WOLKENSTEIN
I.
Höhenburg mit eigenem Burgfrieden in der Gmd. Kastelruth, Fraktion Seis am Schlern, in Südtirol. Der Name ist viell. darauf zurückzuführen, daß der Felsblock, auf dem die Burg steht, zur zusätzlichen Erschwerung des Zugangs künstlich abgearbeitet wurde. Seit 1367 zu einem Drittel, seit 1427 zur Gänze im Besitz der Herren von Villanders bzw. → Wolkenstein, seit 1418/27 bis gegen Ende des 15. Jh.s Hauptsitz Oswalds von → Wolkenstein und seiner Nachkommen.
II.
In einem ausgedehnten Wald oberhalb von Seis am Schlern auf einem etwa 20 m hohen vom Schlern heruntergestürzten Felsblock. Die Herren von H., vermutlich ein Zweig der Herren von Kastelruth, erstmals gen. 1186, waren Brixner Ministeriale. 1367 erwarb Eckhard von Villanders, der Großvater Oswalds von Wolkenstein, ein Drittel von Burg und Herrschaft. Als der letzte H.er 1393 oder kurz nachher starb, versuchten die → Wolkensteiner, unter Umgehung der Erbansprüche seiner bei Meran verh. Schwester Barbara, den gesamten Besitz an sich zu reißen, was zu langwierigen Auseinandersetzungen, in die auch Hzg. Friedrich IV. von Tirol eingriff, führte. Bei der Teilung des Wolkensteinischen Erbes 1407 wurde H. trotz des nur Drittelanteils Oswald als Sitz zugewiesen, der sich jedoch erst seit 1417, als er seine Eheschließung vorzubereiten begann, vermehrt hier aufhielt; anscheinend war H. der repräsentativste Sitz, der ihm zur Verfügung stand. Die Konflikte mit Barbara von H. und ihrem Mann endeten erst, als Oswald 1427 die beiden anderen Drittel um 500 Dukaten von ihnen ablöste. Anschl. Sitz der Familie. Seit 1502 von Pflegern verwaltet, um die Mitte des 17. Jh.s unbewohnt und verwahrlost, dann verfallen.
III.
Der Kern der Burg, bestehend aus einem auch als Wohnturm verwendeten Bergfried und anschließendem Palas, liegt auf dem höchsten Teil des Felsens. Der Palas wurde im 15. Jh. erweitert, im 16. eine neue starke Wehrmauer, im W mit eingebauten Geschützständen, entlang des äußeren Randes des Felsens gezogen. Spätestens seit dem 15. Jh. existierte in der Burg auch eine nicht genauer lokalisierbare Kapelle, für die Oswald kurz vor seinem Tod eine Stiftung machte.
1418 besaß Oswald hier ein Paar Pauken und eine Trompete, die er aber wohl nicht für seinen eigenen standesgemäß-adeligen Auftritt einsetzte, sondern im Fs.en- oder im Kriegsdienst.
Literatur
Gritsch, Johanna: Hauenstein, in: Trapp, Oswald: Tiroler Burgenbuch, Bd. 4: Eisacktal, 2. Aufl., Bozen 1984, S. 336-346. – Schwob, Anton/Schwob, Ute Monika: Mit Pauken und Trompeten. Zu einem überraschenden Fund im Rechnungsbuch Oswalds von Wolkenstein aus dem Jahre 1418, in: Ist mir getroumet mîn leben? Vom Träumen und vom Anderssein. FS für Karl-Ernst Geith zum 65. Geburtstag, hg. von André Schnyder, Göppingen 1998 (Göppinger Arbeiten zur Germanistik, 632), S. 141-146. – Schwob, Anton/Schwob, Ute Monika: Zwei Inventare Oswalds von Wolkenstein als Dokumente adeliger Lebensführung im Spätmittelalter, in: Rostocker Beiträge zur Sprachwissenschaft 7 (1999) S. 247-267. – Schwob, Anton/Schwob, Ute Monika: Ich hör die voglin gros und klain / in meinem wald umb Hauenstain. Beobachtungen zu den emotionalen Bindungen des Grundherrn Oswald von Wolkenstein an seinen Besitz, in: Röllwagenbüchlein. FS für Walter Röll zum 65. Geburtstag, hg. von Jürgen Jaehrling, Tübingen 2002, S. 137-151. – Stampfer, Helmut: Restaurierung der Ruine Hauenstein 1976/1977, in: Mück, Hans-Dieter/Müller, Ulrich: Gesammelte Vorträge der 600-Jahrfeier Oswalds von Wolkenstein, Seis am Schlern 1977, Göppingen 1978 (Göppinger Arbeiten zur Germanistik, 206), S. 309-326.