WALDECK
I.
Der Ausbau der Herrschaft W. erfolgte auf der Grundlage von Eigenrechten, Vogteirechten und Gerichtsrechten. Die Eigenrechte im nordhessischen Raum gelangten durch Liutrud von Itter und Liutgard von Ziegenhain-Reichenbach an die Familie. Für die herrschaftliche Durchdringung bedeutsamer waren jedoch die unterschiedlichen Vogteigerechtsame, die die (1189/93 verlorene) Paderborner Hochstiftsvogtei und die Vogtei über die Corveyer Besitzungen im südöstlichen Westfalen und Nordhessen mit sich brachten. Im Paderborner Raum sind zusätzlich Vogteien der Stifte Busdorf und Abdinghof anzusprechen, Vogteirechte unterschiedlicher Bedeutung bestanden für Bredelar, Hardehausen, Willebadessen, Neuenheerse, Geseke, Schildesche, Propstei Marsberg, Dalheim, Wormeln, Grafschaft, Glindfeld, Meschede, Böddeken, St. Blasien Northeim und Helmarshausen. Rechte Mainzer Provenienz finden sich für Hersfeld, Fulda, Haina, Kaufungen, St. Johannes Mainz, St. Peter Fritzlar und Hasungen. Hinzu kommen die im w.ischen Raum gelegenen Kl. und Stifte Arolsen, Flechtdorf, Berich, Oberwerbe, Schaaken, Höhnscheid, Netze, Volkhardinghausen und → Butzbach. Das zweite wichtige Mittel des Herrschaftsausbaus waren Gerichtsrechte. Neben den Freigerichten (Elleringhausen, Freienhagen, Fürstenberg, Korbach, Külte, Landau, Lichtenfels, Mengeringhausen, Sachsenhausen, Usseln) nutzen hier die W.er v.a. die Gogerichte (z. B. Flechtdorf, Marsberg, Medebach, Mederich) zur herrschaftlichen Durchdringung und Territorialisierung. Die Verdichtung der Herrschaft zwischen Diemeltal und Ederbergland wird seit dem 14. Jh. greifbar in der Entstehung der Ämter Rhoden, Mengeringhausen, Landau, Wetterburg, Eisenberg (mit Korbach), Lichtenfels, W., Wildungen und Züschen. Waren zunächst Teile der Gft. W. von Mainz lehnsabhängig, wurden sie 1349 Reichslehen. Eine Erbteilung in die Linien der Eisenberger und der Wildunger i.J. 1397 schwächte die Gft., beide Linien mußten sich aus Finanznot 1431/38 unter die Lehnshoheit der Lgft. Hessen begeben.
II.
Seit 1189 findet sich in Urk.n das Amt des W.er Truchsessen, im 13. Jh. sind Marschälle und Notare nachweisbar. Diese Anzeichen für eine ausgebaute Hofhaltung stehen vereinzelt und bedürfen noch der näheren Erforschung. Gegen Ende des 12. Jh.s werden erstmals cocus und pincerna, Ende des 13. Jh.s ein camerarius und 1318 ein cellerarius am Hof gen. Seit 1447 ist die Stellung eines Hofmeister überliefert.
Quellen
WUB = Westfälisches Urkundenbuch = Regesta Historiae Westfaliae accedit Codex diplomaticus, Bd. 1: Von den ältesten Zeiten bis 1125, hg. von Heinrich August Erhard Münster 1847, Bd. 2: 1126-1200, hg. von Heinrich August Erhard, Münster 1851, Additamenta zum Westfälischen Urkunden Buch, bearbeitet von Roger Wilmans, Münster 1877, Bd. 3: Bistum Münster 1200-1300, hg. von Roger Wilmans, Münster 1871, Bd. 4: Bistum Paderborn 1200-1300, hg. von Roger Wilmans, Münster 1874; Bd. 5: Papsturkunden, hg. von Heinrich Finke, Münster 1888; Bd. 6: Bistum Minden 1200-1300, hg. von Hermann Hoogeweg, Münster 1898; Bd. 7: Kölnisches Westfalen 1200-1300, bearb. vom Staatsarchiv Münster, Münster 1908.
Literatur
Baum, Herbert: Die Begräbniskapelle des Waldekkischen Regentenhauses in Bad Wildungen, in: Waldekkische Geschichtsblätter 54 (1962) S. 105-111; 56 (1964) S. 222. – Bockshammer, Ulrich: Ältere Territorialgeschichte der Grafschaft Waldeck, mit Beiträgen von E. E. Stengel, C. Cramer und Willi Görich, Marburg 1958 (Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde, 24). – Cramer, Claus: Die Stifterfamilie des Klosters Arolsen. Eine Studie zur Entstehung der Grafschaft Waldeck, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 1 (1951) S. 110-127. – Cramer, Claus: Territoriale Entwicklung, in: Waldeckische Landeskunde, hg. von Bernhard Martin und Robert Wetekam, Arolsen 1971, S. 110-261. – Decker, Rainer: »Ubi lis continua et pax est rata". Die Fehden im Süden des Bistums Paderborn gegen Ende des 14. Jahrhunderts, in: Kloster – Stadt – Region. Festschrift für Heinrich Rüthing, hg. von Johannes Altenberend, Bielefeld 2002 (Sonderveröffentlichung des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg, 10), S. 235-250. – Gaul, Otto: Aus der Zeit der gemeinsamen Herrschaft der Grafen Volkwins IV. und Adolfs von Schwalenberg und Waldeck, in: Geschichtsblätter für Waldeck 54 (1962) S. 73-79. – Kloppenburg, Walter: Die waldeckischen Landesteilungen im 13. und 14. Jahrhundert, in: Geschichtsblätter für Waldeck 54 (1962) S. 80-87. – Menk, Gerhard: Der Weg zur waldeckschen Residenz Arolsen, Arolsen 1996 (Waldeckische Historische Hefte, 5). – Menk, Gerhard: Waldecks Beitrag für das heutige Hessen, Wiesbaden 1995 (Hessen: Einheit aus der Vielfalt, 4). – Neumann, Gerhard: Kirche und Gesellschaft in der Grafschaft Waldeck am Ausgang des Mittelalters, Bad Arolsen 2001 (Waldeckische Forschungen, 11). – Platte, Hartmut: Waldeck und Pyrmont: Geschichte eines Fürstenhauses, 4. Aufl., Werl 2008 (Deutsche Fürstenhäuser, 3). – Pöppel, Diether: Burgen als Amtssitze der sieben Bezirke der Landesregierung. Graf Adolf I. begründete die Grafschaft Waldeck und richtete die Verwaltung ein, in: Mein Waldeck 114 (2001) S. 1-4.