[WERDENBERG-SARGANS-]VADUZ
I.
Für den 1021 erstmals urkundlich erwähnten Ort am Rand der Alpenrheintalebene auf der rechten Seite des Flusses sind zahlr. historische Schreibweisen überliefert (V., Vadutz, Vidutz, Fadutz, Fadutze, Vidutz, vallis dulcis, usw.). Etymologisch geht der Name auf eine alträtische Form *auadutg für das lat. aquaductus (Bewässerungsleitung, hier im Sinne eines Mühlekanals). V. war 1342-1416 nominell Res. der Gf.en von V., 1416-1510 der Frh.en von → Brandis, 1510-1613 der Gf.en von → Sulz und 1613-1684 der Gf.en von Hohenems.
II.
V. liegt auf halbem Wege zwischen Chur und dem Bodensee an der viel begangenen Straße des Mailänder Boten (Lindau, → Feldkirch, Luzisteig). V. war Mittelpunkt der gleichnamigen Gft., Sitz eines herrschaftlichen Landvogtes, Gerichtsort, auch Tagungsort der oberen Landschaft. Die Wirtschaft gründete sich v.a. auf den Weinbau und den Landbau. Wiederholte Marktgründungsversuche seit 1592 blieben ohne nachhaltigen Erfolg, da die Konkurrenz von → Feldkirch zu groß war, sodaß auch ein leistungsfähiges Handwerk nicht aufkommen konnte. 1343 legte ein Schiedsspruch zugunsten Hartmanns III. von V. fest, daß die Bürger von → Feldkirch und andere montfortische Untertanen den Zoll zahlen sollten wie andere auch, die die Straße befuhren. V., im Pfarrsprengel von Schaan gelegen, gehörte zur Diöz. Chur, hier zum Archidiakonat Unterlandquart. Im Ort V. befand sich die im 14. Jh. gestiftete Schloß-Kapelle St. Florin mit der gfl. Grablege.
Die Einw. von V. blieben bis ins 19. Jh. Leibeigene der Gf.en. V. konnte nicht zu einer Stadt aufsteigen, die Selbstverwaltung blieb auf lokale Verhältnisse beschränkt. Der herrschaftlich Einfluß blieb bestimmend. Es gab wohl im Rahmen der Landtage Spannungen zwischen den Einw.n und der Landesherrschaft, bes. über Fragen der Steuer. Die Herrschaft konnte sich jedoch in aller Regel durchsetzen und ihren Einfluß bes. im 18. Jh. noch beträchtlich auf Kosten der Selbstverwaltungstendenzen verstärken.
Die Ortsgeschichte weist nur wenig spektakuläre Ereignisse auf. Im Schwabenkrieg von 1499 wurde V. (Ort und Schloß) von den Eidgenossen erobert und zerstört. Im Bauernkrieg von 1525 regte sich erheblicher Widerstand gegen die Herrschaft, doch konnten die Anführer trotz der Niederlage der Bauern ihr öffentliches Ansehen behaupten. Die Ortsbewohner fanden bei der Herrschaft als Bedienstete in untergeordneten Stellungen Arbeit, nie aber als leitende Beamte, die sich aus dem regionalen Niederadel bzw. seit dem 16. Jh. aus der Bürgerschaft von → Feldkirch oder aus Schwaben rekrutierte.
III.
Die Anfänge der über dem Ort liegenden Burg werden für die Zeit um 1230/50 vermutet. 1322 ist ein Baumgarten bei der Burg bezeugt. Der ma. Kernbau verfügte bereits über große Keller und Vorratsräume. Im ausgehenden 14. Jh. entstanden nördlich des Bergfried zwei gewölbte Geschosse als Wirtschafts- und Wohngebäude. Die frühe Existenz einer Mühle im Schloßbereich läßt sich aus der Etymologie von V. ableiten. Im Schloß befanden sich ein Archiv und eine Bibliothek. Als 1796 plündernde Franzosen auf der Suche nach Wein die Archivalien in den Schloßgraben warfen, konnte der Landvogt Franz Xaver Menzinger einen Teil der Bestände retten. Über die Bibliothek ist wenig bekannt; wiederholt haben die Landvögte einzelne Werke historischen Inhalts geschenkweise den Gf.en überlassen. Von einer Kunstkammer kann wohl erst seit dem 20. Jh. gesprochen werden, seit die Fs.en von Liechtenstein das Schloß, das sie 1712 durch Kauf erworben hatten, um 1904/14 restaurierten und dort 1938 zu ihrer Res. erhoben.