TRUHENDINGEN
II.
Einnahmen und Aufwendungen für die truhendingische Hofhaltung sind mangels aussagekräftiger Quellen kaum darzustellen. An Einnahmen waren die Zins- und Naturalabgaben von größter Bedeutung, ihre Höhe läßt sich nur sporadisch feststellen. Im Mittelpunkt der Naturalabgaben stand das Getreide. Die Zinsleistungen betrugen – je nach Größe des Hofes – zwischen vier und 104 Pfund Heller. Der Grundzins beruhte nach einer Auflistung von 1396 aus der Kapitalisierung der Abgabe von Schweinen.
Zusätzlich erhielt die truhendingische Küche aus den Abgaben Fastnachts- und Herbsthühner, Käse, Eier und Öl. Für die Burg → Hohentrüdingen ist auch ein so gen. Baumgarten für Kräuter und Gemüse belegt.
Einen kleinen Einblick in die Ausgabenseite gewährt das Handlungsbuch des Nürnberger Handelshauses Holzschuher. Dort besaß Gf. Ulrich I. von T. ein Sonderkonto. Leider sind hier nur die Bestellungen und Zahlungen der Jahre 1305/06 überliefert. Dennoch ist zu erkennen, daß die persönlichen Ansprüche hoch angesetzt waren und der Gf. großen Wert auf einen repräsentativen Lebensstil legte.
Innerhalb dieses einen Jahres wurden dem Truhendinger vier Rechnungen mit einem Gesamtbetrag von 1801,5 Pfund Heller gestellt. Ein Großteil der Kosten schlug für die Kleidung des Gf.en und seiner Dienstleute zu Buche. So bevorzugte er für sich nur bestes Tuch aus Ypern und Doornik (Tournai) in allen Farben. Die Preise lagen zwischen 10 Schillingen und 1/2 Pfund Heller für die Elle Tuch. Ein fertiger Rock kostete 6 Schilling Heller, ein Paar Schuhe je nach Ausfertigung zwischen 12 Heller und 36 Heller, ein Paar Strümpfe rund 1 Schilling.
Der Bruder Ulrichs I., Friedrich VII., erscheint ebenfalls im Handlungsbuch. Er war den Holzschuhern am 29. Sept. 1304 insgesamt 112 1/2 Pfund Heller schuldig, seine Gattin Agnes 10 1/2 Pfund Heller. Als finanziell bereits stark vorbelasteter Kunde mußte er im Gegenzug Grundbesitz verpfänden.
Neben der Kleidung bildete die Haushaltsführung einen gewichtigen Kostenfaktor. Die Truhendinger ließen sich 1305/1306 von den Holzschuhern u. a. 41 1/2 Maß Wein (rund 3 Fuder) für 43 Pfund 80 Heller liefern, ebenso Gewürze (Pfeffer, Muskat, Safran und Ingwer) für 2 Pfund 8 Heller. Der Weinbedarf mußte nach Aufgabe der Vogtei über die Solnhofer Weinberge in Heidingsfeld bei Würzburg i.J. 1277, die dem truhendingischen Keller bisher vier Fuder Wein i.J. eingebracht hatten, durch Kauf gedeckt werden.
Die truhendingische Küche scheint im näheren Umkreis berühmt gewesen zu sein. Wolfram von Eschenbach berichtet im vierten Buch seines »Parzival« über die Not, die in der von Kg. Clamide von Brandigan belagerten Stadt Pelrapeire herrschte, und führt seinen Lesern vor Augen, was ein zeitgenössischer Besucher unter normalen Bedingungen an Nahrungs- und Genußmitteln erwartet hätte. In diesem Zusammenhang rühmt er die Truhendinger Pfanne und ihre Krapfen.
Hohe Kosten entstanden auch für die ritterliche Ausrüstung. Pferde galten als wertvolles Gut. Im Handlungsbuch der Holzschuher schlägt ein Wallach mit 5 Pfund Heller zu Buche, Zaumzeug und Halfter mit 5 Schilling 60 Heller. 1384 kosteten zwei Hengste 87 Gulden bzw. 100 Gulden und ein Panzerhemd rund 2 Pfund Heller.
Quellen
Das Handlungsbuch der Holzschuher in Nürnberg von 1304 bis 1307, hg. von Anton Chroust und Hans Proesler, Erlangen 1934. – Wolfram von Eschenbach: Parzival, hg. von Karl Lachmann, Hamburg 1947.
Literatur
Russ, Hubert: Die Edelfreien und Grafen von Truhendingen. Studien zur Geschichte eines Dynastengeschlechtes im fränkisch-schwäbisch-bayerischen Grenzraum vom frühen 12. bis frühen 15. Jahrhundert, Neustadt an der Aisch 1992.