Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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WOLKENSTEIN

C. Rodenegg

I.

Die Höhenburg R. wird erstmals in einer bald nach 1141 ausgestellten Urk. als Rodunc (Rodung) gen. und weiterhin im 12. und 13. Jh. so oder als Rodanc bezeichnet. Im SpätMA – erstmals gen. 1314 – bildete sich daraus der heutige Name. Bis ins späte 17. Jh. Sitz des gleichnamigen Landgerichts mit eigenem Burgfried, Nebenres. der Linie → Wolkenstein-R. von 1458/91 (siehe unten Abschn. II.) bis ins späte 17. Jh.

II.

R. liegt wenige km oberhalb von Brixen auf einer über 200 m langen und nach drei Seiten hin steil abfallenden Bergrippe in einer Schleife der 200 m tiefer fließenden Rienz. Bald nach 1141 übertrug Bf. Hartmann von Brixen diese Burg dem Friedrich von Rodank und seiner Frau Gerbirch im Tausch gegen andere Güter als Eigen. Die Rodanker waren eine der bedeutendsten Brixner Ministerialenfamilien. Im 13. Jh. versuchten sie sich aus der bfl. Abhängigkeit zu lösen, indem sie auch in die Dienste der Gf.en von Tirol und → Görz traten und von diesen Lehen annahmen, schließlich ganz auf ihre Seite wechselten. Friedrich IV. von Rodank hatte dabei seine Kräfte wohl überschätzt; jedenfalls sah er sich genötigt, die Burg R. und anderen Besitz 1269/71 an Gf. Meinhard II. zu übergeben. De facto war R. seither landesfsl. Burg, auch wenn die Bf.e bis zum Ende des Fs.bm.s 1806 ihre Ansprüche nie aufgaben. Gf. Meinhards Sohn Heinrich verpfändete R. 1315 an Heinrich von Villanders. Nachdem die Villanderer 1347 auf die Seite Kg. Karls IV. gewechselt waren und sich damit gegen den Landesfs.en Ludwig den Brandenburger, einen Sohn Ks. Ludwigs des Bayern, gestellt hatten, wurden sie zwei Jahre auf R. belagert und mußten die Veste schließlich an Ludwig übergeben. Dieser verpfändete sie an Konrad von Teck, dessen Bruder und Erbe sie 1354 an Hzg. Albrecht von Österreich weiter verpfändete. 1367 von den Habsburgern – seit 1363 Landesfs.en von Tirol – an die Herren von Gufidaun verpfändet. Nach deren Aussterben 1458 setzte Hzg. Sigmund Oswald II. von Wolkenstein als Pfleger ein. Dessen ältester Sohn Veit erhielt R. mit Gericht, Pfarre und Niederlagsrecht im zum Gericht gehörigen Marktort Mühlbach 1491 von Kg. Maximilian für seine vielfältigen Dienste als freies Eigen. Auf R. hielt er sich aber ebenso wie sein Bruder und Erbe Michael kaum auf. Erst des letzteren Sohn und Enkel bauten R., nachdem es in den Bauernkriegen eine wichtige Rolle gespielt hatte, von den späteren 20er Jahren des 16. Jh.s bis 1582 sowohl in fortifikatorischer wie in repräsentativer Hinsicht bedeutend aus: Ein vorgeschobenes Tor und kanonentaugliche Basteien wurden errichtet, die Wohnbauten neu und einheitlich gestaltet, zum Hof hin eine Loggienmauer vorgesetzt und auf dem Ausläufer des Bergsporns ein großer ummauerter Garten angelegt.

Nach einem verheerenden Brand 1694 konnte zwar durch den Verkauf des noch vorhandenen Waffenbestandes der Wiederaufbau (betroffen waren v.a. die Dächer und Obergeschosse) finanziert werden, aber spätestens jetzt wurde das bisher hier ansässige Gericht nach Mühlbach verlegt, und auch als Res. hatte die Burg weitestgehend ausgedient, da die Familie aus beruflichen Gründen im wesentlichen in ihrem Stadtpalais in Innsbruck oder anderswo lebte. R. blieb bis zum Aussterben des Mannesstammes 1849 in der Hauptlinie → Wolkenstein-R. und ging dann an andere Familien, von denen ein Anteil wieder an eine Seitenlinie der → Wolkenstein-R. zurückkam. Die Burg ist nach wie vor in Privatbesitz.

III.

Schon die ursprgl. Anlage, wohl von Bf. Hartmann von Brixen kurz nach 1140 errichtet, scheint die ganze ansteigende Fläche zwischen der engsten Stelle des Bergsporns und der jetzigen Gartenfront eingenommen und die schon vorher auf dem höchsten Punkt des Felsens stehende Kapelle integriert zu haben. Bei ersten Umbauten kurz nach 1200 wurde der Erdgeschoßraum eines turmähnlichen Gebäudes an der Nordwestecke mit den berühmten Iwein-Fresken geschmückt. Im 14. Jh. wurde die Vorburg bis zum heutigen äußeren Tor errichtet, im 15. der sog. Palas. Über die sonstigen ma. Gebäude läßt sich wg. der späteren Umbauten nichts sagen.

Im 16. Jh. wurde R. äußerlich zu einer zeitgemäßen Festung (Basteien und Rundtürme im Torbereich und an den Ecken der Gartenfront), im Inneren zu einer herrschaftlichen Renaissance-Res. umgestaltet. Das Ende des Bergsporns im SW wurde eingeebnet und darauf ein großer Garten angelegt. Im Innenhof wurde den bestehenden Gebäuden an der Westseite eine Loggienwand und ein Treppenturm zur Verbindung der einzelnen Flügel vorgelegt, im Erdgeschoß hinter einer offenen und mit der Kapelle durch Fenster verbundenen Vorhalle eine reich freskierte neue Michaelskapelle an Stelle der weiter östlich und höher gelegenen älteren Nikolauskapelle eingerichtet. In dieser läuft oberhalb der Eingangstür über die gesamte Länge der Wand ein gemalter Fries mit der Stifterfamilie (insgesamt 17 Kinder). Im Zug der Reparaturarbeiten nach dem Brand von 1694 wurde der Große Saal im »Hohen Stock« 1697 mit Fresken der wolkensteinischen Burgen von Thomas Plattner geschmückt.

Im 16. Jh. Aufbau einer Bibliothek mit über 3200 Werken, einer Porträt- und Gemäldegalerie und einer Kunst- und Münzsammlung, dazu eine umfangr. Ausstattung der Burg mit Waffen und Geschützen.

Quellen

Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Archiv Wolkenstein-Rodenegg.

Nössing, Josef: Rodenegg, in: Tiroler Burgenbuch, Bd. 9: Pustertal, hg. von Magdalena Hörmann-Weingartner, Bozen 2003, S. 9-42. – Die Wolkensteiner. Facetten des Tiroler Adels in Spätmittelalter und Neuzeit, hg. von Gustav Pfeifer und Kurt Andermann, Innsbruck 2009 (Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs, 30).