Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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STÖFFELN

A. Stöffeln

I./II.

Zur Herkunft und genealogischen Ableitung der Herren von S. gibt es verschiedene Thesen. Nach Paul Friedrich Stälin gehen die S. auf einen unehelichen Sohn Kunos von Achalm zurück, bildeten also einen aus der Illegitimität erwachsenen Zweig einer der bedeutendsten schwäbischen Dynastien des 11. Jh.s, der sich dann nach der Burg S. bei Gönningen (heute ein Stadtteil von Reutlingen) gen. habe. Eine nur vage ausgeführte These von Hans Jänichen bringt die S. mit den benachbarten Herren von Metzingen in Verbindung. Nach der jüngsten und ansprechendsten These von Hans Harter leiten sich die Herren von S. von der Familie jenes Ruotmann von Husen her, der i.J. 1095 neben den Gf.en von → Sulz und von → Zollern als dritter Stifter des Kl.s Alpirsbach in Erscheinung getreten ist. Die Herren von Husen lokalisiert Harter nach Hausen vor Wald bei Donaueschingen. Sie waren am östlichen Rand des Schwarzwaldes begütert, hatten aber auch Besitz im Raum Gönningen. Diese Besitzstreuung und die Tatsache, daß sich die seltenen Vornamen Ruotmann und Rapoto/Ratzo nach den Überlieferungen der St. Georgener Traditionsnotizen, des Codex Hirsaugiensis und des Reichenbacher Schenkungsbuches sowohl in der Familie von Husen als auch bei den frühen Trägern des Namens S. finden, legen die Vermutung nahe, daß die Husen in den Jahren um 1090/1100 ihren Sitz von Hausen vor Wald auf die frühe Burg S. bei Gönningen verlegt haben.

IV.

Zwischen 1111 (Letztnennung des Rapoto/Ratzo de Husen/Stoffile) und 1181 klafft eine Lükke von 70 Jahren, bis die reichlicher fließenden Quellen eine einigermaßen lückenlose Genealogie des Geschlechts zulassen. Wie bei vielen anderen Adelsgeschlechtern dieser Zeit läßt sich nicht zweifelsfrei sichern, daß die Träger des Namens S. nach 1181 die S. aus der Zeit um 1100 in direkter Linie fortsetzen. Vages Indiz hierfür bleibt der Vorname Adalbert, der bereits 1090 auftrat und später neben Konrad/Kuno zum Leitnamen des Geschlechts wurde. In der zweiten Hälfte des 13. Jh.s teilte sich die Familie mit den Brüdern (?) Albert von S. (1283/gest. vor 1287), Konrad von Weinberg (1271/81) und Eberhard von S. zu Untersielmingen in drei Linien, wovon hier die beiden zu S. bei Gönningen und zu Weinberg bei Metzingen interessieren.

Im Jahr 1300 geriet zunächst die Linie zu S., 1317 auch die Weinberger Linie mit Gf. Eberhard dem Erlauchten von Württemberg in Konflikt. Auch wenn der Hintergrund dieses (offenkundig bewaffneten) Zusammenstoßes bislang nicht geklärt ist, so wird man doch davon ausgehen können, daß dieser im Zusammenhang mit dem territorialen Ausgreifen Württembergs und den Auseinandersetzungen Württembergs mit den Habsburgern standen, die 1311 zum Reichskrieg gegen Württemberg führten. Ergebnis der Konfrontation der kleinen Herren von S. mit Württemberg war jedenfalls, daß i.J. 1300 zunächst die drei Bürder Kuno, Konrad und Albrecht von S. zu S., dann i.J. 1317 auch die sechs Vettern von S. zu Weinberg ihre Herrschaften an Württemberg abtraten. Damit verschwanden die Herren von S. aus dem Kreis der Herrschaftsträger auf der Schwäbischen Alb, auch wenn die Familie, teilw. ins Bürgertum abgestiegen, bis um 1530 blühte. Lediglich dem der Weinberger Linie entstammenden Albrecht von S. gelang nach 1345 in Justingen auf der Schwäbischen Alb der Aufbau einer neuen Herrschaft.