WEINSBERG
I.
Castrum Gudenberg (1296), sloss Gutenberg (1429), G., das sloß (1483) – Höhenburg – Herrschaft G.; Herren von → Weinsberg – Burg; Res. seit dem späteren 14. Jh. – D, Baden-Württemberg, Reg.bez. Karlsruhe, Neckar-Odenwald-Kr., Gmd. Haßmersheim, Ortsteil Neckarmühlbach.
II.
Burg G. (224 m NN) liegt am südöstlichen Rand eines ausgedehnten Waldgebiets – des 988 von Ks. Otto III. der Wormser Kirche übertragenen Wimpfner Bannforsts – auf einem Bergsporn über der Mündung des Mühlbachs in den Neckar und wurde um das Jahr 1200 im Zusammenhang mit der Ks.pfalz in Wimpfen gegr. Ihr Name ist den Tugendbegriffen der höfischen Literatur entlehnt. Das zu Füßen der Burg gelegene Dorf (Neckar-) Mühlbach entstand als Burgweiler; seine Bewohner fanden ihren Lebensunterhalt von alters her im Dienst auf dem Schloß sowie in der ganz von diesem abhängigen Land- und Forstwirtschaft. Zu der vom Hochstift Worms lehnbaren Herrschaft G. gehörten neben der Burg und dem zugehörigen Weiler das Dorf Hüffenhardt, das halbe Dorf Kälbertshausen sowie ein Sechzehntel der obrigkeitlichen Gerechtsame in Siegelsbach. Ob es sich bei den frühesten hier ansässigen Herren – zweifellos Reichsministerialen – bereits um Angehörige der Familie von → Weinsberg handelte, ist nicht bekannt, jedoch befanden sich Burg und Herrschaft spätestens am Ende des 13. Jh.s in Händen der Weinsberger. Von der Mitte des 14. bis in die Mitte des 15. Jh.s waren Teile der Burg nahezu ständig an oft wechselnde ritteradlige und gfl. Gläubiger aus der näheren und weiteren Umgebung verpfändet; aber gleichwohl blieb sie stets Wohnsitz weinsbergischer Agnaten, u. a. des Mainzer Ebf.s Konrad von → Weinsberg (gest. 1396), und wurde in den 1420er Jahren ob ihrer verkehrsgünstigen Lage über einem schiffbaren Fluß, ihrer Nähe zu den Reichsstädten Wimpfen und Heilbronn sowie ihrer Nähe zu dem bedeutenden Heidelberger Hof von dem Reichserbkämmerer Konrad von → Weinsberg (gest. 1448) zu seinem Hauptsitz erkoren. Nach Konrads Tod verkauften die Konkursverwalter Burg und Herrschaft 1449 an Hans von Gemmingen, dessen Nachkommen noch heute auf G. leben.
Kirchlich gehörte die Burg zur alten Diöz. Worms (Archidiakonat des Stiftspropsts von St. Peter in Wimpfen, Landkapitel Schwaigern) und war Filial der Stift Wimpfner Patronatspfarrei Heinsheim. In die unmittelbar beim Dorf, am Neckar gelegene Nikolaus-Kapelle stiftete Konrad von → Weinsberg (gest. 1323) 1296 eine Kaplanei zu Ehren der Hl. Katharina. Eine innerhalb des Burgfriedensbezirks, halbwegs zwischen Burg und Dorf gelegene Kapelle mit dem Patrozinium des Hl. Eucharius wurde 1393 durch Ebf. Konrad von Mainz ganz neu gegr. und dotiert; sie ist seit 1469 eigenständige Pfarrkirche. Die alte Nikolaus-Kapelle ging in der Reformation unter.
III.
Weil die seit der Stauferzeit nahezu ununterbrochen bewohnte Burg im Lauf der Jh.e vielfach um- und neugebaut wurde – namentlich im 16. und 18. Jh. –, ist der ma. Baubestand nur noch teilw. zu erkennen. Die ältesten erhaltenen Teile sind die hohe, gegen die Bergseite errichtete Schildmauer und der davorgesetzte Bergfried; beide stammen aus der Gründungszeit. Der innere, freilich nur auf der Westseite vorgelagerte Zwinger (mit einem Rundturm) dat. aus dem 14. Jh. Der äußere, mit fünf Rundtürmen bewehrte Zwinger entstand im 15. Jh., dürfte allerdings bereits der nachweinsbergischen Zeit zuzurechnen sein. Die beiden einst bergseitig eingetieften Halsgräben (1377) sind größtenteils verfüllt, der äußere seit der Mitte des 16. Jh.s gänzlich verschwunden. Allein der Grdr. der Kernburg (ca. 40 x 30 m) hat seinen ursprgl., weitgehend ovalen Charakter bis auf den heutigen Tag bewahrt. Die Wohngebäude, die zumindest teilw. auf älteren Fundamenten ruhen, umschließen einen nicht sehr geräumigen Innenhof, den man seit ältesten Zeiten von N her betritt. Die Vorburg mit Wirtschaftshof, Marstall, Scheunen und sonstigen Nebengebäuden (1441), war der Hauptburg im NW vorgelagert und vom Dorf her über den Kirchsteig, vorbei an der Eucharius-Kapelle, erreichbar.
Neben dem Leiter der Eigenwirtschaft waren 1417 auf G. mind. sechs Knechte tätig. Ansonsten läßt sich das herrschaftliche Leben auf der Burg nur aus Indizien erschließen. Zum einen bezeugen zahlr. aus Rechnungen nachgewiesene Transporte von Gütern des täglichen Bedarfs die bes. Stellung G.s als bevorzugter Aufenthaltsort des Reichserbämmerers. Zum anderen scheint die Eucharius-Kapelle in der ersten Hälfte des 15. Jh.s das geistliche Zentrum der weinsbergischen Herrschaft gewesen zu sein. Obgleich als Burgkapelle nur sehr klein dimensioniert, war sie mit Pfründen und Kirchenschmuck wohldotiert, wurde aus der näheren und weiteren Verwandtschaft wiederholt mit Zustiftungen bedacht und strahlte – nachvollziehbar u. a. anhand der Verbreitung des Taufnamens Eucharius im Ritteradel – mit ihrem Patrozinium in den Speyergau, in den Kraichgau, ins Neckarland und nach Franken aus.