Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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STERNBERG

C. Sternberg [in Mähren]

I.

[de castro] Sternberch (ad 1269 – Fälschung, um 1300), Sternenberch (1274), Ssternberg (1307), Šternberk (1480). – Res. cca 1260-1397/1401. – Nordmähren, Bez. Olomouc.

II.

Die zum erstenmal 1269 (in einer späteren, faktisch aber zuverlässigen Fälschung aus der Zeit um 1300) erwähnte Burg auf dem Ausläufer einer Höhe oberhalb der heutigen Stadt diente nach der ersten Hälfte des 13. Jh.s Zdeslav von Chlumec/Chlumetz (erw. 1235-1262/63) als Stützpunkt in der Region nördlich von Olomouc/Olmütz (er erhielt das dortige Gebiet für seine Verdienste bei der Verteidigung von Olmütz gegen die Mongolen 1253 von Přemysl Otakar II.); in der vorhussitischen Zeit war S. die wichtigste Res. der mähr. → S.er; sie hielten S. nur bis 1397 bzw. 1401. 1397 wurde S. an Anna, Fs.in von Troppau (gest. 1401) und Wwe. von Petr/Peter von S. (gest. 1397), abgetreten; nach 1401 erwarben die Herren von Kravaře/→ Krawarn S., das nie wieder in den Besitz der Herren von → S. gekommen ist.

Die Stadt wird erst später als die Burg in den Quellen erwähnt, nämlich 1296 (civitas Sternberch), wobei mit einer vorstädtischen Siedlung mit einer Dreifaltigkeitskirche schon nach der Mitte des 13. Jh.s zu rechnen ist. Als Begründer der Stadt gilt Albert I. (erw. 1263-1303), Sohn des Zdeslaus von S.; die Entwicklung der Stadt im 14. Jh. ist mit Štěpán/Stephan von S. (erw. 1316-1352) und bes. mit Bf. Albert/Albrecht von S. (gest. 1380) verbunden, von dem die Stadt einige Privilegien erhielt, darunter das Recht zur Befestigung (die ursprgl. Dreifaltigkeitskirche blieb dabei außerhalb der Stadt und vor 1371 wurde bei der Kirche ein Spital gegr.; die Rolle der Pfarrkirche übernahm schon am Ende des 13. Jh.s die neu gegr. St. Georgs Kirche). 1371 gründete Albert von S. in S. ein Augustinerkl., das zugl. als Familiennekropole dienen sollte.

III.

Aus der räumlichen Disposition der Burg aus der Zeit von Zdislaus und seines Sohnes Albert von S. ist der kreisförmige Turm an der Zugangsweg erhalten, wobei die Lage des ursprgl. Palastes heute nicht näher identifiziert werden kann (es handelte sich wahrscheinlich um die westliche oder südliche Seite, wo sich im 14. Jh. der Palast befand). Zu Bauänderungen ist es in der Zeit der Entwicklung S. zu einer repräsentativen Res.stadt unter Bf. Albert von S. (gest. 1380) zwischen den Jahren ca. 1360-1380 gekommen; der Umfang und der Charakter der Bauarbeiten an der Burg läßt sich heute nur hypothetisch für den südlichen Palastflügel (wo sich die Kapelle befindet) und den vorderen Teil der westlichen Flügel annehmen; als Bauherr gilt Albert zweifelsohne im Fall der Kapelle (in den Quellen zum erstenmal 1376 erwähnt), bei der S.s persönliche Repräsentation in mehreren Ebenen zum Ausdruck kam. Die Kapelle wurde im ersten Stock des südlichen Palastes errichtet, wobei der Erker optisch den Zugangsweg zur Burg beherrschte; die von einem Marien-Zyklus geprägte Ikonographie der Wandmalereien in der Kapelle deutet auf des Bauherren Zugehörigkeit zum höfischen Milieu um Karl IV., wo der marianische Kult verbreitet war (ebenso deuten die formalen Merkmale der Malereien auf das höfische Milieu).

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