Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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BRANDIS

C. Marschlins

I.

Dieses Bedürfnis nach Repräsentation befriedigte auch die Burg M., nördlich von Chur im Alpenrheintal bei Igis (Bezirk Landquart, Kanton Graubünden) in verkehrsgünstiger Lage gelegen. Der Name leitet sich von dem 1225 erstmals erw. Flurnamen Marschaninnes her, von marcidus = sumpfiger Boden. Die um die Mitte des 13. Jh.s von den Bf.en von Chur gegr. Burg, die bis ins 16. Jh. ein Wasserschloß war, kam 1337 als bfl. Lehen an die Hzg.e von Österreich, 1355 an die Gf.en von → Toggenburg und gelangte 1437 aus dem Erbe Friedrichs von → Toggenburg an die → Brandis, die M. 1442 an die Sigberg verpfändeten. 1460 brannte die Burg ab, wonach die Sigberg und → Brandis über die Kosten des Wiederaufbaus in Streit gerieten. 1462 verkaufte Ehzg. Sigmund von Österreich, die Lehnsoberhoheit des Bf.s ignorierend, die Burg, die lange wuestlich und oede gestannden und villeicht ganntz in abnemung komen waere, auf dessen Bitten an Ulrich von → Brandis mit dem Auftrag, die Burg wieder aufzubauen und für Österreich offen zu halten. Der Dompropst Johannes von → Brandis verpfändete 1509 M., da er die von ihm geschuldeten Kriegskosten für den Schwabenkrieg sonst nicht hätte zahlen können. Vom der von den → Brandis umgebauten Burg sind keine Spuren mehr vorhanden. Um 1635 entstand anstelle der verwahrlosten Burg ein neuzeitliches Schloß.