Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

Zurück zur Liste

BREDERODE

C. Brederode

I.

B. ist eine im 13. Jh. entstandene Burg, bis ins 15. Jh. Hauptres. der gleichnamigen adligen Familie. Die Burg liegt in Kennemerland in der Gft. Holland, ca. 6 km nördlich der Stadt Haarlem (heutige Adresse: Velserenderlaan 2, Santpoort-Zuid).

II.

Die Burg liegt auf einem Ausläufer eines Strandwalles und wurde ebenso wie die Burg zu → Egmond zum Schutz der wichtigsten Landverbindung in Kennemerland errichtet. Die Burg selbst steht auf einem Sandgrund, ist aber an drei Seiten durch moorigen Grund umgeben, die zu Zeiten des Baus noch sehr sumpfig gewesen sein dürften. Erst im 19. und 20. Jh. sank der Grundwasserspiegel.

Der Ortsname B., zuerst 1244 erwähnt, ist der älteste in Kennemerland, der das Suffix »rode« hat (Berkenrode 1284, Tetrode 1317), welches auf die Rodung von Wald verweist. Bezug genommen wird auf den im frühen 13. Jh. urbar gemachten Grund. Die Burg selbst wird erst 1321 in den Quellen erwähnt (dat huys ende die woninghe tot Brederoede), dürfte aber höchstwahrscheinlich älter sein. Nachdem die Herren von → B. im 15. Jh. ihren Sitz nach → Batestein in Vianen verlegt hatten, wurde B. nur noch von Yolande de Lalaing, der Wwe. Reinouds van B., bis zu ihrem Tod 1497 bewohnt. Anschl. hatte nur noch ein Rentmeister dort seinen Sitz.

III.

Der Burgenkomplex bestand aus einer Hauptburg, einer Vorburg und einem Außenhof, wo sich früher Stallungen u.ä. befanden. Die Hauptburg bestand aus einem rechteckigen Bau, wie er in der zweiten Hälfte des 13. Jh.s durch die Mitglieder der gfl. Familie in Holland eingeführt wurde. Das älteste Beispiel hierfür ist die Burg Te Riviere in Schiedam (1262). Gf. Floris V. errichtete solche Burgen auch in Westfriesland, z. B. in Medemblik 1289. An den Längsseiten des rechteckigen Innenhofs befanden sich die Wohngebäude. Jede Ecke verfügte über einen Turm. Der Turm an der Ecke des Binnenhofs war rund, die anderen waren viereckig. Die Vorburg hatte eine etwas merkwürdige geknickte Form. In der Bauforschung wurde die Vermutung geäußert, daß die Vorburg teilw. zurückgehen sollte auf einen älteren runden Vorgängerbau, von der noch eine halbrunde Mauer im westlichen Graben herrühren soll. Dieses trifft jedoch nicht zu. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Stützmauer, die man anlegte, als man im 15. Jh. die Burgfläche vergrößerte und mit Schutt erhöhte.

Die im 13. Jh. errichtete Befestigung wurde während des Streits der Hoeken und Kabeljauwen um die Mitte des 14. Jh.s belagert und eingenommen. Anschl. wurde sie bis auf die Grundmauern abgerissen. Als Dirk van → B. (gest. 1377) nach einer dreijährigen Gefangenschaft zurückkehrte, soll er das Haus wiedererrichtet haben. 1426 wurde die Südseite der Burg während einer Belagerung durch die Stadt Haarlem zerstört. Die Familie → B. verlegte ihre Res. nach → Batestein, das sie 1418 erworben hatte.

Erst 1464 folgte Reinoud einer Anregung Hzg. Philipps des Guten und ließ den übrig gebliebenen nördlichen Wohnflügel wieder herrichten. Der durch die Beschießung 1426 entstandene Bauschutt wurde hierbei in den Burggraben geschoben. Nach Reinouds Tod wechselte seine Wwe. Yolande de Lalaing ihren Wohnsitz und zog in B. ein. Nach ihrem Tod verfiel die Burg wieder. 1573 wurde sie durch span. Truppen geplündert und gebrandschatzt. Die Ruine wurde in der Folge nur von einem Rentmeister bewohnt. Nachdem Wolfert van → B. 1679 verstorben war und es keine männlichen Erben gab, kam das Haus in die Verfügungsgewalt der Landstände (Staten) von Holland. Im 19. Jh. war sie eines der ersten Baudenkmäler, die mit Unterstützung der Regierung restauriert wurden (1862-1871).

Allan, A.J: De ruïne van Brederode, Den Haag 1983. – De archeologie van Teylingen en Brederode, red. von Elizabeth den Hartog, Haarlem 2004. – Hermans, T./Kamphuis, J.: De Ruïne van Brederode, in: Bulletin van de Koninklijke Nederlandse Oudheidkundige Bond 89 (1990) S. 2-24. – De ruïnes van Teylingen en Brederode verbeeld, red. von Elizabeth den Hartog und Ronald H.M. van Immerseel, Haarlem 2005.