[HATZFELDT-]WILDENBURG
I.
Wildinburg (1284), Wyldenbergk (1332), Wildenburch (1341), Willenburg (1343), Wildenbergh (1351); 2 km nördlich von Friesenhagen über dem Tal des W.er Baches gelegen. Die in Spornlage über dem Tal des W.er Baches errichtete Burg war seit ihrer Gründung in den 1230er Jahren bis 1418 Sitz der Herren von W., denen als Erben und Rechtsnachfolger die Herren von Hatzfeldt-W. folgten. Infolge der Ausbildung mehrerer Zweige des Hauses Hatzfeldt-W., die im 16. und 17. Jh. zahlr. Herrschaften im Rheinland, in Franken und Westfalen erwarben und die dort vorhandenen Schlösser als Hauptwohnsitze nutzten, diente die W., an der die drei Hauptlinien Hatzfeldt-Crottorf-Gleichen, Hatzfeldt-Werther-Schönstein und Hatzfeldt-Weisweiler beteiligt waren, verschiedenen Familienmitgliedern seit der Mitte des 16. Jh.s nur noch gelegentlich als Aufenthaltsort. Ihre Funktion als administratives Zentrum der Samtherrschaft behielt die W. bis 1806. Im 17. und 18. Jh. diente die W. zeitw. als Wwe.nsitz der Linien Hatzfeldt-Werther-Schönstein und Hatzfeldt-Weisweiler. Die unterhalb der Burg gelegene Talsiedlung erhielt vor 1384 Stadtrechte.
II.
Die im Tal des W.er Baches gelegene, aus wenigen Häusern bestehende Siedlung W. erstreckt sich halbkreisförmig um den Bergsporn, dessen Spitze die gleichnamige Burg einnimmt. Im S bildet die Sieg die Grenze des W.er Landes zum der kurkölnischen Unterherrschaft Schönstein, die – wie die Herrschaft W. – aus dem Besitz der Herren von → Arenberg hervorging und 1589 als erbliches Lehen an die Linie Hatzfeldt-Werther gelangte. Vor der Mitte der 1230er Jahren vollzogenen Teilung in die Herrschaften W. und Schönstein bildete vermutlich eine als Bodendenkmal erhaltene, im Volksmund als Höferburg bezeichnete Höhenburg südwestlich von Friesenhagen das administrative Zentrum des Besitzes der Herren von → Arenberg am Mittellauf der Sieg. Die Herren von → Arenberg gelangten wohl als Erben und Rechtsnachfolger der 1195 erloschenen Edelherren von Freusburg in diese Region. Für die Gf.en von → Sayn, die im Raum Friesenhagen als Vögte des Bonner Stifts St. Cassius und Florentius agierten, erlangte das W.er Land als Korridor zwischen ihren oberbergischen und Westerwälder Besitzungen bes. Bedeutung. Nach dem Erlöschen der Familie von W. konnten sich die Herren von Hatzfeldt im ersten Drittel des 15. Jh.s erfolgreich gegen die Gf.en von → Sayn durchsetzen und ihren Erbanspruch auf die Herrschaft W. behaupten. Ausschlaggebend für die um 1230 erfolgte Gründung der W. auf einem Bergsporn unweit der Höfe Kappenstein, Sohlbach, Plittershagen, Friesenhagen und Odendorf, die die Herren von W. als Vögte der Reichsabtei Werden verwalteten, war wohl nicht zuletzt die Verkehrslage der Burg oberhalb einer von Brabant nach Sachsen führenden Handelsroute.
Die Herrschaft W. lag im O des 722/23 und 794/95 in den Resten des Traditionskodex des St. Cassius und Florentiusstifts in Bonn erwähnten Auelgaus und gehörte kirchlich zum Ebm. Köln. Bis zum Ende des 13. Jh.s gelang es den Herren von W. auf der Grundlage der Vogteigewalt über den Werdener Besitz eine eigene kleine Landesherrschaft aufzubauen.
Die unterhalb der W. gelegene Talsiedlung scheint bereits in den ersten drei Jahrzehnten ihrer Entstehung einen bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung genommen zu haben, da die Schriftquellen bereits 1265 von der Gefangennahme einiger Kaufleute aus W. durch den kölnischen Marschall zu Westfalen berichten. In einem 1384 von Kg. Wenzel ausgestellten Diplom ist sogar von dem an des reichs landtstrasse gelegenen Städtchen W. die Rede. In der Talsiedlung W. lagen mehrere Burgsitz W.er Lehnsleute sowie die 1497 erstmals erwähnte Mühle. Eine formelle Verleihung von Stadtrechten ist für den als »Minderstadt« zu klassifizierenden Ort W., der wirtschaftlich bereits im 16. Jh. von dem 1131 erstmals erwähnten Kirchspielort Friesenhagen überflügelt wurde, nicht überliefert. Hinweise auf eine Befestigung des Ortes sind nicht überliefert. Rechtl. und wirtschaftl. waren die Einw. des Ortes von den Herren von W. bzw. ihren Erben und Rechtsnachfolgern, den Herren von Hatzfeldt-W. abhängig.
III.
Die W. ist vom Stammvater des gleichnamigen Hauses, Gerhard (gest. 1283) gegr. worden und wird in der urkundlichen Überlieferung erstmals 1284 erwähnt. Der ersten hochma. Bauphase der Bg gehört der noch erhaltene mehr als 25 m hohe runde Hauptturm an, der im 18. Jh. eine barocke Turmhaube erhielt. Seit der Mitte des 14. Jh.s beherbergte die W. als Ganerbenburg zwei adelige Haushaltungen. Im 16. Jh. hatten bis zu vier Zweige des Hauses Hatzfeldt-W. Anteile an der Burg inne. Um den auf dem höchsten Punkt des Bergsporns gelegene Rundturm gruppierten sich jene Wohngebäude, die 1558 erstmals als Oberschloß bezeichnet werden. Im Unterschied zu dem vor der Westseite des Hauptturmes gelegenen Wohngebäudes, das im Zuge des Teilabbruchs der W. in der zweiten Hälfte des 19. Jh.s bis auf die Kellergewölbe verschwunden ist, blieb der Nordbau des Oberschlosses vollständig erhalten. In einem 1491 aufgestellten Inventar wird dieses über polygonalem Grdr. aufgeführte Gebäude als Bollwerck bezeichnet, in dessen zweiten Geschoß sich das Archiv befand. Auf einer niedrigeren Geländestufe unterhalb des Oberschlosses befanden sich die Wohn- und Wirtschaftsgebäude des so gen. Vorderschlosses. Der Zugang zur Burg wurde durch eine Zwingeranlage mit einem hufeisenförmigen Flankenturm gesichert, der mit Schießscharten für Handfeuerwaffen ausgestattet war und sehr wahrscheinlich in das 15. Jh. dat. Vereinzelte Informationen zu Gebäuden und Räumen bieten die für die W. überlieferten Ganerben- und Burgfriedensverträge sowie testamentarische Verfügungen. 1341 überließ Johann von W. seinem Bruder Hermann die Nutzungsrechte an dem alten Bau (Palas?) samt dem untersten Stall und einer Freifläche, die bis zum Pfortenhaus reichte. Einem 1351 datierten Ganerbenvertrag ist zu entnehmen, daß die W. in zwei gleichgroße Bereiche geschieden werden solle. 1491 werden die Kapelle, zwei Zisternen, vier Pforten und der Bergfried als gemeinschaftlicher Besitz der Ganerben des Hauses Hatzfeldt-W. erwähnt. Vor 1505 ließen Johann von Hatzfeldt-W. (gest. 1505) und seine Gattin Maria von Nesselrode (gest. 1623) im Bereich des Oberschlosses ein neues Wohngebäude errichten. Die Wasserversorgung der Burg wurde durch die zwei Zisternen sowie eine 1549 bezeugte externe Wasserleitung sichergestellt. 1674 wurde im Bereich des Vorderschlosses ein Brunnen angelegt. In dem ebenfalls zum Vorderschloß W. gehörenden, 1564 erwähnten Lustgarten südöstlich unterhalb des Burgweges, schuf der Kurt Wilhelm Hundt, Brunnemeister aus der nassauischen Res.stadt Siegen 1691 einen Zierbrunnen. Hermann von Hatzfeldt-Werther-Schönstein (gest. 1600) verfügte auf dem Vorderschloß W. über eine umfangr. Bibliothek, die gemäß seines 1599 verfaßten Testaments mit Ausnahme des Hatzfeldtschen Stammbuches dort verbleiben sollte. In einem 1639 erstellten Hausratsverzeichnis des Hatzfeldt-Weisweilerschen Oberschlosses W. werden sieben herrschaftliche Wohnräume, Küche, Backhaus und ein neben der obersten Pforte befindliches Gewölbe aufgezählt. Zu den Repräsentationsräumen zählten der obere und der untere Saal sowie die Eßstube. Sowohl das Vorderschloß als auch das Oberschloß verfügten über eine Kapelle. Die Hauskapelle des W.er Oberschlosses befand sich im zweiten Geschoß eines 1691 errichteten und 1825 abgebrochenen Rundturms, der sich an den Wohnbau westlich des Hauptturms anschloß. Der Hatzfeldt-Werther-Schönsteinsche Teil des Vorderschlosses W. diente im 17 und 18. Jh. gelegentlich als Wwe.nsitz. Durch die Niederlegung des Vorderschlosses 1836 und 1855 sowie den Teilabbruch des Oberschlosses 1857 wurde die W. zur Halbruine. Der vom Abbruch verschonte Nordtrakt des Oberschlosses sowie der runde Bergfried dienen seit 1857 als Sitz einer gfl. hatzfeldtschen Revierförsterei.