UNGNAD VON WEIßENWOLFF
I.
Res.en der U. von W. sind Waldenstein, Sonnegg, Bleiburg, Plankenwarth, Ennsegg, Steyregg. Die vor der Erhebung in den Gf.enstand verlorenen Hauptres.en der U. waren Waldenstein und Sonnegg in Kärnten. Der Erwerb der neuen Hauptres. Steyregg liegt wie der Erwerb des Reichsgf.enstands am Ende des Untersuchungszeitraums dieses Bandes, so daß hier nur knappe Hinweise möglich sind.
Waldenstein liegt im Tal der Lavant etwa 14 km nordöstlich von Wolfsberg (zwischen Klagenfurt und Graz). Das Bambergische Lehen war seit 1282 im Besitz der U. und wurde von der Erbin Margarethe Elisabeth, verh. Lgf.in von Hessen-Homburg 1637/38 an den Bf. von Bamberg verkauft. Die Burg wurde 1255 erstmals gen., der große romanische Bergfried des 13. Jh.s mit drei- und viergeschossigen Ergänzungsbauten um den rechteckigen Hof der Gotik und Renaissance ebenso wie die Schloßkapelle erstmals 1464. Über dem südlichen Eingang liegt ein Renaissance-Arkadengang mit wuchtigen Säulen und breitem Treppenaufgang. Der Zugang zum Schloß führte über eine Zugbrücke. Ökonomisch war Waldenstein durch die Eisenerzbergwerke im Tal und das bereits 1352 von den U. betriebene Hammerwerk unterhalb der Burg bedeutsam.
Sonnegg liegt im Jauntal etwa 15 km südlich von Völkermarkt und 5 km südlich von Eberndorf. Schloß und Herrschaft waren von 1442/44 im Besitz der U. Hans I. U. erhielt von Friedrich III. die Erlaubnis, die verpfändete Veste mit Zubehör von Parzival von Rabenstein auszulösen, und sie als erbliches Lehen eigentümlich zu besitzen (Wiener Neustadt 1. Nov. 1444). Hans I. arrondierte die Herrschaft, 1497 verlieh Ks. Maximilian I. dazu das Halsgericht mit Stock und Galgen. Die Erbin der älteren Linie U., Lgf.in Margarethe Elisabeth von Hessen-Homburg, verkaufte Sonnegg 1639 an Johann Andre Gf. von Orsini- → Rosenberg. Die Burg wird urkundlich 1267 erwähnt und wurde mitsamt der prächtigen Zubauten der Renaissance 1690 durch ein Erdbeben zerstört. Der Nachfolgebau entstand als einfacher zweigeschossiger rechteckiger Wirtschaftshof.
Allenfalls eine Generation lang war Bleiburg, das Andrä (gest. 1557) durch seine Ehe mit Anna Lodron erwarb, Sitz der U. Es liegt etwa 15 km östlich von Eberndorf. Andräs Sohn David I. (gest. 1600) war fast zeitlebens unterwegs in landesfsl. Kriegs-, Gesandtschafts- und Hofdiensten, sein gleichnamiger Enkel Andrä verkaufte Bleiburg bereits 1601.
Schloß Plankenwarth in der Steiermark, um 1430 durch Wülfing U.s Frau Margarethe an die U. gekommen und 1443 als landesfsl. Lehen zunächst an ihren Sohn Georg verliehen, wurde bereits 1532 von Andrä mit Billigung seines Bruders Hans III. wieder verkauft. Es liegt etwa 7 km westlich von Graz in den Bergen und diente den U. nicht längerfristig als Wohnsitz.
Auch Ennsegg diente den U. nur wenige Jahre als Hauptwohnsitz. David I. (gest. 1600) erwarb das bei Enns gelegene Schloß 1599 oder 1600. Es wurde als einziger größerer Besitz von seinem Sohn Andrä genutzt, bevor dieser 1620 aus Österreich floh. Ennsegg kam nach der Konfiskation von 1623 an Otto Joseph Frh. von → Kirchberg. 1656/57 kaufte David II. U. Gf. von W. Schloß und Herrschaft Ennsegg zurück. Seine Hauptres. indes war Steyregg.
Steyregg (I.) liegt wenige Kilometer flußabwärts von Linz am nördlichen Donauufer nahe der Mündung der Traun. Es gab dort einen Donauübergang und damit einen Verkehrsknotenpunkt, der im frühen MA für den Salzhandel bes. Bedeutung hatte, dann aber hinter Linz zurückblieb. Für die Erklärung des Namens Steyregg werden zwei Erklärungen geboten. Die eine leitet das Wort von styr (Fluß) als Flußbiegung ab, die andere sieht in der Wortbildung den Widerhall einer ma. Belehnung an die steirischen Mgf.en.
Früh gelangte Steyregg an das Hochstift Passau. Zu Burg bzw. Schloß gehörte die gleichnamige Herrschaft, die im MA bis nach Linz reichte. Nach verschiedenen Vorbesitzern wurde Steyregg 1280 von Ulrich von Capellen erworben. Mit dem Erlöschen der Capeller 1406 verlieh das Hochstift Passau das Lehen an die Liechtensteiner, die nach Georg IV. von Liechtenstein eine Steyregger Linie ausbildeten. Hartmann II. von Liechtenstein (1544-1584) verpfändete Steyregg. 1580 erfolgte der Verkauf an die mit Hartmann II. verschwägerten Jörger. Bei der Rebellion gegen die Habsburger 1620 war Steyregg im Besitz Helmards IX. Jörger von Tollet (1572-1631). Das Hochstift Passau betrachtete das Lehen 1625 als erledigt und führte gegen Helmhard IX. einen Felonieprozeß. Beigelegt wurde der Streit durch die Belehnung von Jörgers Schwiegersohn David II. U. mit Steyregg gegen Zahlung von 65 000 fl. i.J. 1635. Seit 1635 ist Steyregg im Besitz der U. bzw. U. Gf.en von W. bzw. seit 1944/46 der → Salm-Reifferscheidt-U.-W.
II.
Der Vorgängerort von Steyregg lag direkt am Ufer der Donau. Die Hauptsiedlung wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jh.s verlegt und direkt unterhalb der Burg planmäßig neu angelegt. Der neue Ort nahm einen quadratischen Platz längs der Hauptstaße ein. Erweitert wurde das ummauerte Areal durch eine parallel verlaufende und durch eine Verbindungsgasse angeschlossene Straße. 1282 wurde Steyregg mit Zoll- und Mautfreiheit zum Markt erhoben und 1474 und 1504 als Stadt bezeichnet. Die Stadt unterstand aber weiter der Herrschaft Steyregg.
Bei der Verlegung der Siedlung blieb die Kirche im sog. Dörfl (Vorgängerort, bis Mitte des 14. Jh.s Tabersheim/Tafersheim gen.). Das Patronatsrecht der Kirche lag nie bei den U., sondern zunächst beim Bf. von Passau, ab 1374 bei den Capellern, später beim Kl. Pulgarn, 1609/12-1773 bei den Jesuiten, die Pulgarn übernahmen, hernach beim Religionsfonds und seit 1837 beim Stift St. Florian. Den Friedhof nutzten die U. von W. erst im 19. Jh. und errichteten im späten 19. Jh. einen historistischen Gruftbau. Das zu Steyregg gehörtende Spital Tafersheim führten die U. weiter (Abriß 1937); Maria Elisabeth U. Gf.in von W. erhielt 1648 die Genehmigung, im Spital für die Einw. Messen lesen zu lassen. Die u.'sche Spitalmeisterinstruktion von 1666 ist erhalten. Zur Sakrallandschaft gehört das 1111 urkundlich erwähnte Kl. Pulgarn etwas östlich von Steyregg. 1424 plünderten Hussiten das Kl. Georg IV. von Liechtenstein (1427-1444) half ihm wieder auf. 1567 wurde das Kl. aufgelöst und nach einem Brand (1591) 1609/12 den Jesuiten übergeben, welche die Anlage zu einer neuen Blüte führten. 1517 gelangte die Landgerichtshoheit über die eigenen Untertanen an die Grundherren; bereits in der Mitte des 17. Jh.s bestand ein geschlossener Landgerichtssbezirk.
III.
Zur Res. Steyregg gehören das Schloß mit den Wehrbauten, der ummauerte Ort mit der Pfarrkirche im Dörfl und der große Meierhof. Die Burg auf einer Vorkuppe des Pfennigberges wurde vermutlich um 1070 bis 1100 erbaut. Im 15. Jh. war das Schloß erheblich erweitert. Im 16. Jh. erfolgte der Ausbau zu einem wehrhaften Renaissance-Hochschloß. Hartmann II. von Liechtenstein (1544-1584) beschrieb den Besitz in hohen Tönen: Das Schloß sei von den Gewölben über die Zimmer bis zum Dach gut gebaut, ein Fs. könne darin stattlich und bequem wohnen. Es sei mit Kellern, Vorratsräumen, Bad, Schöpf- und Röhrenbrunnen sowie einem Lustgarten innerhalb der Ringmauer versehen, habe einen schön gebauten Meierhof mit gemauerten Ställen, Felsenkellern und vollständig eingerichtetem Bräuhaus. Der viergeschossige gotische Ostflügel des Schlosses wurde in der Renaissance prachtvoll ausgebaut (vollendet 1613-1619). Der Festsaal war zweigeschossig. Die Süd- und Ostfront wiesen eine toskanische Kolossalpilastergliederung auf. Die um 1300 erbaute Schloßkapelle (Hl. Johannes der Täufer) wurde 1305 erstmals urkundlich erwähnt und weist frühgotische Wandmalereien auf. Am Beginn ihrer Herrschaft stifteten die Liechtenstein in der zweigeschossigen Schloßkapelle einen Antoniusaltar (1425). 1680 wurde die Kapelle, in der das Frgm. eines Grabmals für einen Wolfgang Jörger erhalten ist, barockisiert. Die Befestigungsanlagen aus dem 14. bis 16. Jh. sind teilw. erhalten, insbes. der gotische Rundturm des 14. Jh.s und der Torbau des 15. Jh.s mit vorgesetztem Renaissance-Rustikaportal (um 1600). Um 1670/71 wurde das Aliianzwappen W.-Jörger am Brunnen der Auffahrt in Steyregg angebracht. Brände in den Jahren 1770 und 1778 zerstörten große Teile des Schlosses und führten zur Abtragung des Westturmes und der Flügel im O und W. Nur ein kleiner, heute burgartig wirkender Teil der einst ausnehmend großen Anlage ist erhalten. Über die ältere Innenausstattung sind wir bis auf ein Inventarverzeichnis aus dem Jahr 1560 bislang kaum informiert. Inventare des Schlosses von 1733 und 1760 dagegen sind erhalten; gen. werden u. a. 39 Betten, darunter sehr kostbare Himmelbetten, Geschirr, Billiard, Gemälde (allein in Bildersaal und Großem Saal 170, sowie kostbare Spiegel, die nach Rubriken geordnete Bibliothek mit über 1000 Bänden) und eine wertvolle Kutsche. Nach den Bränden wurde 1778-1782 das ehem. Gärtnerhaus neben dem Meierhof am Fuß des alten Schlosses als neues Schloß ausgebaut und 1894-1896 erweitert. Mit Ausnahme des Traktes aus dem 19. Jh. wurde das Schloß 1944 bei einem Bombenangriff zerstört und 1966 abgetragen.
Die in oft kurzfristigem Eigentum stehenden Stadthäuser in ksl. Res.en dienten vor 1600 ohne bes. Repräsentationsaufwand standesgemäßgen Wohnzwecken. In Graz erhielt Hans I. 1441 vom späteren Ks. Friedrich III. ein Haus in der Judengasse, 1454 Haus und Hof zu Leoben als Leibgeding. In Wien durfte sich Georg (gest. 1468) 1463 wg. der Beschädigung seines dortigen Hauses schadlos halten. In Wiener Neustadt kaufte Georg 1455 ein Haus und verkaufte es an Hans I., ein anderes an einen Stubenberg. Hans I. verkaufte ein Haus in Wiener Neustadt an Eh. Albrecht VI. In Wien verkaufte Hans III. 1546 sein Haus am Minoritenplatz an die Stände von Niederösterreich, die dort die Landschaftsschule einrichteten. Ebenfalls in Wien kaufte David I. während seiner Amtszeit im Hofkriegsrat ein Haus an der Freyung verkaufte es für 11 000 fl. an ihrem Ende an Karl von Harrach. Langfristiger Hausbesitz bestand in Völkermarkt (bei Sonnegg). In Linz besaßen die U. 1614-1622 ein Freihaus am Minoritenplatz (sog. Starhemberghaus); es gelangte durch die Ehe der Margarethe Prager mit Andrä U. in den Familienbesitz der U. und ging durch die Konfiskation verloren. Mozart komponierte in diesem Haus die Linzer Symphonie (KV 425). In Wien bewohnte David II. als Hofkammer(vize)präsident in Wien ein vom Hofmarschallamt zugewiesenes Hofquartier. Seine Frau kaufte in Wien 1648 ein Haus in der Wallnerstraße (11, früher 246). In Linz besaß das Paar eine Behausung in der Hofgasse (Hofgasse 22, Jörger'sches Freihaus); das von Davids II. Ehefrau 1631 ererbte ehem. Jörger'sche Freihaus, das 1604 als neu gebaut bezeichnet wurde, besaß seit 1601 eine unterirdische Abwasserleitung zur Donau. Das Ehepaar kaufte 1639 die Nachbarhäuser (sog. Klingenbeck'sche Häuser, Hofgasse 20) hinzu, die 1646 von Ks. Ferdinand III. von Einquartierung und Burgrechtspfennig befreit wurden; 1670-1673 wurden diese Häuser umgebaut, wobei die zwischen den Häusern verlaufende Gerichtsbezirksgrenze zwischen Burg und Stadt Linz baulich kenntlich gemacht werden mußte. 1721 verkaufte Ferdinand Bonaventura (1694-1781) die beiden Häuser. 1658 kaufte David II. für 5000fl. ein weiteres Freihaus in Linz am Hauptplatz (Hauptplatz Nr. 27/Domgasse 16) und ließ 1658-1659 die Fassade barockisieren; Ks. Leopold I. erteilte 1659 die Befreiung vom Burgrechtsdienst. Dieses Freihaus lag bei der Kirche der Jesuiten, die den U.-W. eine Familiengruft einräumten und die Wappenanbringung über der Kapelle mit der Gruft gestatteten. Berühmtester Mieter war Joseph Fouché (1818-1820), ein Verzeichnis des kostbaren Inventars von 1766 ist erhalten.