WALDECK
I.
Nicht das eigtl. verkehrsgünstiger an der Straße von Marburg nach Paderborn situierte Korbach, sondern die östlich auf einem Bergsporn gelegene Burg W. an der Eder (Lkr. W.-Frankenberg) wurde zur wichtigsten namengebenden Res. der Gf.en von → W. Einer der bedeutendsten Gründe für die Wahl dieses Ortes wird in einem Ausweichen vor der Dukatspolitik der Kölner Ebf.e zu sehen sein. Der Name der Burg (Waldekke, W.e, Waldeke, Waltheke) ist nicht singulär und findet sich auch in anderen Regionen (z. B. Hunsrück).
Ursprgl. handelt es sich bei der heute als »Schloß« bezeichneten Anlage um eine Höhenburg des 12. Jh.s (1120 Ersterwähnung) aus dem Besitz der Gf.en von Ziegenhain. Von 1228 bis zur Verlegung nach Arolsen 1665 war W. die Res. der Gf.en von W. Östlich der Burg, abgetrennt durch eine Einsattelung, entstand eine städtische Siedlung, die zunächst als oppidum Rode, später als W.en bezeichnet wurde.
II.
Heute liegt die Burg etwa 140 m über der zum Beginn des 20. Jh.s angestauten Edertalsperre im Naturpark Edersee. Im MA spielte die Burg, auf Mainzer Gebiet liegend, im Grenzgebiet der Einflußbereiche der Diöz.n Köln, Paderborn und Mainz eine wichtige Rolle in dem Kräftespiel der Region und lag relativ im Zentrum des Herrschaftsraumes der Gf.en von W. Am 9. Mai 1252 stellt Kg. Wilhelm von Holland hier eine Urk. aus, Ks. Wenzel und seine Gemahlin Johanna statteten 1378 der Burg einen Besuch ab.
Im Gegensatz zu Korbach hatte das oppidum W. selbst nur geringe wirtschaftliche Bedeutung und war allein mit beschränkter Marktgerechtigkeit privilegiert. 1232 findet sich die erste Erwähnung der Bürgerschaft, ab 1266 sind Stadtsiegel überliefert. Eine Ratsverfassung mit Bürgermeister, Schultheiß und Ratsleuten läßt sich seit Beginn des 14. Jh.s nachweisen. Jedoch ging die Funktion über die einer Ackerbürgerstadt und Verwaltungsstadt als Sitz des Amtes W. (bis 1816) nicht hinaus. 1343 werden hier Vögte, seit 1370 Amtmänner gen. Im SpätMA umfaßte das Amt W. die Dörfer Affoldern, Bergheim, Bringhausen Buhlen, Gellershausen, Hemfurth, Kleinern, Königshagen, Mehlen, Netze und Niederwerbe.
Die 1236 geweihte und um 1300 erneuerte Marienkirche des Ortes wurde nach der Reformation im 16. Jh. stark umgebaut. Die Pfarrei war dem Kl. Netze unterstellt, hier lag auch das Präsentationsrecht, während die Ernennung durch den Offizial der Propstei Fritzlar erfolgte. Anfänglich wurde das Pfarramt in Personalunion vom Kaplan der Burg ausgeführt, Beginn des 14. Jh.s fand eine Trennung der Ämter statt.
III.
Der älteste heute noch existierende Teil der etwa dreieckigen Hauptburg ist der mehrfach umgebaute runde Bergfried aus dem 13. Jh. (später Archivturm, dann Wasserturm). An ihn schlossen sich der etwa gleichzeitig erbaute, 1734 abgebrochene Südflügel an, der die 1279 erstmals erwähnte Elisabethkapelle enthielt (seit 1228 wird ein Burgkaplan gen.). Auf Teilen der Fläche wurde 1986-1988 ein Museumsneubau errichtet.
Auch der 1500-1577 errichtete Nordflügel (ein dreigeschossiger Steinbau mit Treppenturm an der Hofseite und einem durch Inschrift auf 1544 datierten spätgotischen Portal) wurde nach einem Brand 1940 in den Jahren 1948-1952 und 1958/59 mit einem modernen Inneren wiedererrichtet. An dem Portal finden sich Allianzwappensteine aus den Jahren 1500, 1574 und 1577, letztere von A. Herber. Den Bau des Nordflügels initierte Gf. Heinrich VIII. nach der zweiten Landesteilung, er sollte in der nun entstandenen Ganerbenburg als Wohnung der Wildunger Linie dienen. Zur gleichen Zeit fanden auch Erneuerungsarbeiten an dem der Eisenberger Linie zugesprochenen Südflügel statt.
In den großen in den Fels gehauenen Kassematten unter dem Nordflügel befanden sich eine Handmühle, ein Wasserreservoir und einige Backöfen. Das Erdgeschoß diente als Zeughaus und Waffensaal, darüber lagen die Wohnräume. Im Dachgeschoß war ein Fruchtboden.
Durch einen im 20. Jh. errichteten Flügel ist der 1611 errichtete Marstall mit dem Tor verbunden. An der Ostseite finden sich drei Bastionen, der sog. Hexenspund mit Gewölben und Kasematten des 15./16. Jh.s. Der 1543/44 errichtete Torturm wurde 1733 zu einem Flügelbau erweiert und 1810 vergrößert. Erst im 16. Jh. wurde eine Vorburg mit einem Schachtbrunnen (120 m tief) mit Brunnenhaus angelegt, um die Wasserversorgung der Burg zu sichern. Das 1544 erbaute Torhaus der Vorburg wurde 1755 erneuert, das äußere Tor mit seitlichem Turm 1637 errichtet. Die Vorbefestigungen und Schanzen stammen aus den Jahren 1621-1624 und 1634/44. Aus dieser Zeit stammt auch der Eingang zum Brauhaus und den unterirdischen Verliesen der Ostseite.
Die zahlr. Um- und Anbauten lassen sich zum einen mit der Entwicklung zur Ganerbenburg nach der Landesteilung 1486 und weitern Erbverträgen erklären, zum anderen aber auch durch Belagerungen und Eroberungen während des Dreißigjährigen und des Siebenjährigen Krieges. Zu diesem Zeitpunkt war die Burg nicht mehr Res., sondern Festung und Sitz des Schloßkommandanten, dann Zuchthaus und Frauengefängnis (1743-1869). Während des dt.-frz. Krieges diente das Schloß zur Unterbringung frz. Kriegsgefangner. Seit 1906 besteht ein Restaurant- und Hotelbetrieb. Die Burg ist heute Eigentum der W.ischen Dominalverwaltung.
Quellen
Marburg, Staatsarchiv: Urkunden von 1189-1671, Urkundenkopiar, Akten der älteren Kanzlei.
Literatur
Böhme, Klaus: Die ältesten Burgen im Waldecker Land. Von vor- und frühgeschichtlichen Erdwerken, Wallburgen und Ringwällen, in: Waldeckischer Landeskalender 266 (1993) S. 83-88. – Ganssauge, Gottfried/Kramm, Walter/Medding, Wolfgang: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Kassel, Kreis der Eder. NF, Bd. 4, Korbach 1960. – Herzog, Jochen: Schloß und Stadt Waldeck am Edersee. Mit einer Genealogie der Grafen und Fürsten zu Waldeck, Waldeck 1980. – Menk, Gerhard: Der Weg zur waldeckschen Residenz Arolsen, Arolsen 1996 (Waldeckische Historische Hefte, 5). – Menk, Gerhard: Vom Burgmannensitz zur Stadt des Fremdenverkehrs. 750 Jahre Geschichte der Stadt Waldeck im Überblick, in: Geschichtsblätter für Waldeck 71 (1983) S. 47-57.