goetting, Hans: Das reichsunmittelbare Kanonissenstift Gandersheim, Berlin u. a. 1973 (Germania Sacra. NF 7). – Habermann, Jan: Die Grafen von Wernigerode, Herrschaftsprofil, Wirkungsbereich, und Königsnähe hochadliger Potentaten am Nordharz im späten Mittelalter, Norderstedt 2008. – Hasse, Claus-Peter: Quedlinburger Wappenkasten, in: Heinrich der Löwe und seine Zeit, Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125-1235, Bd. 1: Katalog, S. 630 f. und Bd. 2: Essays, S. 576 f. (Karte mit Wappenidentifikation und Herkunftsorten). – Himmelheber, Georg: Wappenkasten, in: Der Quedlinburger Domschatz wieder vereint, hg. von Dietrich Kötzsche, Berlin 1992, S. 81-84. – Jordan, Karl: Rez. zu Petke 1971, Wolfgang, Die Grafen von Wöltingerode-Wohldenberg, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 44 (1972) S. 351 f. – Krahe, Friedrich-Wilhelm: Burgen des Deutschen Mittelalters, Grundriß-Lexikon, Würzbug 1994. – Kroos, Renate: Der Landgrafenpsalter – kunsthistorisch betrachtet, in: Der Landgrafenpsalter, Kommentarbd., hg. von F. Heinzer, Graz 1992, S. 92-97. – Kruppa, Natalie: Neue Gedanken zum Quedlinburger Wappenkästchen, in: Concilium medii aevi 4 (2001) S. 153-177, unter www.cma.d-r.de4-01/kruppa2.pdf [03.12.2007]. – Petke, Wolfgang: Die Grafen von Wöltingerode-Wohldenberg. Adelsherrschaft, Königsherrschaft und Landesherrschaft am Nordwestharz im 12. und 13. Jahrhundert, Hildesheim 1971 (Veröffentlichungen des Instituts für historische Landesforschung der Universität Göttingen, 4). – Pischke, Gudrun: Zeugen in den Urkunden Heinrichs des Löwen, in: Heinrich der Löwe und seine Zeit, Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125-1235, Bd. 2: Essays, München 1995, S. 534 f. – Scholz, Michael: Burchard von Wohldenberg (Magdeburg), in: Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches, 1198 bis 1448, ein biographisches Lexikon, hg. von Erwin Gatz und Clemens Brotkorb, Berlin 2001, S. 385 f. – Schubert, Ernst: Der Hof Heinrichs des Löwen, in: Heinrich der Löwe und seine Zeit, Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125-1235, Bd. 2: Essays, München 1995, S. 190-198. – Schwineköper, Berent: Eine unbekannte heraldische Quelle zur Geschichte Kaiser Otto IV. und seiner Anhänger, in: Festschrift für Hermann Heimpel, Bd. 2, Göttingen 1972 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, 36,2), S. 959-1022. – Streich, Gerhard: Burgen und »Burgenpolitik« Heinrichs des Löwen, in: Heinrich der Löwe und seine Zeit, Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125-1235, Bd. 2: Essays, München 1995, S. 484-491. – Wilke, Sabine: Das Goslarer Reichsgebiet und seine Beziehungen zu den territorialen Nachbargewalten. Politische, verfassungs- und familiengeschichtliche Untersuchungen zum Verhältnis von Königtum und Landesherrschaft am Nordharz im Mittelalter, Göttingen 1970 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, 32).