BREDERODE
B. ist eine Burg im NW der kleinen Stadt Vianen (NL, Prov. Utrecht) am linken Ufer der Lek gegenüber von → IJsselstein, südlich von Utrecht gelegen. Die Burg wurde im 14. Jh. von Gijsbrecht von Vianen erbaut. Der Name kann eventuell auf den Namen seiner Ehefrau, Beatrix (Bate) van → Egmond, verweisen oder abgeleitet sein vom lat. Wort beata (gesegnet). Ab ca. 1400 gab es ein zweites B. westlich von Harmelen im Stift Utrecht. B. in Vianen diente vom 15. bis 17. Jahrhundert als Residenz der Herren von → Brederode.
Das Gebiet des Städtchens Vianen, in dem sich B. befand, wurde seit dem 11. Jh. bewohnt. Im 13. Jh. kam es in die Hände von Ministerialen des Utrechter Bf.s. Im 14. Jh. geriet es in den Einflußbereich des Gf.en von Holland. Das Wachstum der Siedlung ist den Tätigkeiten des holländischen Adligen Willem van Duivenvoorde (gest. 1353) zu verdanken, der mit einer Tochter des Herrn von Vianen verheiratet war und von diesem das Städtchen als Pfand erhalten hatte. Er verlieh dem Ort 1336 Stadtrecht und beförderte die weitere Entwicklung derart, daß man von einer zweiten Gründung sprechen kann. Der streng rechteckige Straßenverlauf weist auf den gezielten Ausbau- bzw. Gründungsvorgang. Hendrik II. van Vianen (gest. 1418) hatte nur ein Kind, die Tochter Johanna, die 1414 Walraven van → Brederode ehelichte und so das Haus B. an die → Brederode-Familie brachte. Walraven (gest. 1417) und sein Sohn Reinoud (gest. 1473) wohnten dort. Nach Reinouds Tod kam es zu einem Streit über die Vogtei für seinen unmündigen Sohn Walraven II. Im Zusammenhang damit wurde B. belagert. 1481 wurde B. zudem zeitweilig von Utrecht besetzt. Die Herren von → Brederode residierten auf B., bis Stadt und Burg 1567 durch den in span. Diensten stehenden Erich von Braunschweig eingenommen wurden.
Die Burg wurde ca. 1370 von Gijsbrecht van Vianen, Herrn von Vianen, erbaut, der zuvor eine runde Burg des 13. Jh.s bewohnt hatte, die 1271 das erste Mal erwähnt wurde (castrum Vyanen, jetzt Vianen, in der Nähe 't Wed 2). Gijsbrecht van Vianen soll mit Hilfe eines Lösegelds das Gf.en von St-Pol, den er in der Schlacht von Baesweiler im Aug. 1371 gefangengenommen hatte, seine Burg mit einem großen Turm versehen haben, der deswegen den Namen St-Pol erhielt.
Nach einem Brand 1540 wurde die Parochiekirche unter der Aufsicht vom Baumeister Cornelis Frederiksz. van der Gouwe erneuert. In der Kirche wurde ein Grabdenkmal für Reinoud III. und seine 1537 verstorbene Ehefrau Philipote van der Marck errichtet. Die Grabskulptur besteht aus zwei Platten/Steinen. Auf der oberen liegen die Verstorbenen als in Stein gehauene Figuren, während auf der unteren ein verwesender Körper dargestellt ist (transi). Der hölzerne Baldachin wurde wahrscheinlich im 17. Jh. hinzugefügt.
Die Anlage des 16. Jh.s war mit einem Graben umgeben. Durch ein Tor gelangte man in einen Vorhof, der an der Nordseite durch den St-Pol-Turm begrenzt wurde. Die eigentliche Burg war um einen zweiten Innenhof angelegt. Hinter dem Hauptgebäude befand sich ein Garten. In der Burg gab es u. a. einen Saal, eine Kapelle und mehrere Kammern. In der Nordwestecke hatte man ein Bollwerk errichtet. Die Burg wurde im 17. Jh. durch Johan Wolfert van → Brederode (1599-1655) bedeutend verschönert. Gegen Ende des 17. Jh.s wurde sie durch einen Brand schwer beschädigt. Danach setzte ein Verfall ein. Zu Beginn des 19. Jh.s wurde die Ruine abgebrochen. 1969-1971 wurden die Baureste von Archäologen freigelegt. Allein das Hoftor und einzelne Mauerreste sind erhalten geblieben.
Quellen
Salverda de Grave, J. J.: Twee inventarissen van het huis Brederode, in: Bijdragen en Mededeelingen van het Historisch Genootschap 39 (1918) S. 1-172.
Literatur
Geer, B. J. L. De: Rechten van Vianen, in: Verslagen en Mededeelingen – Vereeniging tot uitgave der bronnen van het Oude Vaderlandsche Recht (1892) S, 108-189. – Meyere, J. A. L. De: Ladieu tue – ung me tout. Bij de graftombe van Reinoud III van Brederode en zijn echtgenote te Vianen, in: In het land van Brederode 5 (1980). – Meyere, J. A. L. De/Ruijter, J. M. M.: Kasteel Batestein te Vianen. Aspecten uit de historie van het kasteel en zijn bewoners, Vianen/Alphen aan den Rijn 1981. – Nuijten, I. M. C.: Kasteel Batestein: archeologisch onderzoek, Amsterdam 1998. – Renaud, J. G. N.: Kastelen in het rivierengebied, in: Bulletin Koninklijke Nederlandse Oudheidkundige Bond (1958) S. 115-128. – Perk, Frank: Weerstandsonderzoek naar het lusthuis Ameliastein te Vianen, in: RAAP-notitie 32, Amsterdam 1991.