WERNIGERODE
Für die Zeit bis zum Aussterben des → W.r Gf.engeschlechts im Mannesstamm liegen nur verstreute Nachrichten über die Hof- und Landesverwaltung vor. Wichtigste Amtsträger der Gf.en waren die seit 1239 belegten Vögte oder Landvögte, die im Namen der Gf.en Recht sprachen. 1239 erscheint erstmals ein Godescalcus advocatus in den Urk.n, 1256-1259 ist ein Vogt Otto de Jerecsem belegt, der in der Zeugenreihe hinter den milites des Gf.en steht. Dieser und ein weiterer gfl. Vogt, Bertoldus de Marclevingeroth, werden 1259 als servi bezeichnet, was auf die naheliegende ministerialische Herkunft der Vögte verweist. In den Urk.n der Gf.en werden ferner die Vögte Ludolphus de Reddeber (1259), Gevehard von Langele (1295), Johannes dictus Middenbose (1307 und 1312), sowie Godeke van der Helle (1330) erwähnt.
Früh belegt sind auch die Kapläne der Gf.en. 1259 erscheint erstmals ein Heinricus in castro capellanus. Im selben Jahr wird ein Kaplan Hermannus erwähnt, der zugl. Pfarrer in Haimar, dem Stammsitz der Gf.en, war. Daß die Kapläne wie üblich auch Schreiber der Gf.en waren, zeigt der Fall des Johanes Corre, der 1277 als notarius comitis Conradi, rector ecclesie in Himbere bezeichnet wird. Offensichtlich waren die Kapläne und Notare der Gf.en zumindest bis zum Ende des 13. Jh.s mit der Pfarrei in Haimar bepfründet. Zwischen 1298 und 1307 läßt sich ein Theodericus/Dietrich als Notar nachweisen. 1340 wird erstmals ein Laie, Hermannus, als Notar gen. Der letzte Nachweis für Schreiber des Gf.en stammt dann vom Beginn des 15. Jh.s: 1409 wird erwähnt Ludolfus Kone user scriver, de dussen breff ghescreven het und von unses hetes wg. beseghelt het.
Weitere Hinweise auf die Struktur und den Umfang des gfl. Hofes lassen sich nicht finden. Dies deckt sich aber durchaus mit den Befunden vergleichbarer Höfe: Auch dort lassen die Quellen Aussagen über Hofbedienste und Hofstruktur von Ausnahmen abgesehen erst ab der zweiten Hälfte des 15. Jh.s zu. In dieser Phase der Entwicklung der Höfe und Res.en war das → W.er Gf.enhaus schon ausgestorben, eine eigenständige Hofhaltung in → W. also nicht mehr vorhanden. Man wird daher aus den spärlichen Belegen nicht, wie dies mitunter in der Forschung geschah, auf die geringe Größe der Hofhaltung oder gar auf das Fehlen eines höfischen Lebens überhaupt schließen dürfen.
Literatur
Jacobs, Eduard: Alter und Ursprung der gräflichen Dienerschaft zu Wernigerode, in: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde 21 (1888) S. 89-130. – Jacobs, Eduard: Die Stolbergische Hochzeit auf dem Schlosse zu Wernigerode im Juni 1541, in: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde 7 (1874) S. 1-50.