STÖFFELN
Die Burg Stofola gehört mit ihrer Nennung zum Jahr 1056 zu den ältesten Burgen der Schwäbischen Alb. Nach der schon erwähnten These Stälins wäre sie nach der Achalm und Hohenurach die dritte Burgengründung der Gf.en von Achalm, die dann an eine illegitime Nebenlinie der Achalmer gelangt wäre. Eine solch frühe Burgengründung kann nur auf eine der wirklich bedeutenden Dynastien dieses Raumes zurückgehen. Insofern kommen die Achalmer Gf.en als Burgengründer durchaus in Frage. Allerdings müßten dann Stälins Postulat und Harters einleuchtende Theorie in Übereinstimmung gebracht werden. Dies erscheint durchaus möglich, wenn man berücksichtigt, daß die Herren von Husen als Verwandte der Gf.en von → Sulz und der → Zollergf.en ebenfalls zur ersten Garnitur des schwäbischen Hochadels zählten und der Erwerb der Burg S. aus kognatischer Quelle herrühren könnte.
Jedenfalls bildete der Besitz der Burg S. eine hervorragende Voraussetzung zur Herrschaftsbildung und zur Ausbildung eines Hofes. Allerdings geben die Quellen zu einer solchen Entwicklung recht wenig her. Für das 12. Jh. existieren fast gar keine Quellen, bis sich am Ende des Jh.s die Herren von S. vereinzelt in Ks.urk.n fassen lassen, dies allerdings wohl eher indirekt als Ausfluß ihres vasallitischen Verhältnisses zu den Pfgf.en von → Tübingen. Die Herren von S. rangierten um 1200 möglicherw. nicht weit unterhalb gfl. Familien, ihnen gelang aber nur eingeschränkt die Ausbildung einer eigenen Hofhaltung. Sie waren eher in den Hof der Tübinger Pfgf.en einbezogen als daß sie selbst einen solchen unterhalten hätten. In der Gründung der Stadt Gönningen um 1250 kommt zwar (wie bei anderen Stadtgründern dieser Herrenschicht, vgl. Herren von → Gundelfingen, Herren von → Hewen u. a.) ein gewisser Herrschaftsanspruch zum Ausdruck. Auch lassen sich insgesamt 15 ritterliche Familien namhaft machen, die zur Lehensmannschaft der S. zählten (so die Herren von Bernhausen, Echterdingen, Berstatt und Plochingen), aber Hofämter wie im Umkreis gfl. Familien sucht man in den Quellen vergebens. Vielmehr muß man davon ausgehen, daß in der zweiten Hälfte des 13. Jh.s der Stern der Herren von S. (wie übrigens jener der Tübinger Pfgf.en) im Sinken begriffen war und sie so zur leichten und schutzlosen Beute der württ. Expansion werden konnten.
Als starkes Indiz für die Teilhabe der Herren von S. an der höfischen Kultur des späten 13. Jh.s ist die Tatsache zu werten, daß die Familie mit Konrad von S. selbst einen bedeutenden späthöfischen Dichter hervorgebracht hat. Allerdings ist der Gauriel von Muntabel trotz gewachsenen germanistischen Interesses bis heute noch immer mit zahlr. Fragezeichen behaftet. So ist das Werk weder genau dat. noch sein Verfasser sicher identifiziert. Wir wissen deshalb auch nicht, wo sich der »Hof« befand, an dem der Dichter sein Artusepos in der Tradition Hartmanns von Aue im Kreis welcher ritterlicher Gefolgsleute zum Besten gab. Man hat darauf verwiesen, daß der Schluß des Gauriel von Muntabel ein Plädoyer für die gemeinschaftsbildende Kraft der Ritterschaft unter Führung eines starken und geachteten Kg.s darstellt. Diese Darstellung beschwöre nicht nur die guten alten Zeiten des klassischen (staufischen) Rittertums, sondern reflektiere direkt zeitgenössisches Geschehen. Im Gauriel spiegele sich die Schwäche des Kgtm.s Ende des 13. Jh.s, als rücksichtslose Territorialherren wie die Gf.en von Württemberg schwächeren Herren wie den von S., aber auch den Pfgf.en von → Tübingen in aggressiver Weise ihre Existenzgrundlagen entzogen. Insofern scheint der Gauriel persönlich Erfahrenes literarisch zu verarbeiten. Dies gibt uns auch ein Indiz an die Hand, wer sich hinter dem Dichter des Romans verstecken könnte. Unter den drei Brüdern von S., die i.J. 1300 zähneknirschend ihre Burg S. mit Gönningen an Württemberg abtraten, findet sich neben Cuno und Albrecht ein Cunrat von Stoffeln (1287 bis 1300 belegt). In ihm dürfen wir mit einiger Wahrscheinlichkeit den Dichter des Gauriel von Muntabel vermuten.