Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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WEINSBERG

C. Neuenstadt am Kocher

I.

Newe statt Helmbund (1325); Nuwenstadt (1336); später N. an der Linde oder N. am Kocher – Stadtschloß – Herrschaft → Weinsberg; Herren von → Weinsberg, seit 1450 Kfs.en von der Pfalz, seit 1504 Hzg.e von Württemberg – Schloß; Res. im späten 14. und frühen 15. Jh. – D, Baden-Württemberg, Reg.bez. Stuttgart, Lkr. Heilbronn.

II.

Vermutlich um 1320 legten die Herren von → Weinsberg auf einem Hochflächensporn im Mündungswinkel zwischen Kocher und Brettach (161-182 m NN), an der Straße von Wimpfen über → Öhringen nach Schwäbisch Hall, bei einer alten Gerichtsstätte (Linde), eine neue Stadt an und veranlaßten die Einw. des etwa 1,2 km südöstlich davon in der Niederung der Brettach gelegenen Dorfs Helmbund, das danach wüstfiel, zur Umsiedlung in die junge Gründung. Um die Wende zum 14. Jh. sind auf der Gemarkung Gerechtsame der Edelherren von Dürn und der Schenken von → Limpurg bezeugt. Bald nach der Anlage der Stadt, deren Bürger überwiegend vom Acker- und Weinbau lebten und die noch um 1500 nicht viel mehr als 140 Herdstätten umfaßte, entstand in Abspaltung von der Herrschaft → Weinsberg das Amt N. (Oberkellerei) mit den Orten Brettach, Cleversulzbach, Gochsen und Kochersteinsfeld (teilw.; alle Lkr. Heilbronn). Am Ende des 14. Jh.s schlug hier der Ebf. von Mainz Münzen Würzburger Gepräges. Während der ersten Hälfte des 15. Jh.s waren die Stadt und Herrschaft nahezu permanent ganz oder teilw. verpfändet, zumeist an Angehörige des Ritteradels. Schließlich gelangten sie 1450 aus der weinsbergischen Konkursmasse durch Kauf an Kurpfalz und im Landshuter Krieg 1504 durch Eroberung an das Hzm. Württemberg, bei dem sie dann auf Dauer verblieben.

Spätestens seit dem letzten Viertel des 14. Jh.s und ungeachtet aller Verpfändungen diente N. den Herren von → Weinsberg als Res., nachweislich für den österr. Landvogt in den Vorlanden Engelhard (gest. 1417) und seine Gemahlin Anna von → Leiningen, dann auch für beider Sohn, den Reichserbkämmerer Konrad (gest. 1448). Für das spätere 14. und frühere 15. Jh. sind verschiedentlich ritteradlige Vögte und Burgmannen bezeugt. Während der kurpfälzischen Zeit und der ersten 150 Jahre unter württ. Herrschaft fungierte die Stadt nur als Amtssitz, von 1649 bis 1742 jedoch wieder als Res. einer Nebenlinie (Württemberg-N.) und bis 1781 als Wohnsitz unverheirateter Töchter.

Bis ins ausgehende 15. Jh. blieb die seit 1301 dem Kl. Schöntal an der Jagst (Hohenlohekr.) inkorporierte Pfarrei St. Kilian in Helmbund (Diöz. Würzburg, VI. Archidiakonat, Landkapitel → Weinsberg) für N. zuständig. Allerdings bestand in der Stadt selbst – an deren oberem Ende, unmittelbar neben dem Schloß – schon frühzeitig eine Kapelle zu Ehren Unserer Lieben Frau, die spätere Schloß- und Stadtkirche, in die nacheinander vier Pfründen gestiftet wurden: 1334 eine Ewigpfründe, 1336 durch Agnes von → Weinsberg geb. von → Brauneck eine Frühmesse am St. Erasmus-Altar, 1391 eine Kaplanei am St. Katharinen-Altar und schließlich 1408 durch Anna von → Weinsberg geb. von → Leiningen eine Pfründe am Katharinen-, Maria Magdalenen- und Nikolaus-Altar daselbst; 1453 findet eine Altarpfründe Allerheiligen Erwähnung. Gelegentlich der Erhebung zur eigenständigen Pfarrei i.J. 1481 erscheint St. Nikolaus als alleiniger Titelheiliger der Kirche. Nach der Reformation war N. Sitz einer evangelisch-lutherischen Diöz. (Dekanat) für das württ. Gebiet um die Unterläufe von Kocher und Jagst.

III.

Ausgehend von dem spitzen Mündungswinkel zwischen Brettach und Kocher bildet der Grdr. N.s ein langgezogenes, nach O den Berg hinaufwachsendes Dreieck mit zwei Längsstraßen, rippenartig angelegten Seitenstraßen und einem rechteckigen Markt- bzw. Schloßplatz. Ummauert war freilich nur die obere Hälfte der Stadt, während der Unter- oder Vorstadt die sie flankierenden Flüsse einen natürlichen Schutz boten. In der nordöstlichen Ecke der oberen Stadt liegen das Schloß und unmittelbar südlich daran angebaut die Schloß- oder Stadtkirche, der der obere Torturm als Kirchturm dient. Auf der anderen Seite der Straße erstreckte sich ein stattliches Anwesen des Kl.s Schöntal. Jenseits des die Stadt an ihrem höchsten Punkt schützenden Halsgrabens liegt der alte, als Gerichtsstätte 1448 ausdrücklich bezeugte und in den Jahren nach 1551 repräsentativ gestaltete Lindenplatz.

Von der Burg der Herren von → Weinsberg ist so gut wie nichts erhalten. An ihrer Stelle ließ Hzg. Christoph von Württemberg 1559/70 als Vierflügelanlage ein neues Schloß mit Fachwerkobergeschossen errichten, das fortan als Res. nachgeborener Prinzen respektive als Wwe.nsitz dienen sollte. Um- und Erweiterungsbauten, enstanden unter Mitwirkung von Heinrich Schickhardt und datieren aus der ersten Hälfte des 17. Jh.s. Im W an das Schloß anschl., nördlich des Marktplatzes, liegt das ganz aus Stein gebaute Amtshaus.

Für Hzg. Christoph (gest. 1568) sind in den 1550/60er Jahren mehrere Aufenthalte in N. bezeugt. Unter den Hzg.en Friedrich (gest. 1682) und Friedrich August (gest. 1716) entstanden im Schloß eine umfangr. Bibliothek, ein hauptsächlich durch den frz. Arzt Charles Patin (gest. 1693) zusammengetragenes Münzkabinett sowie eine kostbare Rüst- und Kunstkammer. 1716 wurden diese Sammlungen nach → Gochsheim verbracht, 1729 nach Stuttgart.

Mehreren Herren und Frauen von → Weinsberg (bis 1413) sowie den meisten Angehörigen der hier ansässigen Linie des Hauses Württemberg (17./18. Jh.) diente die N.er Schloß- und Stadtkirche als Grablege.